Impfkampagne
Zürich und Bern machen's vor: Landrat fordert Impfbusse fürs Baselbiet

Die Nachfrage nach Impfungen ist im Baselbiet wieder gestiegen, auch bei der ausländischen Bevölkerung. Für eine weitere Erhöhung der Impfquote setzt der Kanton auf eine Zusammenarbeit mit den Religionsgemeinschaften.

Tomasz Sikora
Drucken
Teilen
Ein Impfbus macht am 27. August 2021 Halt in Geroldswil (ZH).

Ein Impfbus macht am 27. August 2021 Halt in Geroldswil (ZH).

Severin Bigler

Der Herbst rückt näher – und mit ihm die Sorge vor einem weiteren Anstieg der Infektionszahlen und einer Überlastung der Spitäler. Aus diesem Grund hat der Kanton Basel-Stadt letzte Woche eine Intensivierung seiner Impfkampagne angekündigt. Unter anderem mit deutsch- und fremdsprachigen Inseraten, einer Streusendung in alle Haushalte und einem Impftelefon soll die Impfquote im Stadtkanton weiter erhöht werden.

Bereits der erste von drei Impftelefon-Nachmittagen scheint dabei erfolgreich gewesen zu sein. Insgesamt 30 Personen liessen sich mit dem Impfzentrum verbinden, um einen Impftermin zu erhalten, wie das Gesundheitsdepartement Basel-Stadt gestern mitteilte. Zu den Experten am Telefon gehörte etwa der Infektiologe Manuel Battegay vom Universitätsspital Basel.

Im Baselbiet scheint man eine derartige Intensivierung der Impfkampagne aktuell nicht für notwendig zu halten. Rolf Wirz, Sprecher der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD), sagt: «Die Impfkampagne läuft gut, die Nachfrage ist vor kurzem wieder leicht angestiegen.» Besonders der Erfolg der niederschwelligen Walk-in-Impfungen freut ihn: «Wir haben in den vergangenen Tagen in Laufen eine erfreulich hohe Anzahl von Impfungen von muslimischen Personen registriert.»

Mit der Impfung zu den Leuten

Weniger entspannt als Wirz sieht die Lage SP-Landrat Jan Kirchmayr: «Die Spitäler müssen schon wieder Eingriffe verschieben. Das ist fatal.» Auch im Baselbiet seien Streusendungen und Inserate auf Deutsch und in Fremdsprachen eine Überlegung wert, findet der angehende Lehrer, der an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz in Muttenz studiert. Jan Kirchmayr spontan: «Warum nicht einen Impftag beim Semesterstart an der FHNW in Muttenz durchführen?»

Sein eigentliches Augenmerk liegt aber auf den Impfbussen, welche in einigen Kantonen bereits im Betrieb sind: «Die Impfung sollte möglichst niederschwellig angeboten werden, was mit Impfbussen erreicht werden könnte.» Um der Idee Nachdruck zu verleihen, kündigt der Jungpolitiker an, der Regierung in der Fragestunde vom kommenden Donnerstag entsprechende Fragen zu stellen.

Den Vorwurf, dass im Baselbiet keine Impfbusse unterwegs seien, will VGD-Sprecher Wirz nicht stehen lassen: «Der Kanton Basel-Landschaft war einer der ersten Kantone, der mobile Teams eingesetzt hat.» Deren Einsatzgebiete wurden sogar ausgebaut, wie Wirz sagt: «Um das breitere Verständnis zu fördern, kommen auch mobile Beratungsteams zum Einsatz; etwa am Samstag am Markt in Allschwil.» Mit diesen sei es möglich, gezielt auf fremdsprachige Personen zuzugehen: «Durch die Zusammenarbeit mit dem Hilfswerk der evangelischen Kirchen Schweiz (HEKS) gehören diesen Teams auch Übersetzer an, welche dabei helfen, die fremdsprachige Bevölkerung über die Impfung zu informieren.»

Im Landkanton ist man anders als in Basel-Stadt mit dem zusätzlichen Problem konfrontiert, dass sich nicht nur die ausländische, sondern auch die ländliche Bevölkerung weniger impfen lässt. Abhilfe schaffen könnte das Impfen in Apotheken und Arztpraxen. «Wir haben wiederholt die Rückmeldung aus ländlichen Gebieten erhalten, dass man sich eine Impfung beim lokalen Apotheker oder Arzt wünscht. Das Angebot wird jetzt laufend ausgebaut», sagt der VGD-Sprecher.

Kooperation mit Religionsgemeinschaften

Für SP-Landrat Kirchmayr gibt es dabei noch Luft nach oben, wie er sagt: «In Apotheken muss bei einer Anmeldung teilweise bis Oktober gewartet werden, und es sind nach wie vor sehr wenige Apotheken und Arztpraxen, die die Impfung anbieten.»

Die Impfung in Apotheken und Arztpraxen ist aber nicht die einzige Idee, von der man sich beim VGD eine höhere Impfquote auf dem Land und bei der fremdsprachigen Bevölkerung verspricht. Wie Sprecher Rolf Wirz erklärt, setzt man im Baselbiet auf Hilfe von oben:

«Gespräche mit Religionsgemeinschaften laufen aktuell. Wir erhoffen uns davon, dass wir sowohl die ländliche Bevölkerung als auch die fremdsprachige Bevölkerung in den grösseren Agglomerationsgemeinden besser erreichen können.»

Einer Ausweitung und Intensivierung der Massnahmen, wie sie Jan Kirchmayr fordert, steht die SVP generell ablehnend gegenüber, wie deren Landrat Markus Graf sagt: «Mittlerweile sollte doch auch dem Letzten klar sein, dass eine Impfung vor schweren Verläufen einen grossen Schutz bietet.» Wer wolle, komme ohne Probleme zu den Impfzentren. Zusätzliche Massnahmen verursachten nur unnötige Kosten und brächten nicht den gewünschten Mehreffekt.

Aktuelle Nachrichten