Fussgängerstreifen
In Liestal lauern die Gefahren auf den Fussgängerstreifen

Fachschüler der Höheren Fachschule für Wirtschaft in Basel bemängeln die Sicherheit auf liestaler Zebrastreifen. Nun will die Stadt handeln und prüft Verbesserungsvorschläge. Von besserer Beleuchtung bis Swarowski-Steine wird alles vorgeschlagen.

Leif Simonsen
Merken
Drucken
Teilen
Auf diesem Fussgängerstreifen auf der Büchelistrasse ist die Farbe verblasst.

Auf diesem Fussgängerstreifen auf der Büchelistrasse ist die Farbe verblasst.

Eine Kantons- von einer Gemeindestrasse zu unterscheiden, ist für Adrian Meier mittlerweile kein Problem mehr. Der bald 30-jährige Kaiseraugster orientiert sich einfach an den Fussgängerstreifen. «Zebrastreifen auf Gemeindestrassen sind schlechter beleuchtet, haben oft keine Signalisierung und sind meist mit der billigsten Farbe gestrichen.» Das ist die Erkenntnis eines Schülers der Höheren Fachschule für Wirtschaft in Basel.

Baselbieter Fussgängerstreifen: Weniger Unfälle 2011

Fussgänger waren im vergangenen Jahr im Landkanton sicherer unterwegs. Laut Meinrad Stöcklin, Mediensprecher der Baselbieter Polizei, gab es 2011 knapp ein Fünftel weniger Unfälle mit Fussgängern als 2010 mit 81 Unfällen. Auf Fussgängerstreifen sank die Unfallrate sogar um ein Viertel, nachdem sie 2010 mit 35 Unfällen noch gestiegen war.

«Wir hatten keinen Todesfall auf Fussgängerstreifen zu verzeichnen und auf der Liste der Unfallschwerpunkte gibt es keinen einzigen Fussgängerstreifen», hält Stöcklin fest. Zwar könne man die Infrastruktur immer noch besser machen. «Die Fussgängerstreifen im Baselbiet sind aber grundsätzlich sicher.»

Die Baselbieter Polizei habe dennoch im Februar allen Gemeinden empfohlen, die Qualität der Fussgängerstreifen auf Gemeindestrassen zu überprüfen. Bei den Kantonsstrassen seien die meisten Fussgängerstreifen «normkonform und in einem guten Zustand». Polizei und Tiefbauamt wollten aber gemeinsam kontinuierlich alle Fussgängerstreifen überprüfen. (lsi/smo)

Unübersichtliche Gemeindestrassen

In Liestal fand die Projektgruppe gröbere Mängel vor: Zebrastreifen auf der Rosen-, Kasernen-, Gitterli-, Seltisberger-, Burg- und Büchelistrasse entsprechen nicht den Sicherheitsanforderungen. «Besonders problematisch ist es bei Dunkelheit, noch schlimmer bei Schneefall», sagt Meier.

Da die Autos auf den Gemeindestrassen in der Regel weniger schnell fahren als auf den Kantonsstrassen, würden sich die Verantwortlichen in Sicherheit wiegen. Dabei hätten gerade die Gemeindestrassen Tücken. «Sie sind oft verwinkelter und dadurch unübersichtlicher als Kantonsstrassen», betont Meier. Die Anforderungen, das bestätigt Christoph Schaub vom Baselbieter Tiefbauamt, seien «an sich» die gleichen.

Dossier im luftleeren Raum

Nur liegt eben die Zuständigkeit lediglich bei den Kantonsstrassen beim Kanton. Für die Zebrastreifen auf den Gemeindestrassen sind die Gemeinden verantwortlich. Nachdem es in den vergangenen Monaten vermehrt zu Unfällen mit Fussgängerbeteiligung gekommen war, wies der Kanton die Gemeinden an, ihre Zebrastreifen zu überprüfen.

Einige Gemeinden wie Allschwil machten sich sofort daran. Die Allschwiler kamen beispielsweise zum Schluss, dass einige Fussgängerstreifen nicht den Richtlinien entsprachen. In Liestal aber war dieses Dossier im luftleeren Raum, nachdem der Bereichsleiter Sicherheit René Frei erst im März die neu geschaffene Stelle angetreten hatte. «Von diesem Schreiben habe ich keine Kenntnis», sagt Frei.

Rückläufige Unfallzahlen

Nichtsdestotrotz legt Frei Wert darauf, dass die Unfallzahlen auf Zebrastreifen nicht nur im Kanton Baselland, sondern auch in Liestal rückläufig seien. Dass das Thema «Sicherheit auf Fussgängerstreifen» in Liestal ernst genommen werde, zeigten gegenwärtige Präventionskampagnen wie diejenige beim Wasserturmplatz, wo Autofahrer mit Geschwindigkeitsanzeigetafeln, Plakaten und mit Flyern für die Einhaltung der Tempolimite 20 und Rücksicht gegenüber Fussgängern sensibilisiert werden.

«Für die Stadt Liestal ist die Verkehrssicherheit wichtig», betont Frei. Er ist der Überzeugung, dass die rückläufigen Unfallzahlen «nicht primär mit den technischen Mitteln zusammenhängen, sondern mit der Sensibilisierung aller Verkehrsteilnehmer».

Swarowski für die Zebrastreifen

Der Kanton scheut derweil auch in technischer Hinsicht keinen Aufwand. Als die Projektgruppe um Adrian Meier den für die Sicherheit auf Baselbieter Fussgängerstreifen zuständigen Christoph Schaub traf, notierte sie sich ins Protokoll: «Herr Schaub hat uns anvertraut, dass er 500 Kilo Swarovski-Steine bestellt habe, um deren Wirkung (...) zu testen. Man würde auch in Betracht ziehen, grössere Mengen zu bestellen, um die Fussgängerstreifen, welche überarbeitet werden, damit zu bestücken.»

Gegenüber der bz bestätigt Schaub, dass im Rahmen eines Pilotprojekts winzige Glasperlen des Schmuckunternehmens Swarovski auf die Fussgängerstreifen gesprüht werden. Das Protokoll der Projektgruppe hält gleichzeitig fest, dass es sich bei diesen Swarovski-Steinen «nicht um die bekannten Schmucksteine handelt». Deswegen sei der Kilopreis von 12 Franken auch überschaubar.

Von Swarovski-Steinen ist man in Liestal noch weit entfernt. Für Adrian Meier gibt es aber auch weit einfachere Methoden, die Sicherheit zu erhöhen. «Oftmals genügt eine einfache zusätzliche Beleuchtung im Wartebereich», sagt er. «Das kostet keine Abertausende Franken. Es ist erschreckend, wie wenig mit einfachen Mitteln gearbeitet wird.»

Mit den Erkenntnissen seiner Arbeit will Adrian Meier bei der Stadt Liestal vorstellig werden. Hier stösst er auf offene Ohren. «Sehr gerne werden wir die Vorschläge entgegennehmen und mit den stadteigenen und kantonalen Spezialisten prüfen», verspricht Bereichsleiter René Frei.