Pflegenotstand
Interaktives Theater soll Schülerinnen und Schüler für Gesundheitsberufe gewinnen

Die ganze Woche besuchen 1400 Schülerinnen und Schüler aus beiden Basel einen Erlebnisparcours in Muttenz. Laiendarsteller zeigen die Facetten der Gesundheitsberufe – und binden die Teenager mit ein. Das Ziel ist, einen Pflegenotstand zu verhindern.

Michael Nittnaus
Merken
Drucken
Teilen
Gesundheitsparcours in Muttenz
8 Bilder
Gesundheitsparcours in Muttenz. Messen des Blutdrucks.
Gesundheitsparcours in Muttenz. Sehbehinderte sind oft auf den Tastsinn angewiesen.
Gesundheitsparcours in Muttenz. Anlegen einer Armschlinge.
Gesundheitsparcours in Muttenz. Impressionen aus dem Alltag der Spitex: Die Schüler werden aufgefordert, mitzuhelfen. Eine Spitex-Mitarbeiterin (re) erklärt ihren Alltag den Schülern.
Gesundheitsparcours in Muttenz. Eindrücke aus einem Spitalzimmer unter Mitwirken der Schüler, die den Patienten zur Hand gehen müssen.
Gesundheitsparcours in Muttenz. Eindrücke aus einem Operationssaal unter der Leitung von Ruedi Bartlome.
Gesundheitsparcours in Muttenz. Erfahrungen als Blinder machen unter der Anleitung des blinden Hans Tschannen (re).

Gesundheitsparcours in Muttenz

Kenneth Nars

Bereits in der 8. Klasse geht er los: der Kampf um die besten Lehrlinge. Mit trockener Theorie kann man heute die 15- oder 16-jährigen Schüler nicht mehr für Berufe begeistern. Die Organisation der Arbeitgeber Gesundheit beider Basel (OdA) führt diese Woche deshalb bereits zum sechsten Mal einen Erlebnisparcours durch. Das Alters- und Pflegeheim «Zum Park» in Muttenz wurde kurzerhand in ein interaktives Theater umfunktioniert. Jeden Tag bekommen 280 Schüler so einen direkten und realistischen Einblick in die Welt der Gesundheitsberufe.

Schüler sollen mitmachen

Laut Romy Geisser, Geschäftsführerein der OdA, steht die Ausbildung zur Fachperson Gesundheit (FAGE) zwar an Position 3 der 100 beliebtesten Lehrberufe, doch der Bedarf an neuem Nachwuchs sei gross. «Wir wollen die Schüler deshalb möglichst früh für uns gewinnen.» Der Ansatz, verschiedene Szenen von Laiendarstellern spielen zu lassen und die Schüler miteinzubeziehen, habe sich bewährt. Gerade Alters- und Pflegeheime kämpften nämlich noch immer gegen gewisse Vorurteile, wie Jürg Rohner, Präsident des Baselbieter Heimverbandes (BAP) betont: «Viele, die ein erstes Mal in ein Pflegeheim kommen, sind erstaunt, dass es gar nicht miefig ist.»

Ein Pflegenotstand droht

Noch gebe es in der Nordwestschweiz noch keinen Pflegenotstand, sagt Rohner. Doch liege das nur daran, dass man viele gute Leute aus Deutschland rekrutieren könne. «Wir leben sozusagen auf Pump.» Dies sei nicht nachhaltig, da sich Deutschland mittlerweile stärker um die eigenen Leute kümmere und diese darum nicht mehr so leicht abzuwerben seien. «Der Kampf um gute Lernende wird deshalb drastisch zunehmen», ist Rohner überzeugt.