Liestal
In Liestal steht der heisseste Ritt des Jahres bevor

Am Sonntag, exakt um 19.15 Uhr, wird der erste brennende Besen die Burg hinabgeschickt. Tausende werden diesen Sonntag aus der ganzen Schweiz nach Liestal pilgern, nur um den Feuermarsch durchs Stedtli zu sehen.

Lucas Huber
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Chienbäse: Tausende werden beim Feuermarsch durchs Stedtli Spalier stehen.

Chienbäse: Tausende werden beim Feuermarsch durchs Stedtli Spalier stehen.

Einheizen heisst es am Sonntag wieder, wenn der frühe Höhepunkt der schönsten Jahreszeit wieder ansteht. Wenn das Liestaler Stedtli mit Bergen von Konfetti verziert ist und oben, «auf der Burg», die gebundenen Föhrenscheite bereitstehen, um glühend, Funken schlagend durch die Menschenmassen getragen zu werden. Dann ist es endlich soweit. Schweiss fliesst auf offener Liestaler Strasse, Besen fackeln die Burg herunter – es ist Chienbäse.

Tausende werden diesen Sonntag aus der ganzen Schweiz herpilgern, nur um eins zu sehen: den Feuermarsch durchs Stedtli. Und um den feuerfesten Feuerträgern Spalier zu stehen, wenn diese – allein oder in Gruppen – mit Feuer auf der Schulter durch die Feuersbrunst schreiten, die sie selbst entzündet haben.

Magischer Augenblick

Seit Montag wird diese Vorfreude allabendlich auch im Rotstab-Cabaret geschürt. Eine wahre Hymne auf den Chienbäse, diesen Höllenritt durchs Stedtli, der keinen kalt lässt. Beschwörerisch wird sie vorgetragen, erzählt von mystischen Momenten; vom Entzünden der Feuerwagen und der Besen.

Weder zu früh noch zu spät darf es erfolgen, sonst drohe der Gang in die Lächerlichkeit. Von der Glut im Nacken erzählt sie, von der Kraft der Wagen und vom Marsch durchs Törli, von diesem Moment, wenn Törli und Flamme eins werden, wenn alles andere erlischt für zwei Wimpernschläge. «Nur ich und s Törli, für ei Sekunde», wird der magische Augenblick, der alles überstrahlt, besungen.

Nichts zu nörgeln

Genau vor zehn Tagen hat das Chienbäse-Bauen auf der Schiessanlage Sichtern begonnen. Die Grenzmarke von 300 Besen, schätzt Ruedi Schafroth, Präsident des Fasnachts-Komitees, werde in diesem Jahr eingehalten. «Wir haben weniger Chienbäse, und noch selten habe ich bei der Bauerei eine dermassen positive Stimmung erlebt.» Nach den Gehässigkeiten vor einem Jahr, als manch einer meinte, er käme, was das Holz betrifft, zu kurz, sei das erfreulich. Ausserdem seien viele neue Gesichter dabei, «viel Frischblut», wie Schafroth grinsend kommentiert.

Im Vorfeld des letztjährigen Feuerspektakels hatte zudem die erstmalige Einfuhr einer Alkohollimite für die Chienbäse-Träger für rauchende Köpfe gesorgt. Neben der Promillegrenze werden auch die anderen Regelungen beibehalten. Schafroth hofft, dass nun einige Jahre Schluss mit immer neuen Anpassungen ist. «Für einmal,» schmunzelt er, gebe es dieses Jahr «überhaupt nichts zu nörgeln.»