Biel-Benken
Imposant, aber unbeliebt: Die «Löli-Wand» spaltet Biel-Benken

Mit 120 Metern Länge und einer Höhe von sechs Metern ist die Lärmschutzwand am östlichen Ortseingang Biel-Benkens ein imposantes Bauwerk. Doch die im Volksmund «Löli-Wand» betitelte Mauer passt den Bewohnern nicht. Der «Schandfleck» zerstöre das Ortsbild.

Benjamin Wieland
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Diese Lärmschutzwand erhitzt in Biel-Benken die Gemüter.

Diese Lärmschutzwand erhitzt in Biel-Benken die Gemüter.

Kenneth Nars

120 Meter lang, über 6 Meter hoch. Die Lärmschutzwand am östlichen Ortseingang von Biel-Benken ist imposant. Und sie hat im Dorf auch schon einen Spitznamen erhalten: die Staumauer. Am Donnerstagabend ist die Lärmschutzwand Thema einer Podiums-Veranstaltung im Schulhaus Kilchbühl. Zu dieser hat der Gemeinderat eingeladen. Am Podium sollen der Gemeinderat und Fachleute Red und Antwort stehen zu den «drängendsten Fragen und Anregungen», wie es in der Einladung heisst.

Die Veranstaltung geht auf eine Forderung des Aktionskomitees «Nie wieder eine Löli-Wand!» zurück. Das Komitee will auf politischem Weg erreichen, dass eine Mauer in diesem Ausmass in Zukunft nicht mehr möglich sein wird - und in einem späteren Schritt die Möglichkeit zumindest prüfen, ob die «Löli-Wand» nicht wieder geschliffen werden kann.

Mauer als «Schandfleck» betitelt

Eine Petition mit 624 Unterschriften reichte das Komitee bereits Anfang Oktober ein. Das Bauwerk entlang der Hauptstrasse wurde erst im Frühjahr im Rohbau fertig. Sie schützt die Bewohner der Neubausiedlung «Bellavista» vor Strassenlärm. In der Petition wird das Werk als «Schandfleck» betitelt.

Als weitere Massnahme forderte das Komitee, dass der Gemeinderat mit den «Mauer»-Gegnern das Gespräch sucht - und eine Podiumsdiskussion über das Ortsbild veranstaltet. Die Forderung ist mit dem Anlass erfüllt. Trotzdem zeigt sich das Komitee mit dem Vorgehen des Gemeinderats nicht zufrieden. Sie sei zeitlich «äusserst ungünstig» angesetzt, monierte es in einer Medienmitteilung von vergangener Woche. Grund: Am Mittwoch fand die Bürgergemeinde-Versammlung statt, und bereits am kommenden Montag geht die Gemeinde-Versammlung über die Bühne, an der die Petition als Antrag für erheblich erklärt werden soll - die vier Tage Abstand seien zu knapp bemessen.

Der Gemeindepräsident Peter Burch will den indirekt erhobenen Vorwurf der Verzögerung nicht gelten lassen: «Wir haben verschiedene Fachleute eingeladen. Es war schlicht nicht möglich, einen früheren Termin zu finden, der allen passt. Nun sind wir froh, dass die Veranstaltung vor der Gemeindeversammlung stattfinden kann.»

Dass die Wand die Biel-Benkemer bewegt, ist aber auch Burch klar. «Wir sind mit der Höhe auch nicht glücklich. Aber wir hatten nur bei der Materialisierung einen gewissen Spielraum, nicht jedoch bei der Höhe, diese wurde von der kantonalen Lärmschutzstelle definiert.

Strenge Grenzwerte

In der Tat legt die Lärmschutz-Verordnung des Bundes die Höhe von Lärmschutzwänden bindend fest. Weil Bellavista eine Neu-Einzonung ist, gelten dort strenge Grenzwerte. Auf dem Bellavista-Areal entstehen 30 Eigentumswohnungen in sechs Gebäuden. Der Bezug der ersten Objekte hat laut Projekt-Webseite diesen Herbst begonnen. Den Quartierplan zu Bellavista genehmigte die Gemeindeversammlung bereits im Jahr 2005. In den Plänen war die Mauer eingezeichnet. Der Widerstand wuchs jedoch erst, als diese langsam Gestalt annahm. Burch glaubt, dass sich die Aufregung wegen der Wand legen wird. «Es ist vorgesehen, dass sie mit Pflanzen überwächst und sich dann farblich besser in die Umgebung einfügen wird.»

Eine Begrenzung entlang der Hauptstrasse gab es schon zuvor. Als sich auf dem Areal noch eine Gärtnerei befand, wurde dieses von einer Hecke begrenzt. Diese war praktisch gleich hoch wie die jetzige Wand. Laut Burch sei dies auch der Grund gewesen, weshalb der Gemeinderat die Lärmschutzwand als akzeptabel einstufte.

Volksmund wurde erfinderisch

Der Name «Löli-Wand» hat nichts mit dem Schweizerdeutschen Ausdruck «Löli» oder «Lööli» zu tun, der Dummkopf oder Trottel bezeichnet. Vielmehr ist dies der Flurname des angrenzenden Gebiets. So lautet der Name des Waldes, der an die Bellavista-Siedlung grenzt, «Löliwald».

Laut dem Komitee kursierten in der Bevölkerung weitere Bezeichnungen für das Bauwerk: Berliner-, Klage-, Schall-, Schand- oder die bereits genannte Staumauer. Man habe sich dann - mit gewisser Absicht - für den Ausdruck «Löli-Wand» entschieden.