Muttenz
Im Schulhaus brennt eine Lichterkette – 9-jähriges Mädchen muss zum Arzt

In der Muttenzer Primarschule brannte eine Weihnachtsbeleuchtung, die als sicher galt: Es war eine elektrische Lichterkette. Den Unfall überrascht den kantonalen Brandschutzinspektor allerdings nicht.

Michel Ecklin
Merken
Drucken
Teilen
An der Primarschule Margelacker in Muttenz brannte eine elektrische Lichterkette.

An der Primarschule Margelacker in Muttenz brannte eine elektrische Lichterkette.

Roland Schmid

Am Schluss ging alles glimpflich aus. Am Donnerstagvormittag geriet in der Primarschule Margelacker in Muttenz eine Weihnachtsdekoration in Brand. «Zum Glück stand ein Heizungsmonteur daneben, der sofort anfing, das Feuer zu löschen», sagt Co-Schulleiterin Regula Meschberger. In Brand geraten war ein Adventskalender aus Karton und Stoff, wie ihn die Schüler jedes Jahr basteln. Er stand seit dem 1. Dezember in einem Gang des Schulhauses.

Als der Brand losging, hatte gerade die Pause begonnen, und die Lehrer sammelten die Schüler in der Turnhalle. Einem neunjährigen Mädchen wurde es während der Evakuation wegen des Rauchs in der Luft schwindlig. Es stürzte auf einer Treppe und schürfte sich die Knie auf. «Eine Lehrerin packte sie sofort und brachte sie zum Arzt», sagte am Freitag ihr Vater. Eine Rauchvergiftung konnte aber nicht festgestellt werden. In der Nacht danach schlief das Mädchen schlecht. «Aber das ist bei einer Neunjährigen normal, wenn so etwas wie ein Brand geschieht», findet der Vater. Er habe die Ereignisse mit den Lehrern gesprochen, für ihn ist der Fall abgeschlossen.

Offene Flammen sind verboten

Ansonsten wurde beim Brand niemand verletzt. «Unter den Kindern gab es viel Aufregung, aber keine Panik», sagt Meschberger. Die Schüler wurden über Mittag nach Hause geschickt, mit einem Brief, der die Eltern über den Brand informierte.

Ende gut, alles gut – könnte man zumindest meinen. Denn eher beängstigend ist, dass die Muttenzer Schulleitung eigentlich alles richtig machte und es trotzdem zu einem Brand kam. Es waren nämlich keine brennenden Kerzen, die das Feuer entfachten. Kerzen mit offener Flamme sind an den Baselbieter Primarschulen sowieso verboten. Ursache für den Brand war eine elektrisch betriebene Lichterkette.

Genau solche hält die Baselbieter Gebäudeversicherung (BGV) ausdrücklich für sicher. «Wir empfehlen den Schulleitungen für die Weihnachtsbeleuchtung die Verwendung von elektrischen Lichterketten», sagt BGV-Brandschutzinspektor Attila Matiscak. Ihm ist kein Fall im Baselbiet bekannt, wo eine Lichterkette einen Brand verursacht hätte. Dementsprechend gibt die BGV den Schulleitungen auch keine Empfehlungen im Umgang mit solchen Geräten ab.

«Es gilt nur das zu beachten, was die Hersteller selber in den Geräteanleitungen schreiben», sagt Matiscak. «Es handelt sich um normale elektrische Produkte.» Schliesslich seien sie an Steckdosen angeschlossen, die gegen Kurzschluss abgesichert seien.

Erst Wiederholungen interessant

Umso mehr überrascht Matiscak der Unfall in Muttenz. Er kennt den Fall nicht, meint aber: Ursache könnte ein defektes Kabel gewesen sein. Auch für Konsumentenorganisationen sind defekte Kabel das Gefährlichste an Lichterketten.

Dass eine als harmlos geltende Einrichtung einen Brand auslöste, beunruhigt den Brandschutzexperten nicht besonders. Falls die kriminaltechnische Abteilung der Polizei einen Bericht über den Muttenzer Brand liefere, werde ihn die BGV sicher genauer anschauen, sagt er. «Aber interessant wird für uns erst eine Häufung der immer gleichen Fälle», sagt er. «Dann suchen wir nach sich wiederholenden Ursachen.»

Auch die Muttenzer Primarschulleitung wartet vorerst die Untersuchung des Brandfalls durch Fachexperten ab. «Wir waren alle davon ausgegangen, dass unser Adventskalender ungefährlich war», sagt Meschberger. Für sie steht fest, dass elektrische Lichterketten zu Weihnachten gehören. «Dürften wir keine mehr verwenden, wäre wirklich gar nichts mehr möglich.»