Solartechnologie
In Südspanien wird das erste Thermosolarkraftwerk eingeweiht

Die EBL und ihre Mitinvestoren weihen in Südspanien das erste Fresnel-Thermosolarkraftwerk ein. Die PE2 ist das erste solarthermische Kraftwerk auf der Basis der Fresnel-Technologie.

Daniel Haller, Murcia
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PE2-Eröffnung in Spanien

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Der Präsident der autonomen Region Murcia, Ramón Luis Valcárcel, kam mit Limousine und Polizeieskorte. Der Schweizer Botschafter in Spanien, Urs Zeisig, gab sich ebenso die Ehre wie der Direktor des Bundesamts für Energie, Walter Steinmann: Das Band in den Farben Spaniens durchschnitt bei Einweihung des 91Fussballfelder grossen Kraftwerks Puerto Errado2 (PE2) in Südspanien der Minister für Universitäten, Gewerbe und Forschung der autonomen Region Murcia, José Ballesta Germán.

Und mittendrin strahlte der Bürgermeister des Provinzstädtchens, Jesús Navarro Jimenez, mit den gleissenden Absorber-Rohren des Solarfeldes um die Wette: Die Initiative der EBL als treibender Kraft und PE2-Mehrheitsaktionärin brachte ihm nicht nur einen Tag ausserordentlicher Medien-Aufmerksamkeit, sondern Calasparra über 30 neue Arbeitsplätze.

Pionier-Kraftwerk

Der Aufmarsch an Prominenz zeigt: Da wurde nicht einfach ein weiteres Solarkraftwerk eingeweiht. Vielmehr ist PE2 das erste solarthermische Kraftwerk auf der Basis der Fresnel-Technologie. Vor vier Jahren beschlossen die EBL und die deutsche Novatec Solar GmbH, die von Novatec entwickelte Technologie umzusetzen. Später stieg die Basler IWB mit ein, dann beteiligten sich die Zürcher EWZ und die Stadtberner EWB, und im Hintergrund beteiligte sich ABB an Novatec. Wie Tobias Andrist als Projektleiter an der Feier ausführte, war nicht nur die neue Technologie eine Herausforderung, sondern auch die Finanzierung durch die Banken.

Neues birgt auch Risiken

Die Rentabilität ist nicht nur von der Technik, die bisher die erwartete Leistung von 30Megawatt sogar leicht übertroffen hat, abhängig: So zweifelt David Thiel, CEO der IWB, ob Spanien angesichts seiner Schuldenkrise die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) von 28Eurocents wirklich bis zum Ende der zugesagten Periode bezahlen wird. Die Solar-Fresneltechnologie ist zudem zur Dampferzeugung nur rentabel, wenn der Barrelpreis für Erdöl über 50Dollar liegt. Diese Bedingung ist wohl mit knapper werdenden Ölvorkommen gegeben. Doch wenn die Preise für Photovoltaik weiter so rapide sinken wie bisher, dürfte die neue Technik von dieser Seite unter Preisdruck geraten.

Andererseits betont Beat Andrist, Geschäftsleitungsmitglied der EBL, dass der spanische Staat bisher seinen finanziellen Verpflichtungen pünktlicher nachgekommen sei als beispielsweise der Kanton Baselland. Und man diskutiere bereits, welche Grösse ein nächstes Werk haben müsste, damit der Strompreis ohne KEV auskommt. Dies wäre ganz im Sinne Thiels, der von Kostenwahrheit mehr hält als von Subventionen. Er gibt weiter zu bedenken, dass man pro investierten Franken mit Windkraft deutlich mehr Strom erhalte als mit Solartechnologie. Allerdings schränkt er ein, dass ein Mix der erneuerbaren Energiequellen zwingend nötig ist, um die Versorgungskontinuität sicherzustellen. «Nur unter Nutzung aller natürlichen Ressourcen können wir die langfristig angestrebte Energiewende umsetzen», betonte deshalb auch EBL-Geschäftsleiter Urs Steiner.

Doch zuerst muss nun die Praxis beweisen, dass die 300000 Quadratmeter Spiegelfläche und 28Kilometer Absorberrohre genug Dampf machen für die Produktion von 50000Megawattstunden pro Jahr. «Da bin ich zuversichtlich», meint Andrist.