Jungjäger
Immer auf der Pirsch – aber noch nie Beute gemacht

Der Liestaler Severin Sorg hat das Jäger-Diplom erlangt. Nun sammelt er Erfahrungen.

Simon Tschopp
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Severin Sorg: «Ich will etwas aus meiner Jägerausbildung machen, nur dann macht sie Sinn.»

Severin Sorg: «Ich will etwas aus meiner Jägerausbildung machen, nur dann macht sie Sinn.»

Nicole Nars-Zimmer niz

«Mit gewissem Stolz» nimmt am Freitagnachmittag Severin Sorg sein Diplom als Jungjäger von Regierungspräsident Thomas Weber entgegen. Sorg ist einer von 18 erfolgreichen Absolventen der diesjährigen Prüfung im Baselbiet. Diese hat er mit Noten zwischen 5 und 6 abgeschlossen.

Im praktischen Teil wurden Waffenhandhabung, Schiessen und Verhalten mit der Waffe im Wald getestet. Der theoretische Teil erfolgte mündlich: Hund-, Wild- und Vogelkunde sowie Jagdgesetz. «In der Waffenhandhabung erreichte ich eine 5,5. Das Jagdgesetz ist ein sehr trockenes Thema. Das hat mir nicht so gefallen, aber es ist wichtig und muss sein», erklärt der 30-jährige Liestaler, der rund 100 Stunden in die Vorbereitungen investiert hat.

Ein Jahr die Schulbank gedrückt

Bis zur Jagdprüfung haben die Kandidaten maximal drei Jahre Zeit. «Ich zog es in einem Jahr durch und besuchte einen Abend pro Woche den theoretischen Unterricht», erzählt Severin Sorg. Zum Ausbildungsstart gibt es ein Hegebüchlein, in welchem Hegestunden und Teilnahmen an obligatorischen Kursen festgehalten werden. Sind die Kriterien erfüllt, wird man zur Prüfung zugelassen.

Er müsse jetzt nicht mehr büffeln, könne hinaus und Früchte ernten. «Nun gilt es, Erfahrungen zu sammeln», betont Sorg. Denn die schwierigste Aufgabe eines Jägers sei zu beurteilen, ob das anvisierte Tier erlegt werden dürfe oder nicht: Trächtig oder nicht? Stimmt das Alter? Dies in Kürze herauszufinden sei nicht einfach. «Erfahrene Jäger gehen in den Wald und erlegen ein Reh, Anfänger sehen nach vier- bis fünfmal vielleicht einmal ein Tier.» Severin Sorg hat bis jetzt noch keine Beute gemacht.

Ziel: Pächter werden

Er beabsichtigt, künftig Weiterbildungskurse zu besuchen. Für Sorg ist klar: «Ich will etwas aus meiner Jägerausbildung machen, nur dann macht sie Sinn.» Der junge Jäger denkt an Hunde-, Welpenkurse. Auch an Fleischkunde, «um das Wildbret zu verwerten»; denn da sei Vorsicht geboten.

Der 30-Jährige gehört zur Jagdgesellschaft Liestal; sie zählt elf Pächter, drei Mitglieder mit Begehungskarte, eine Hegejahrabsolventin und drei Wildhüter. Der Tiefbau-Polier ist der Jüngste. Vorläufig noch mit Begehungskarte ausgestattet, möchte er später Pächter werden. Noch hat Severin Sorg einen Jagdgötti, mit dem er sich abspricht und das Revier teilt. Das Gebiet der Jagdgesellschaft Liestal umfasst den ganzen Gemeindebann sowie einen Teil von Hersberg.

Schon immer war der in Gempen Aufgewachsene gerne in der Natur und als kleiner Knabe öfters im Wald. Vor zehn Jahren begann er sich für die Jagd zu interessieren. Durch einen damaligen Arbeitskollegen, der die Jägerprüfung abgelegt hatte, wurde er darauf aufmerksam. Nach Schule und Weiterbildungen wurde Sorgs Wunsch konkreter. Er meldete sich bei der Jagdgesellschaft Liestal. Nachdem er mit Pächtern viermal auf Treibjagd gegangen war, erhielt er die Zusage, dass er bei ihnen die Ausbildung machen kann.

Gelassenheit gegenüber Kritikern

In der Region werden primär Rehe, Wildschweine und Füchse gejagt, seltener Dachse und Marder. Die Treibjagd im Herbst ist für den Liestaler stets etwas Spezielles. «Und danach das Zusammensitzen unserer tollen Gruppe am Feuer», schwärmt er. Der Tiefbauarbeiter ist sich bewusst, dass er ein zeitintensives Hobby gewählt hat. Seine Freundin frage ihn immer wieder: «Wann bist du noch zu Hause?»

Wie reagiert Severin Sorg auf Leute, die wegen Begriffen wie Jäger, Tiere töten oder Treibjagd die Augen verdrehen? «Gelassen», sagt er ruhig. Er frage nach den Gründen der Abneigung und stelle fest, dass Kritiker meistens mit Klischees und Vorurteilen argumentierten. «Ein Jäger geht nicht einfach in den Wald und schiesst auf alles, was sich bewegt», bekräftigt er.

Gute Kleidung, die gegen Nässe und Kälte schützt, sei das Wichtigste der Ausrüstung, erklärt der frischgebackene Jäger. Ein Auto sei von Vorteil. Sorg besitzt zwei Gewehre, eine Büchse und eine Schrotflinte. Ein Jagdhund fehlt ihm noch. Doch zuerst geht Severin Sorg heute Freitag an die Diplomfeier ins Schloss Ebenrain in Sissach.