Bildung
In Basel läuft der Testversuch mit Mathe-Unterricht im Kindergarten

Derzeit wird in den Basler Kindergärten ein neues Lehrmittel erprobt – ein Mathematiklehrbuch. Es heisst «Das kleine Zahlenbuch» und soll Kinder im Vorschulalter auf eine spielerische Art und Weise an Mathematik heranführen.

Moritz Kaufmann
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Mathe könnte in Basel schon bald Kindergartenstoff sein.

Mathe könnte in Basel schon bald Kindergartenstoff sein.

AZ

Momentan ist es den Kindergärtnerinnen selbst überlassen, ob sie es verwenden wollen, oder nicht. Allerdings könnte es schon bald obligatorisch in allen Kindergärten im Kanton eingeführt werden. Dies planen zumindest die Basler Schulleitungen, die als Quartierleitungen auch für die Kindergärten zuständig sind. Das Obligatorium wäre in der Schweiz einzigartig.

In einem Schreiben, das der bz vorliegt, heisst es: «Wir haben uns dazu entschieden, den Antrag an den Erziehungsrat zur Einführung eines obligatorischen Mathematik-Lehrmittels zu stellen.» Der Erziehungsrat ist das Gremium, das darüber entscheidet, welche Lehrmittel in den Unterricht kommen.

Das Buch ist nicht das Problem

Diese Pläne stossen auf Widerstand bei den Kindergartenlehrpersonen. Sie stören sich zwar nicht am Lehrbuch selber, aber am Umstand, dass ihnen vorgeschrieben werden soll, welche Lehrbücher sie zu benutzen haben. In einer Stellungnahme zum «Zahlenbuch» schreiben die Kindergärtnerinnen, das Lehrbuch sei «unterstützend und anregend».

Allerdings ist eine grosse Mehrheit gegen ein Obligatorium im Lehrplan, weil dann «die Gefahr besteht, dass eine ganzheitliche Abdeckung nicht mehr im Vordergrund steht, sondern der Schwerpunkt im Bereich Mathematik liegt.» Angst hat man vor allem auch vor mehr Vorschriften. So schreiben die Kindergärtnerinnen ferner: «Dies zieht unweigerlich weitere Obligatorien mit sich, womit im Kindergarten der Fächerunterricht eingeführt wird.»

Das sieht auch Basta-Grossrätin Heidi Mück so, die in der Basler Bildungskommission ist. «Sprache und soziales Verhalten ist ebenso wichtig. Dann könnte man genauso gut Sprachunterricht einführen», sagt sie. Zwar findet auch Mück mathematische Grunderfahrungen im Kindergarten sinnvoll. Aber: «Das geht auch mit Legosteinen oder Bauklötzen. Zumal die Kinder in Basel insbesondere auch wegen des Schulharmonisierungsprojekts Harmos in Basel teilweise schon mit dreieinhalb Jahren in den Kindergarten kommen.»

Entscheidung nächstes Jahr

Auch Pia Suter steht einem Obligatorium für das Mathebuch kritisch gegenüber. Sie ist selber Kindergärtnerin und Mitglied des Erziehungsrats. Für Suter stellt sich bei einem Obligatorium für das Mathebuch vor allem ein Problem bei der Messbarkeit: «Dann werden Eltern vergleichen, welches Kind besser auf die Schule vorbereitet ist.»

Als Erziehungsrätin kann sie mitbestimmen, ob das Buch auf den Lehrplan kommt oder nicht. Voraussichtlich wird dies im nächsten Frühling oder Sommer der Fall sein. Die Erprobung soll noch diesen Winter abgeschlossen sein.

Beim Erziehungsdepartement sieht man allerdings keinen Grund zur Dramatik. Hans Georg Signer, Leiter Bildung, meint: «Die Kindergärtner fanden das Buch gut, aber wollten kein Obligatorium. Im Moment ist doch alles gut.» Etwas will er jedoch klar stellen: «Der Kindergarten wird nicht verschult.»