Regierungsrat
Isaac Reber: «Jörg Krähenbühls Abwahl hat mich sehr überrascht»

Isaac Reber Noch waren nicht alle Gemeinden ausgezählt; das Ergebnis stand aber bereits fest: Dennoch gab sich Wahlsieger Isaac Reber gegenüber der bz recht zurückhaltend. Die grösste Überraschung war für ihn nicht seine eigene Wahl, sondern die Abw

Alessandra Paone und Boris Burkhardt
Drucken
Teilen
Isaac Reber im Moment seines Triumphs. Kenneth Nars

Isaac Reber im Moment seines Triumphs. Kenneth Nars

Herr Reber, Sie haben es diesmal geschafft! Was war ausschlaggebend?

Isaac Reber: Ich denke, wir haben die Basis in den letzten vier Jahren gelegt. Wir haben als Fraktion gezeigt, dass wir pragmatisch und konstruktiv arbeiten können. Das haben die Leute offenbar honoriert. Es ist aber auch klar, dass nicht einer allein eine solche Kampagne mit einem so überraschenden Erfolg erzielen kann. Dafür braucht es eine gute und konsequente Basis.

Für Sie muss nun Jörg Krähenbühl gehen. Überrascht Sie das?

Das hat mich total überrascht. Wir sind davon ausgegangen, dass ich eine reelle Chance habe, gewählt zu werden. Aber wir haben sicher nicht gedacht, dass es der SVP als grösster Partei nicht reichen würde. Ich glaube auch, dass das auf Dauer kein guter Zustand ist für die Arbeit im Parlament, wenn die grösste Partei nicht in der Regierung vertreten ist. Das macht die Zusammenarbeit nicht einfach. So gesehen sind wir nicht nur glücklich mit dem Ergebnis.

Wieso haben die Wähler die SVP so abgestraft?

Wir haben natürlich noch keine Detailanalyse; aber das schlechte Abschneiden der SVP im Unterbaselbiet ist vermutlich auf die Theater-Diskussion zurückzuführen. Die FDP hat dort ja auch nicht gut abgeschnitten. Ich denke auch, dass die unbeirrbare Haltung in der Atom-Debatte der SVP geschadet hat.

Und das Atom-Thema hat die Grünen begünstigt?

Nicht begünstigt, aber der SVP vermutlich geschadet. Unsere Haltung war bekannt. Aber die SVP hat sich klar als einzige Partei unbeirrbar gezeigt; und das war wohl nicht so günstig. Denn die Leute sind besorgt; und viele spüren, dass sich jetzt doch etwas ändern muss im Energiebereich. Die SVP kam diesem Bedürfnis ja gar nicht entgegen.

Die Regierungsratswahlen sind aber mehr Personen- als Parteiwahlen. Und Herr Krähenbühl gilt eher als ein gemässigter SVPler, nicht als Hardliner.

Ja, deshalb ist seine Abwahl auch so eine grosse Überraschung für uns. Denn Jörg Krähenbühl hat es geschafft, etwas Ruhe in die Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD; Anmerkung der Redaktion) zu bringen. Die grossen Projekte laufen gut; das haben wir auch vor der Wahl anerkannt. Aus unserer Sicht war Herr Krähenbühl ein pragmatischer Parteivertreter.

Jetzt sieht es ganz so aus, als würden Sie die BUD erben. Diese Direktion wäre für Sie als Raumplaner ja zugeschnitten.

Zum Erben ist es definitiv zu früh. Das ist ein Entscheid, den die Regierung fällen wird. Mir ist klar, dass ich bei der Verteilung der Direktionen nicht zuvorderst stehe: Ich bin der Neue in der Regierung. Prinzipiell wäre ich aber bereit, jede Direktion zu übernehmen.

Könnten Sie sich aber vorstellen, dass man die BUD lieber einem Bürgerlichen gibt, weil die Grünen eher auf die Bremse treten bei einigen teuren Bauprojekten?

Das wäre für die Finanzsituation des Kantons vielleicht nicht so schlecht (lacht). Das sind aber alles Spekulationen. Für mich ist klar, dass die Regierung als Team entscheiden muss. Am Ende muss ein Team stehen, das die bestmögliche Arbeit für die Bevölkerung im Baselbiet machen kann. Das muss auch der Leitfaden sein für die Verteilung der Direktionen.

Werden die Bürgerlichen im Regierungsrat Ihnen gegenüber jetzt zurückhaltend sein?

Ich komme nicht ganz unerfahren in so eine Situation. Ich hatte auch als Gemeinderat in Sissach mit sehr vielen Bürgerlichen zu tun und konnte dort einen guten Draht zu den Kollegen finden. Ich wünsche mir einfach, dass wir im Regierungsrat als gutes Team auftreten.

Es gibt viel zu feiern: Was machen Sie heute noch?

Es war klar, dass unsere Aufgabe schwierig werden würde. Wir wussten: Wenn wir das schaffen, haben wir eine grosse Leistung vollbracht. Da dürfen wir uns zu Recht darüber freuen.

Was sagen Sie den Leuten, die Ihre Wahl im Vorfeld skeptisch sahen?

Zuerst möchte ich mich bei allen, die mich unterstützt haben, für das Vertrauen bedanken, indem ich versuche, gute Arbeit in der Regierung zu machen. Und ich hoffe, dass meine Arbeit auch die überzeugen wird, die bisher etwas skeptisch waren. Es wird aber generell eine schwierige Phase für die Regierung und das Parlament. Darum sollte man die Erwartungen jetzt in einem vernünftigen Mass halten. Aber ich glaube, ich konnte vermitteln, dass ich bereit bin, diese Arbeit im Regierungsteam anzugehen.