Jubiläum
In Aesch wird Geschichte an die Schlosswand projiziert

Das Birseck trat 1815 der Eidgenossenschaft bei. Aesch feiert das 200-Jahr-Jubiläum kommende Woche mit einer spektakulären Ton- und Lichtshow. Als Erzähler der bewegten Geschichte der Gemeinde fungiert das Schloss.

Tobias Gfeller
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Die Türe wird zum sprechenden Mund, die Fenster werden zu Augen: Aescher Schloss.

Die Türe wird zum sprechenden Mund, die Fenster werden zu Augen: Aescher Schloss.

bz Archiv

Ein sprechendes Schloss, Comicfiguren, welche die Pest verbreiten und Frauen, die mit Mistgabeln auf die Gegner losgehen. All dies tönt nach einer erfundenen Disney-Story, ist aber in Wirklichkeit die Geschichte der Gemeinde Aesch.

Diese haben der Pfeffinger Benny Fasnacht und sein Team für visuelle Kommunikation in den vergangen vier Monaten in Bildern und Filmsequenzen zu einem rund 20-minütigen Rückblick zusammengefasst. Am Wochenende vom 11., 12. und 13. September wird der Film anlässlich der 200-Jahr-Feier der Aescher Zugehörigkeit zur Eidgenossenschaft an die Wand des Gemeindeschlosses projiziert. Dafür werden zwei Beamer mit je 20 000 Ansi-Lumen verwendet.

Pest, Napoleon, Hülftenschanz

Erzählt wird die Geschichte vom Gemeindeschloss selber. Dieses hat die Geschehnisse alle selber mitgekriegt, es wurde 1605/06 erbaut. Die Türe wird zum sprechenden Mund, die Fenster zu Augen. «Das Bild passt zentimetergenau auf die Wand. Die Türe im Film passt auf die reale Türe, ebenso die Fenster», erklärt Benny Fasnacht. Viel Aufwand steckt dahinter. Einerseits musste es inhaltlich und damit historisch stimmen, andererseits mussten Ton und Bild im Einklang sein und zusammen ein einzigartiges Spektakel bieten.

Die Geschichte wird in einem alten Aescher Dialekt vom Basler Komiker und Schauspieler David Bröckelmann erzählt. Dabei werden die wichtigsten Ereignisse thematisiert: Die Pest, der Überfall der Schwedischen Armee während des 30-jährigen Krieges, die Einnahme durch Napoleon, der Wiener Kongress, der Aesch zu Basel und damit zur Eidgenossenschaft brachte und natürlich die Kantonstrennung mit kämpfenden Aeschern auf der Hülftenschanz und Aescherinnen mit Mistgabeln gegen die baselstädtischen Verbündeten aus Reigoldswil.

Die Geschichte wurde auf deren Richtigkeit vom Therwiler Historiker Hans Utz überprüft. Neben der Einwohner- und Bürgergemeinde übernimmt auch der Lotteriefonds Baselland einen Teil der Kosten.

Vor zwei Weltkriegen verschont

Hinter der grossen Feier stehen die Einwohnergemeinde und die Bürgergemeinde Aesch. «Wir wollten in irgendeiner Form die Geschichte von Aesch erzählen», betont Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger (FDP). Gerade in einer so schnelllebigen Zeit wie heute sei es wichtig, mal innezuhalten und zurückzuschauen. «Wer weiss denn wirklich noch, wie sich Aesch entwickelte und wie Aesch zu dem wurde, was es heute ist?» Aesch könne stolz sein auf seine Geschichte, findet Hollinger. Und dies sei auch der Grund, weshalb Aesch das 200-Jahr-Jubiläum derart gross feiere, während andere Gemeinden das Jubiläum ganz auslassen oder nur im Kleinen begehen.

Die Zugehörigkeit zur Eidgenossenschaft sei ein wichtiger Schritt für Aesch und die Region gewesen, ist Hollinger überzeugt. «Damit wurde der Grundstein zu Freiheit und Stabilität gelegt. Wir wären sonst heute wohl Teil Frankreichs und somit aktiv in den Krieg von 1870 und in die zwei Weltkriege hineingezogen worden. Vieles ist uns erspart geblieben.» Aesch habe sich in den letzten 200 Jahren entwickelt, sei eine kleine Stadt mit rund 10 200 Einwohnern geworden – trotzdem sei Aesch, findet Hollinger, ein grosses und lebendiges Dorf geblieben.

Vorstellungen. Das Ton- und Lichtspektakel wird am kommenden Wochenende insgesamt sechsmal präsentiert. Freitag, Samstag und Sonntag jeweils um 21 und 22 Uhr. Am Freitag gibt es dazu einen grösseren Festakt.