Armeematerial
Im Prattler Militärladen gibts immer noch Armeedecken – aber sie sind jetzt kuschelig weich

Die Prattler Filiale des Military Megastore stand vor der Schliessung, bis zwei neue Besitzer daraus den Rangerstore machten. Sie wollen weg vom reinen Militär-Image, aber der Grossteil der Waren bleibt militärgrün.

Michel Ecklin
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Der Rangerstore befindet sich in Pratteln.
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Heinz Peter Meichtry sah in der ehemaligen Filiale des Westschweizer Military Megastore eine Möglichkeit, neue Kundensegmente anzusprechen. Nicht das ganze Angebot ist kriegstauglich.
Zwar dominieren in der Halle immer noch Tarnfarben...
...
... aber nicht das ganze Angebot ist kriegstauglich.
So gibt es viele Stücke, die nur im entfernt etwas mit dem Militär zu tun haben. Wie beispielswiese dieses modische Teil...
... oder dieser Regenschirm.
Für den Besitzer gilt es die Gratwanderung zwischen dem Urchigen, das den alten Laden einzigartig machte, und einem modernen Marketing zu finden.
Und so ist im Rangerstore sicherlich für jeden etwas dabei.

Der Rangerstore befindet sich in Pratteln.

Kenneth Nars

Mitten im Military Megastore stand ein Panzer 61 (ein echter). Zu kaufen gab es im Prattler Geschäft ganze Feldküchen aus der Vorkriegszeit, wüstentaugliche Tarnnetze und echte Schweizer Militärplachen. Man fand Schafwollmützen, für zweistellige Minustemperaturen – schliesslich waren sie von der finnischen Armee. Den Bergen von Beilen sah man an, dass sie schon ganze Wälder gefällt hatten. Wer Militärdienst geleistet hat, erkannte in der 1000 Quadratmeter grossen Halle den typischen Zeughausgeruch aus Mottenkugeln und Schmieröl. Der Laden war seit 2005 ein Fleckchen Armee im Prattler Industriegebiet, weniger für Militaristen als für Liebhaber von Gegenständen mit Geschichte – fast wie in einem Museum.

Das Problem war nur: Ausser Fasnächtlern und Street-Parade-Fans wollte kaum jemand den alten Militärkram. Den Grossteil ihres Umsatzes machten die Filialen der Westschweizer MMS Holding SA mit Neuware, die mehr oder weniger entfernt mit Militär, Security und Outdoor zu tun hatte. Das war für die Firmenzentrale auf Dauer unbefriedigend. Und weil die Bestände des begehrten Armeematerials sowieso langsam erschöpft sind, beschloss das Unternehmen, sich neu zu orientieren.

Militärdecken, aber samtweiche

Bis auf eine im Wallis sollten alle Filialen geschlossen werden, auch diejenige in Pratteln. Doch das wollten die Kunden in der Region nicht hinnehmen. Von der drohenden Schliessung betroffen waren unter anderem Polizisten und Feuerwehrleute, ebenso Angehörige der Schweizer Armee. Denn sie dürfen ihre Einsatzstiefel durch eigene ersetzen, und die gab es im Military Megastore. «Kann man den Laden denn nicht retten?», kriegte der damalige Filialleiter oft zu hören. Er lancierte eine Petition, es kamen über tausend Unterschriften zusammen.

Dass der Prattler Laden eine Zukunft haben sollte, fand auch Heinz Peter Meichtry, Leiter Regionen bei MMS. Er war eine der erfolgreicheren Filialen gewesen, und so beschloss er zusammen mit Sascha Duursema, sie zu übernehmen. Nahtlos haben die beiden daraus seit Anfang Jahr den Rangerstore gemacht. Das Prattler Personal übernahmen sie nicht, sondern wählten welches aus anderen Filialen aus. Im Gegensatz zum bisherigen Geschäft, wollen sie das Zielpublikum genauer definieren. Sie setzen deshalb mit einer sanfte Fokussierung auf die drei Bereiche «Camping», «Survival» und «Familie».

Das Militärische steckt im Detail

In der Halle dominieren immer noch Tarnfarben, auch die Militärdecke ist noch im Angebot, aber als Imitation, die nicht mehr so kratzt wie die echte. Dazwischen gibts Original-Armeematerial, man kriegt auch heute noch Schweizer Militärplachen. «Das Angebot ist ziviler geworden», sagt Duursema – wobei das Militär manchmal in Details steckt. Er zeigt einen Rucksack, dessen Befestigungssystem von einem Modell der US-Armee abgekupfert ist, und meint: «Da fällt garantiert nichts auseinander.» Und Jäger profitieren von für Soldaten entwickelten, raschelarmen Jacken.

Die amerikanischen Pilotenjacken sehen täuschend echt aus, sind aber modische Imitationen. Auch nicht gerade kriegstauglich sind die Tank-Tops im rosaroten Tarnmuster. Die Kisten voller Schildmützen des «Esercito Italiano» sind verschwunden, dafür gibts Baseball-Kappen mit amerikanischen Security-Logos. «Das ist dann der Cool-Sektor», sagt Duursema – wobei sich hier auch Security-Firmen mit Profi-Material eindecken können.

Armeeangehörige und Polizisten finden im Rangerstore schwarze Stiefel. Zelte gibts in Tarnfarben, aber auch neutral. «Der Kunde soll selber definieren, was er unter ‹Outdoor› versteht», sagt Duursema. Er selber trägt ein militärgrünes T-Shirt – ein ziviles Produkt, aber aus dicker Baumwolle wie echte Armeetextilien, wie er betont.

Paletten statt Chromstahl

Der Erfolg des Rangerstores hängt davon ab, ob die neuen Besitzer die Gratwanderung finden zwischen dem Urchigen, das den alten Laden einzigartig machte, und einem modernen Marketing. Chromstahlregale gibt es nicht, dafür Paletten und selber hergestellte Kisten. Doch ein 350 Franken teurer Rucksack darf edler präsentiert werden. «Das Geschäft soll nicht chic sein, aber wir sind etwas hochgegangen mit dem Niveau», sagt Duursema.

Die beiden wollten unbedingt in der rohen Industriehalle bleiben, aber der Panzer ist schon lange verschwunden, bald auch das Kampfflugzeug MIG 21 vor der Halle. Der Rangerstore ist in den sozialen Medien präsent, gleichzeitig sagt Duursema: «Man muss die Produkte spüren. Das Erlebnis soll bleiben.»

Seitdem die Umstellung läuft, hat Meichtry festgestellt, fragen sich viele Kunden als Erstes, was hier wohl anders geworden ist. Was jedenfalls gleich geblieben ist, ist der Geruch der Halle – und an der Kasse gibts immer noch echte Schweizer Militärguetzli.

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