Käseproduktion
In Läufelfingen wird bald mit Leib und Seele geschimmelt

Ab Anfang April ist das Wohn- und Werkheim in der Gemeinde Läufelfingen um eine Facette reicher. Andreas Thomet will mit Hilfe der Bewohner des Heims einen eigenen Käse produzieren.

Sebastian Moos
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Andreas Thomet zeigt eine Auswahl Dietisberger Käse.

Andreas Thomet zeigt eine Auswahl Dietisberger Käse.

bz Basellandschaftliche Zeitung

Steil aufwärts geht es durch herrliche Jura-Wälder, bis plötzlich das Wohn- und Werkheim Dietisberg in Läufelfingen auftaucht. Eingebettet zwischen den sanften Hügeln wirkt es wie ein kleines Dorf aus einer vergangenen Zeit. Eine Scheune, verschiedene Wohnhäuser und sogar ein Stöckli für die älteren Bewohner bilden einen kleinen Komplex. In einem grossen Mehrzweckgebäude wird für die rund 110 Dietisberger gekocht. Etwa 50 Betreuer, einige wohnen auch mit ihren Familien hier oben, kümmern sich um die rund 100 Bewohner. Auf dem Dietisberg leben psychisch beeinträchtigte Menschen, Suchtkranke oder solche, die «zuletzt nirgends reinpassen», wie es Andreas Thomet, Gesamtleiter des Dietisbergs, ausdrückt. Die Bewohner sind ausschliesslich Männer; «das ist so gewachsen», sagt Thomet.

Die gesunden Seiten fördern

Auf dem Dietisberg gehe es darum, «die gesunden Seiten wieder in den Vordergrund zu stellen», erklärt er. Es gehe darum, den Menschen zu zeigen, was sie können. «Was sie nicht können, das wurde ihnen schon zur Genüge erklärt.» Thomet, mit seinem sonnengebräunten Gesicht, ist Idealist und Innovator zugleich. Seit 27 Jahren leitet er den Dietisberg, seit 37 Jahren arbeitet, seit 55 Jahren lebt er hier. Bereits sein Vater war Leiter des Dietisbergs.

Der Dietisberg will den Menschen wieder Arbeit geben. Die Bewohner schreinern, schlossern, drucken oder flechten. Ein wichtiger Teil macht auch die Landwirtschaft aus. Rund 50 Stück Rotfleck-Vieh liefern ungefähr 300000 Liter Milch im Jahr. Letzten Herbst berichtete die bz vom Plan Thomets, einen Teil dieser Milch und diejenige von 70 Maispracher Schafen selbst zu Käse verarbeiten zu wollen. Eigens wurde in den letzten Monaten ein Käsekeller mit Wölbdach ins Untergeschoss des Mehrzweckgebäudes hineingebaut. Es riecht noch nach Farbe, alles ist frisch. Die eigentliche Käserei wird in den nächsten Tagen fertig gebaut.

Käsen als Therapie

Seit Januar produzieren die Bewohner auf dem Dietisberg mit einem professionellen Käser zusammen Joghurt, ungefähr 400 Stück die Woche werden verkauft. In Sissach steht ein eigener Laden, drei kleinere Milchläden in der Region vertreiben ebenfalls die Produkte. «Zudem haben wir hier jeden Tag 110 Mittagessen und zahlreiche Gäste», so Thomet. Ein Teil der Milchprodukte wird also gleich auf dem Dietisberg konsumiert.

Laut Thomet hat das Käsen einen wichtigen Therapie-Effekt: «Für einen Käse muss man Verantwortung übernehmen, man muss ihn pflegen.» Ihm geht es aber nicht nur darum, den Bewohnern des Dietisbergs Arbeit und neue Perspektiven zu geben. Er will auch Lösungen für die Landwirtschaft finden und für die Region produzieren. In der Schweiz sei es durch Subventionen in den letzten Jahren zu einer permanenten Überproduktion von Käse gekommen. Dies sei vielen grossen Käsereien zum Verhängnis geworden.

Der offizielle Start der Käserei wird im April sein, wenn die Kühe wieder auf die Weide gehen. Die Käse brauchen dann gemäss Thomet je nach Sorte mindestens einen Monat, um zu Reifen. Der Hauptverkauf werde in ungefähr einem Jahr beginnen, schätzt er. Thomet will dereinst eine breite Palette an Käsesorten anbieten: «Vom Weich- über den Hartkäse bis zum Mozzarella.» Er nimmt erste Probestücke aus dem Kühler. Drei Frischkäse mit unterschiedlichen Marinaden und ein Weichkäse. «Unglaublich, was für ein Interesse am Käse herrscht.»

Als wir am Gehen sind, kommt ein Sohn Thomets mit einem kleinen Lastwagen angebraust. Er arbeitet ebenfalls hier, als Landschaftsgärtner. Der Dietisberg scheint anzustecken.