Wirtschaftsoffensive
Isaac Reber: «Ich habe mich von Anfang an dafür starkgemacht»

Sicherheitsdirektor Isaac Reber erklärt erstmals seine Rolle in der Baselbieter Wirtschaftsoffensive und äussert sich zu einem eventuellen Direktionswechsel im Sommer.

Daniel Haller
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Der Baselbieter Sicherheitsdirektor Isaac Reber.

Der Baselbieter Sicherheitsdirektor Isaac Reber.

Kenneth Nars

Herr Reber, Sie traten am Freitag erstmals für die Wirtschaftsoffensive an die Öffentlichkeit und werden diese künftig begleiten. Seit wann sind Sie im Projektausschuss?

Isaac Reber: Seit Anfang Januar. Sabine Pegoraro und ich begleiten aber das Projekt schon lange und haben uns deshalb für Kontinuität entschieden: Da im Sommer zwei Direktionen neu besetzt werden, wollten wir zusätzliche Veränderungen vermeiden. Das Projekt ist auf fünf bis zehn Jahre angelegt, und nicht alle Regierungsräte haben diesen Zeithorizont, denn man weiss nicht, ob Urs Wüthrich 2015 noch einmal antritt.

Wirtschaftsförderung gehört aber fachlich nicht in Ihre Sicherheitsdirektion.

Man darf zwar Sicherheit als Teil der Standortqualität nicht unterschätzen, die Sicherheitsdirektion ist aber relativ wenig direkt involviert. Ich habe mich aber von Anfang an für das Projekt stark gemacht. Zweitens ist die Wirtschaftsoffensive direktionsübergreifend angelegt. Und nicht zuletzt kann ich als Raumplaner ETH fachlich einiges beitragen.

Mit was beschäftigen Sie sich inhaltlich im Projektausschuss?

In Basel habe ich als Geschäftsleiter ein ähnlich direktionsübergreifendes Projekt mit aufgegleist, bei dem es nicht um den Wirtschafts-, sondern um den Wohnstandort ging - mit Erfolg: Die Basler Bevölkerung wächst wieder. Von daher weiss ich, was es braucht, um verschiedene Direktionen zusammenzubringen.

Ist dies die Vorankündigung, dass Sie ab Juli die Direktion wechseln? Schliesslich wurde heute gesagt, dass die Volkswirtschaftsdirektion auch wieder in die Wirtschaftsoffensive eingebunden wird.

Das ist alles Kaffeesatzlesen! Wir werden dies nach dem 9. Juni diskutieren, denn heute wissen wir ja noch nicht, wie sich der Regierungsrat künftig zusammensetzt. Deshalb ist es zu früh, einen Direktionswechsel zu diskutieren.

In der Sicherheitsdirektion sind sie kommunikativ sehr zurückhaltend. Würden Sie in ein Ressort wechseln, in dem Sie stärker in der Öffentlichkeit stehen, könnten Sie sich doch für 2015 die Wiederwahl besser sichern...

Ich schiele nicht auf die Wiederwahl. Und meine Erfahrung als Gemeinderat war, dass die Wähler seriöse Arbeit honorieren. Zuviel Kommunikation kann auch schaden. So haben wir den Harassenlauf und ohne Helikopter und mit einem Bruchteil des Personals, das in früheren Jahren im Einsatz war, absolut reibungslos abgewickelt - und zwar, indem wir den Hype, der darum gemacht wurde, heruntergeholt haben. Wenn ich mich da nun als Regierungsrat in den Vordergrund drängen würde, gäbe dies dem Anlass eine Wichtigkeit, die kontraproduktiv wäre.

Zurück zur Wirtschaftsoffensive: Sie sind als Grüner in die Regierung gewählt worden. Nutzen Sie die Arbeit für die Wirtschaftsoffensive auch, um beispielsweise den Branchenmix in Richtung Greentech zu beeinflussen?

Mein Anspruch ist, Ökonomie und Ökologie zu verbinden. Derzeit beschäftigt sich die ganze Welt mit der Energiefrage. Da könnten wir als Kanton innovativer werden. Hinzu kommt die Raumplanung: Indem wir die Entwicklungsgebiete zentral konzentrieren, machen wir - dies ist ein grüner Ansatz - die Wege kurz. So liegt das Dreispitz ausgesprochen zentral und die Vorinvestitionen sind geleistet. Schliesslich haben beide Kantone die S-Bahn-Haltestelle Dreispitz mitfinanziert. Dies müssen wir nun in Wert setzen. Die nächste Investition ist die Hochschule für Gestaltung und Kunst. Auch in Salina Raurica leisten wir mit der neuen Tramlinie Vorinvestitionen. Auch das müssen wir nun in Wert setzen. Im ABB-Areal in Münchenstein besitzt der Kanton selbst viel Land. Also können wir auch dort an zentraler Lage Einfluss nehmen. Dass wir jeweils von bestehenden Erschliessungen profitieren, sind für mich grüne Ansätze.

Neu haben Sie auch die Ergolz-Achse, die aus vielen kleinen Arealen besteht, mit zum Schwerpunktgebiet erklärt. Ist dies als Besänftigung des Oberbaselbiets gedacht, das sich sonst vernachlässigt fühlen könnte?

Nein. Auf dieser Achse findet derzeit sehr viel Entwicklung statt. So sehen wir überall in Bahnhofsnähe neue Bauprofile. Und in Pratteln gibt Coop einen hoch attraktiven Standort beim Bahnhof frei. Es ist sinnvoll, solche dynamischen Areale in die Offensive einzubinden.

Und was ist da die Rolle des Kantons?

Nehmen wir das Beispiel des Bahnhofs Dornach-Arlesheim. Dem dortigen öV-Knoten haben wir ein wellenförmiges statt einfach nur ein flaches Dach verpasst. Das hat nicht viel mehr gekostet, gibt dem Ort aber eine Identität. Und nun wird ringsum von privater Seite intensiv gebaut. Der Kanton muss nicht selbst Unternehmer spielen, aber er muss attraktive Voraussetzungen schaffen und signalisieren: «Da bewegt sich etwas, kommt, macht mit!»

Trotz Ergolz-Achse gibt es aber Regionen, die nicht von der Wirtschaftsoffensive erfasst werden.

Wir sind auch mit Promotion Laufental oder der Wirtschaftsförderung Waldenburgertal im Gespräch. Man darf sich nicht zu stark auf die Areale fixieren. Doch würden wir in 30 oder 40 Arealen arbeiten, dann kämen wir in zehn Jahren noch nicht in die Gänge. Sechs der sieben Teilprojekte der Offensive sind zudem nicht auf Areale fixiert.

Heisst das im Umkehrschluss: Wenn eine Gemeinde auf ihrem Areal Dynamik hinkriegt, hat sie die Chance, in den offiziellen Teil der Wirtschaftsoffensive aufgenommen zu werden?

Wir gleisen das Projekt für die nächsten zehn Jahre auf. Ich kann nicht heute schon sagen, ob wir in sieben Jahren noch im Dreispitz aktiv sind, oder sich das Areal dort von selbst so stark entwickelt, dass der Kanton seine Ressourcen für andere Gebiete einsetzen kann. Das Ganze ist nicht statisch, sondern dynamisch zu begreifen. Aber um Schwung zu erzeugen, ist es wichtig, dass wir uns im ersten Moment auf einige Schwerpunkte konzentrieren.