Liestal
Interessantes Hotelprojekt bringt Schwung ins Stedtli

Eine auswärtige Musiker-Familie baut Guggenheim-Stall in neues Kulturzentrum mit Gästezimmern um. Das Projekt ist spannend und soll im August 2012 abgeschlossen sein.

Bojan Stula
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Zuerst stiess Eric Rütsche auf taube Ohren, als er sich beim Besitzer erkundigte, ob dessen Liegenschaft am Wasserturmplatz 6/7 zum Verkauf steht. Der Nachfahre einer Liestaler Viehhändler-Dynastie dachte nicht daran, einem auswärtigen Schlagzeuger aus Solothurn sein denkmalgeschütztes Anwesen im Herzen von Liestal zu vermachen. Dann änderte er seine Meinung: zum Glück für Rütsche – und zum Glück für Liestal.

Der notariell besiegelte Hausverkauf im März machte den Weg frei für eines der spannendsten Projekte der Baselbieter Hauptstadt in diesem Jahr: das neue Kulturhaus Villa Burggarten. Verläuft alles im Sinne des 38-jährigen Musikers und Familienvaters, wird im August 2012 am Wasserturmplatz eine Einrichtung mit 7 Gästezimmern, 14 Betten, einem Bistro mit 45 Sitzplätzen, Bar, Lounge, Foyer sowie einem Veranstaltungssaal für bis zu 150 Personen eröffnen. Im Umbau vorgesehen sind ferner Proberäume für Bands, Tonstudios, drei Tanzsäle sowie Garten- und Boulevard-Sitzplätze.

Die Pläne stammen von der Arisdörfer Architektin Sibylle Hartmann. Vom selbst gewählten Eröffnungstermin August 2012 lässt sich Rütsche indes nicht verrückt machen: Sollte es der sanfte Umbau im Sinne der Qualität erfordern, dauert es halt etwas länger bis zum Eröffnungsfest.

Bereits treues Stammpublikum

Nach dem künftigen Programm des Kulturhauses befragt, sprudelt es aus dem Vater von vier Töchtern nur so heraus: Bed-and-Breakfast für Touristen und Geschäftsreisende abseits der üblichen Hotel-Angebote. Familienfreundliches Café. Sonntagsbrunch für die ganze Familie. Spielgruppen. Konzerte «mittelgrosser Acts». Kleinkunst mit Theater und Kabarett. Musik-Klub und Partys. Tanz- und Yogakurse. Natürlich Musikunterricht und Tonträgeraufnahmen. Am bisherigen Standort an der Gartenstrasse 2 betreibt Rütsche bereits eine private Musikschule mit
13 weiteren Lehrkräften und 300 Schülern. Diese werden künftig nicht nur am Wasserturmplatz in schalldichten Erdgeschossräumen unterrichten, sondern auch gleich noch die Bühnen bespielen.

All das könnte jetzt eine Spur zu idealistisch und zu naiv klingen. An derlei Unterhaltungs- und Gastronomieangeboten herrscht in der Region bestimmt kein Mangel. Die Villa Burggarten ist jedoch alles andere als eine Spinnerei. An der Gartenstrasse 2 hat die Familie Rütsche bereits bewiesen, dass die ungewöhnliche Kombination aus Musikschule, Tonstudio, Musikagentur und Bed-and-Breakfast funktioniert. Inzwischen zählt sie auf ein treues, jährlich wiederkehrendes Stammpublikum.

Am Wasserturmplatz wird einfach alles zwei bis drei Nummern grösser, dazu neu in ein Gastronomie- und Unterhaltungskonzept eingebettet. Die Wirtschaftlichkeit liess Rütsche von Fachleuten überprüfen. Eine Bank und eine private Investorengruppe finanzierten den Kauf und Umbau der Liegenschaft. Die eigens gegründete Villa Burggarten GmbH wird den Betrieb koordinieren und das etwa 15-köpfige Personal-Team anstellen. Eric Rütsche als Geschäftsführer und seine Frau Yvonne werden alle wichtigen Entscheide gemeinsam am Familientisch fällen. «Durch die Verzahnung und Überlappung derlei verschiedenartiger Aktivitäten wird ein rentabler Betrieb ermöglicht, ohne hohe Mieten zu verlangen», ist Rütsche überzeugt.

Offene Gespräche mit Konkurrenz

Bei nur zwei anderen Hotelbetrieben im Stedtli – dem «Engel» mit 50 Zimmern und dem «Hotel Seiler» mit 28 Zimmern – darf Liestal um jedes zusätzliche Übernachtungsangebot froh sein. Widerstände bei den umliegenden Cafés, die Umsatzeinbussen befürchten, konnten durch offene Gespräche entschärft werden. Mehr noch: Der alphornblasende Felix Mühleisen, Besitzer des gleichnamigen Cafés, ist ein Freund und Fan des Rütsche-Projekts . «Wir haben bereits von zahlreichen Liestalern begeisterte Reaktionen erhalten», freut sich Rütsche. «Denn wir wollen alle dasselbe: mehr Leben am Wasserturmplatz, mehr Leben in Liestal.»