Einbrecher
In beiden Basel boomt das Geschäft mit der Sicherheit

Mit Blitzlichtgewitter und Panzerriegel gegen Einbrecher: In der Region ist ein regelrechtes Wettrüsten losgegangen. Das lokale Gewerbe profitiert von der Angst vor Einbrechern – das Sicherheitsgeschäft boomt.

Andreas Maurer
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Auf Hausbesuch in Pfeffingen: Der Basler Schreiner Michael Schweizer sichert Wohnhäuser gegen Einbrecher.

Auf Hausbesuch in Pfeffingen: Der Basler Schreiner Michael Schweizer sichert Wohnhäuser gegen Einbrecher.

Juri Junkov

Zuerst öffnet sie die Haustür nur einen spaltbreit. Nachdem die Aescher Seniorin den Schreiner und den Journalisten hereingelassen hat, schliesst sie die Tür sofort wieder mit dem Schlüssel ab. Das mache sie immer so. «Ich bin extrem ängstlich», sagt die Frau. Ihre grösste Sorge gilt Einbrechern. Deshalb hat sie die kostenlose Präventionsberatung der Baselbieter Polizei in Anspruch genommen. Jetzt steht der zweite Schritt an: Der auf Einbruchschutz spezialisierte Schreiner Michael Schweizer macht ihr eine Offerte für Schutzmassnahmen. Im Gegensatz zur Polizei verdient er daran. Die Sparte Einbruchschutz der nach seinem Grossvater benannten Schreinerei Robert Schweizer AG erzielt einen Jahresumsatz von rund einer Million Franken. Tendenz steigend.

Panzerquerriegel im Keller

Sie habe ihn aufgeboten, weil es alle anderen auch getan hätten, sagt die Frau. Nach einem Einbruch im Quartier vor zwei Jahren habe eine Nachbarin nach der anderen berichtet, dass ihr Haus nun gegen Einbrecher aufgerüstet worden sei. Leicht besorgt stellt die Aescherin, die anonym bleiben will, fest: «Wir sind die Letzten.» Ihr Ehemann, der sich bei der Beratung im Hintergrund hält, lacht leicht verlegen. «Es ist ein Wettrüsten», meint er.

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Schweiz am Sonntag

Die Hausbesichtigung beginnt im Keller. Rasch hat der Einbruchschutzspezialist das Ehepaar überzeugt, einen sogenannten Panzerquerriegel vor die Kellertür zu montieren. Kosten: rund 1000 Franken inklusive Montage. Im Parterre notiert der Schreiner auf der Offerte neue Sicherheitsbeschläge und neue abschliessbare Griffe. Kosten pro Fenster: rund 700 Franken. Etwas teurer wird mit 850 Franken die Sicherung der Balkontür mit neuen Beschlägen. Beeindrucken lässt sich die Frau vom Körpereinsatz des Schreiners. «Das nenne ich eine Hüftschwungtür», sagt er und deutet an, dass er die Tür mit seinem Hinterteil aufwuchten könnte.

Mit Blitzlichtgewitter gegen Einbrecher

Draussen empfiehlt er an Scheinwerfer gekoppelte Bewegungsmelder, die den Garten in gleissendes Licht tauchen, wenn sich jemand nachts der Hauswand nähert. Der Einbruchschutzspezialist preist den neusten Stand der Technik an: Die Anlage verfügt über den Modus Blitzlichtgewitter. Sie veranstaltet eine Abschreckungsdisco für potenzielle Einbrecher. An dieser verdient der Elektriker seine Brötchen.
Der Sicherheitsberater könnte der besorgten Seniorin auch ein Mehrfaches an Investitionen aufschwatzen. Ihr wäre alles recht, um ihr Sicherheitsgefühl zu steigern. Primär geht es ihr nicht um den Schutz ihrer wenigen Wertsachen. Sie will die Gewissheit, dass niemand in ihre vier Wände eindringen kann. Der Schreiner macht ihr einen professionellen Eindruck, da er von diversen Massnahmen, an denen er Geld verdienen könnte, abrät. Der Präventionspolizist schlug dem Aescher Ehepaar etwa ein neues Türschloss vor. Der Schreiner hingegen wirbt für eine günstigere Massnahme: einen Türknauf anstelle einer Klinke, um das spezifische Schliesssystem dieser Tür zu tarnen.

«Polemische Zeitungsberichte helfen»

Das Geschäft floriert. «Polemische Zeitungsberichte helfen uns natürlich», sagt Schreiner Schweizer. Die Leute seien sensibilisiert. Die seit zwölf Jahren im Einbruchschutz tätige Schreinerei führe inzwischen jährlich rund hundert Aufträge in der Region Basel aus. Mit leichter Sorge beobachtet Schweizer, dass viele Firmen in der Region auf den Sicherheitsboom aufspringen. Die meisten reden nicht über ihr Geschäft. Gross ist die Angst vor Nachahmern und Neidern.

Sehr kurz angebunden ist Markus Gschwind von der Gschwind AG in Bättwil, die ihre Filiale auf dem Bruderholz soeben geschlossen hat. «Tresore waren besonders gefragt», sagt er nur. Dass die Nachfrage nach seiner Ware auf dem Basler «Goldhügel» bereits gesättigt ist, bestreitet Gschwind. Der einzige Grund für die Schliessung der Filiale sei ein Wasserschaden.
Nicht alle Sicherheitsfirmen würden seriös arbeiten, warnt Marco Liechti, Präventionschef der Basler Polizei. Zu seinem Beratungsangebot gehört deshalb auch eine Prüfung der Offerten, die sich die Leute eingeholt haben. Besonders stark im Trend seien Alarmanlagen. Zu Unrecht, wie Liechti anmerkt. «Alarmanlagen werden überwertet. In aller Regel verhindern sie keinen Einbruch - im Gegensatz zu einem guten Fenster oder einer guten Tür.» Alarmanlagen könnten allenfalls eine sinnvolle Ergänzung sein.

Rekord im November

Einen Hinweis auf den Boom der Einbruchschutzbranche liefert die Präventionsarbeit der Kantonspolizei. Aus den kostenlosen Hausbesuchen der Präventionspolizisten resultiert meistens ein Auftrag bei einer lokalen Sicherheitsfirma. Einen Rekord registriert die Baselbieter Polizei. Deren Sicherheitsberater hat im November so viele Leute in Einbruchschutz beraten wie in keinem Monat zuvor: Er hat 48 Privathäuser inspiziert. Die Bilanz der letzten Jahre zeigt: Die Beratungen der Baselbieter Polizei nehmen jährlich zu.

Die aufgeregte Diskussion über steigende Einbruchszahlen kurbelt die Aufrüstung an. Die Angst wächst. Die Kassen klingeln. Die insgesamt 5000 Franken, welche die Aescherin investiert hat, haben Wirkung gezeigt: «Ein Stück weit bin ich beruhigt. Ich muss aber noch Vertrauen gewinnen in die neuen Massnahmen.» Gleichzeitig spricht die Seniorin von einem «verrückten Gefühl»: «Wir leben jetzt in einer Art Bunker.»