Baselbiet
In Rothenfluh soll es bald 30-mal mehr Hühner als Einwohner geben

Die Expansionspläne eines Baselbieter Eierproduzenten bereiten Naturschutzverbänden wenig Freude. Er möchte einen weiteren Stall für die Hühneraufzucht errichten, doch der geeignete Ort dafür befindet sich nicht in einer Landwirtschafts-Zone.

Sebastian Schanzer
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Die Gemeinde Rothenfluh hat aktuell 775 Einwohner und 12000 Hühner. Der Bestand an Letzteren soll um 15000 anwachsen.

Die Gemeinde Rothenfluh hat aktuell 775 Einwohner und 12000 Hühner. Der Bestand an Letzteren soll um 15000 anwachsen.

Annika Buetschi / AZ

Jörg Rieder aus Rothenfluh führt eine Geflügelfarm mit über 12 000 Hühnern. Er produziert Eier in Freilufthaltung, dies an zwei verschiedenen Standorten in Rothenfluh. Den grössten Teil der Eier liefert er der Migros Basel, die sie unter dem Label «Aus der Region – für die Region» verkauft. Das Geschäft läuft gut, und seit Neuem ist für Rieder auch klar, dass sein Sohn den Betrieb dereinst übernehmen wird. «Irgendwann kommt die Melioration, da muss man überlegen, wie es weitergeht», sagt er.

Neuer Stall

Grund genug für den Eierproduzenten, die Zukunft zu planen. Er möchte die Anzahl Legehennen erhöhen und auch die Junghennenaufzucht im eigenen Betrieb unterbringen. Dazu benötigt er einen neuen Stall. Zur Ermittlung eines geeigneten Standortes führte er mit der Gemeinde Rothenfluh und der Raumplanung Holzemer GmbH eine umfassende regionale Standortevaluation durch. Dabei wurde neben betriebswirtschaftlichen Aspekten auch das sogenannte Konzentrationsgebot beachtet. Gebäude sollten konzentriert errichtet und gut in die Landschaft eingepasst werden. Aus der Evaluation gingen zwei Flächen hervor, unmittelbar beim bestehenden Legehennenstall und Wohnhaus Rieders.

Der bestehende Stall bei seinem Wohnhaus soll also erweitert werden. Gleich daneben ist ein zusätzlicher neuer Stall für 9 000 Legehennen und ebenso viele Jungtiere geplant. Dafür möchte er seinen bisherigen zweiten Standort am anderen Ende des Dorfes aufgeben. Ziel ist die Haltung von 27 000 Tieren – 18 00 Legehennen und 9000 Jungtiere – das sind rund 15 000 mehr als bisher.

Kantonalen Richtplan ändern

Rieders einziges Problem ist, dass die Vergrösserung des Tierbestandes mit dem Neubau eine Intensivlandwirtschaftszone erfordert. Dies wiederum erfordert die Anpassungen des kantonalen Richtplans und des Zonenplans Landschaft der Gemeinde Rothenfluh.

Betriebswirtschaftlich mögen die Pläne des Eierproduzenten Sinn machen. Er könnte die ganze Produktion an einem Ort zentralisieren und müsste sich nicht davor fürchten, dass er im Zuge der Melioration in Rothenfluh seinen Hof am falschen Ort plant. Die eigene Junghennenaufzucht, die erst durch den Neubau möglich wäre, würde ihm zusätzliche betriebswirtschaftliche Vorteile verschaffen. Auch die Migros als Abnehmer bekundet Interesse an Rieders Expansion.

Richtplan ist verbindlich

Es drängt sich nun allerdings die Frage auf: Warum gibt es kantonale und kommunale Richtlinien im Bereich der Raumplanung, wenn diese am Ende nicht verbindlich sind? Ein Neubau in der geplanten Grösse wäre nicht Landwirtschaftszonen-konform.

Zu der vorgelegten Mutation des Zonenplans Landschaft können bis zum 15. September Stellungnahmen eingereicht werden. Wie die bz weiss, planen WWF, Pro Natura und der Basellandschaftliche Natur- und Vogelschutzverband (BNV) eine gemeinsame Stellungnahme. Ihnen dürfte grundsätzlich das Verhandeln von kommunalen und kantonalen Richtplänen missfallen.

«Sie haben durch das Mitwirkungsverfahren nun die Möglichkeit, mit uns den besten Weg zu finden», sagt Rieder. Der Neubau sei indessen erst für die Zeit nach der Melioration geplant.