Arlesheim
In Arlesheim tobt eine «Propagandaschlacht» um den Quartierplan

Vor der Gemeindeversammlung zu «Uf der Höchi II» tobt in Arlesheim eine Informationsschlacht, Es sind dabei vor allem die Befürworter des umstrittenen Quartierplans, die viel Aufwand betreiben, um die Versammlung am 20. Juni zu überzeugen.

Michel Ecklin
Drucken
Teilen
Der Quartierplan «Uf der Höchi II» würde den Bau von 44 Wohnungen möglich machen.

Der Quartierplan «Uf der Höchi II» würde den Bau von 44 Wohnungen möglich machen.

Martin Töngi

Der Generalunternehmer und Landbesitzer Steiner AG betreibt eigens für das Projekt eine Webseite und schaltet im «Wochenblatt» eine farbige, halbseitige Anzeige, um die Gemeindeversammlung für das «Quartier mit Freiraum, Charme und sorgfältiger Planung» zu gewinnen. Das Unternehmen lädt die Bevölkerung auch zu einer Info-Veranstaltung ein, an der die Architekten ein Modell des Projekts zeigen.

In den ausführlichen Medieninformationen heisst es, es wäre «schön, wenn wir Ihnen das Projekt aus Sicht des Planungsteams vorstellen könnten». Und offenbar will die Firma die Information über ihr 53-Millionen-Projekt im Griff haben, denn Medienanfragen beantwortet sie nur schriftlich.

Auch die Gemeinde scheut keine Werbeanstrengung. Sie verteilte bereits im März an einem Infoanlass ausführlich Werbematerial. Es gab einen runden Tisch mit Anwohnern, an dem Differenzen bereinigt werden sollten. Die Erläuterungen in den Gemeindeversammlungs-Unterlagen umfassen acht Seiten, zusätzlich zu einem 42-seitigen Begleitbericht und Bauplänen. Und um die erwarteten Besuchermassen zu bewältigen, findet die Gemeindeversammlung in der Mehrzweckhalle statt anstatt wie üblich in der Gerenmattschule.

Gemeinde sah «Informationsbedarf»

In Leserbriefen ist bereits die Rede von einer «Propagandaschlacht». Und für Olaf Zehnder, der sich in der Nähe des Projektareals ein Eigenheim bauen lässt, ist klar: «Der Gemeinderat und der Generalunternehmer sind nervös.» Der Gemeinderat setze jetzt alles daran, das Projekt unbedingt durchbringen. Zehnder erinnert an die Vorgeschichte: Der von der Gemeindeversammlung 2006 genehmigte Quartierplan «Uf der Höchi I» scheiterte wegen Marktuntauglichkeit, und der Quartierplan II musste an der Gemeindeversammlung im Herbst wegen Formfehlern von der Traktandenliste genommen werden.

Gemeindepräsident Karl-Heinz Zeller (Frischluft) bringen Zehnders Vorwürfe zum Lachen: «Ich bin nicht nervös, jedenfalls nicht nervöser als vor anderen Vorlagen.» Der Gemeinderat habe aus drei Gründen «erhöhten Informationsbedarf» gesehen: Der Aufschub des Traktandums, das Scheitern des Quartierplans I, «und das Thema ist komplex». Die Informationen der Gemeinde bewegten sich «im ordentlichen Rahmen».

«So nicht üblich»

Bei Steiner AG hingegen räumt man ein, dass der Werbeaufwand «für uns als Unternehmen zumindest so nicht üblich« sei, so Projektleiter Chun-Oh Ryser. «Nervös sind wir nicht, eher besorgt darüber, dass die Gemeinde Arlesheim sich von den unserer Meinung nach nicht ausgewogenen Argumenten der Gegner die Chance auf eine qualitativ hochwertige Überbauung nehmen lässt.»

Zehnder will all dies nicht so recht glauben. «Nachdem das Volk die Asylunterkunft und neulich die Gehörlosenschule abgelehnt hat, befürchtet die Gemeinde, dass auch «Uf der Höchi II« bachab geht. Deshalb betreibt sie so aktiv Propaganda.»

Der von Zehnder mitgegründete Anwohner-Zweckverbund ist allerdings auch nicht inaktiv. Er hat eine Webseite und hängt Plakate auf – beides ist vor einem Gemeindeversammlungsbeschluss eher unüblich.

Aktuelle Nachrichten