Restaurant «Union»
Im «Union» schliesst das «Union»

Im Restaurant «Union» im gleichnamigen Begegnungszentrum findet heute die «Uustrinkete» statt.

Franz Osswald
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Im «Union» schliesst das «Union»

Im «Union» schliesst das «Union»

«Während der Schulferien ist das Union geschlossen – ab 9. August 2010 sind wir wieder für Sie da. Wir wünschen eine erholsame, sonnige Sommerzeit!» Diese Mitteilung findet, wer auf der Homepage des Kleinbasler Begegnungszentrums den Link «Union Kultur- und Begegnungszentrum» anklickt.

Die Struktur der Homepage zeigt auf, dass an diesem Ort zwei Welten aufeinander treffen. Denn das Restaurant im gleichen Gebäude muss über einen separaten Link angewählt werden.

Während beim Begegnungszentrum die Welt noch in Ordnung ist, herrscht beim Restaurant Abschiedsstimmung: «‹Uustrinkete› mit musikalischer Lesung in mehreren Gängen» lautet sozusagen das Galgenmenü von heute Donnerstag, 19 Uhr, denn ab morgen bleiben die Herdplatten kalt.

Seit Oktober 2008 wirtet Christian Dirscherl auf dem «Union». Dass er nach kaum zwei Jahren den Betrieb aufgibt, hat diverse Gründe, «einer davon hat aber sicher mit den unglücklichen strukturellen Gegebenheiten zu tun», sagt er. «Hier kommt nicht alles aus einer Hand. Das Restaurant soll unter wirtschaftlichen Kriterien geführt werden, das Begegnungszentrum hingegen ist ein Ort mit subventionierten niederschwelligen Angeboten.»

Zwei Welten unter einem Dach

Das Zentrum «Union» vereinigt damit zwei Welten unter einem Dach, führt sie aber offensichtlich nicht zusammen. Im Restaurant assen vorwiegend Schweizer, Leute aus dem Kleinbasel oder anderen Basler Quartieren. Laufkundschaft habe es, so Dirscherl, kaum gegeben. Die Klientel des Kultur- und Begegnungszentrums hingegen fand den Weg kaum ins Restaurant. Selbst bei Saalvermietungen sei die Trennung spürbar gewesen. Die ausländische Mieterschaft habe oft die eigene Küche mitgebracht, Firmen aus dem Quartier das Restaurant beauftragt. Christian Dirscherl ist bewusst, dass dies auch an den unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten lag. Für seinen Betrieb wäre aber eine bessere Verknüpfung beider «Welten» nötig gewesen.

Mit Sonderanstrengungen, beispielsweise einer Konzertreihe am Freitag, konnte ein Teil wettgemacht werden. Zwischen den Essenszeiten litt das Restaurant aber an mangelnder Auslastung. Ab morgen wird es ganz leer sein. Wie es weiter geht, weiss Christian Dirscherl noch nicht. Das Personal konnte nur zum Teil andernorts Arbeit finden. Personal, das der Wirt aufs Höchste lobt, weil das Engagement oft übers blosse Pflichtenheft hinausging. Was in den Räumlichkeiten dereinst an Kulinarischem angeboten werden soll, ist laut Annemarie Fischer, Präsidentin des «Verein Begegnungszentrum Kleinbasel» noch völlig offen. «Wir sind am Evaluieren, Suchen, Planen; haben Zusagen und Absagen», sagt sie kurz und knapp. Dass es eine schwierige Suche ist, beweist der Telefonmarathon von einer Stelle, die etwas wissen soll, zur nächsten, vom Union über die CMS bis zum Verein: um schliesslich zu erfahren, dass man mit Sicherheit nur eines wisse... nämlich nichts Genaues.

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