Regierungsrat
Isaac Reber kämpft nur in eigener Sache und enttäuscht Parteifreunde

Die Baselbieter Regierungsräte Urs Wüthrich und Sabine Pegoraro beziehen im Wahlkampf Position. Isaac Reber findet dies unangebracht. Damit verärgert er die eigenen Reihen.

Andreas Maurer
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Der Wahlkampf 2011 war Isaac Rebers grosser Erfolg. Dem Wahlkampf 2013 um eine rot-grüne Mehrheit entzieht er sich.

Der Wahlkampf 2011 war Isaac Rebers grosser Erfolg. Dem Wahlkampf 2013 um eine rot-grüne Mehrheit entzieht er sich.

Keystone

Der farblose Regierungsrat. An diesem Image arbeitet Isaac Reber beharrlich. Seit seinem Amtsantritt 2011 hütet sich der Baselbieter Sicherheitsdirektor vor pointierten Aussagen jeglicher Art. Besonders leise verhält sich der Grüne im Wahlkampf. Nach dem knappen Ausgang des ersten Wahlgangs fordern seine linken Verbündeten ein Umdenken. SP-Ständerat Claude Janiak sagt: «Von Herrn Reber wünschte ich mir eine klare Aussage zugunsten unseres Kandidaten, zumal Sissach wichtig ist im zweiten Wahlgang.» Die Analysen zeigten, dass die Linke in Rebers Heimatbezirk Sissach besonders enttäuschend abgeschnitten hatte.

Noch am Wahlsonntag kündeten Rebers grüne Parteifreunde an, dass sie ihn zu einer klaren Stellungnahme überzeugen versuchen. Jetzt zeigt sich: Die Bemühungen haben nicht gefruchtet. Reber mag sich nicht einmal mehr grundsätzlich zu den Wahlen äussern. Sein Kommunikationsverantwortlicher verweist auf Rebers Aussage gegenüber der «Basellandschaftlichen Zeitung» am Wahltag. Damals sagte Reber: «Auch im zweiten Wahlgang werde ich keine Empfehlung abgeben. Dies ist nicht die Aufgabe eines Regierungsrats.» Über seinen Sprecher lässt er nun ausrichten: «Regierungsrat Reber bleibt bei seinem Standpunkt und sieht keinen Grund für ein Gespräch deswegen.»

«Farbe bekennen»

Alt SP-Regierungsrat Peter Schmid widerspricht Reber: «Ein Regierungsrat sollte sehr wohl Farbe bekennen.» Es verstehe sich von selbst, dass Regierungsräte nicht an der vordersten Wahlkampffront herumrennen sollten. «Die Stimmberechtigten haben aber den Anspruch, zu hören, was sich denn bei einer rot-grünen Mehrheit im Baselbiet ändern würde», findet Schmid. Dies sieht er als Aufgabe von Regierungsrat Reber. In der Pflicht stehe aber auch sein Amtsnachfolger Urs Wüthrich. Der wie Reber aus Sissach stammende Regierungsrat hat allerdings bereits am Wahltag reagiert: Wüthrich warb in der Diskussionssendung von «Telebasel» für eine rot-grüne Mehrheit. Im Wahlkampf trat er auch an SP-Standaktionen auf.

Rebers Credo, dass Regierungsräte in Wahlkämpfen zu schweigen haben, teilt auch Regierungspräsidentin Sabine Pegoraro (FDP) nicht. Während aus Rebers Sicht die Parteizugehörigkeit der Regierungskandidaten keine entscheidende Rolle spiele, sagt Pegoraro auf Anfrage des «Sonntags»: «Ich hoffe, dass die Regierungsmehrheit bürgerlich bleibt. Bei Grundsatzfragen spielt die politische Gesinnung eben schon eine Rolle.»

«Da sollte Reber seine Herkunft nicht verleugnen.»

Selbst Nationalratspräsidentin Maya Graf, wie Reber eine Grüne und Sissacherin, bezieht Position. Als Repräsentantin des gesamten Parlaments sei sie dieses Jahr zwar nicht parteipolitisch tätig, begründet sie ihre bisherige Wahlkampf-Abstinenz. Im Gegensatz zu Reber äussert sie sich aber auf Anfrage. Sie schätze Nussbaumer «über alles». Er sei der Richtige, um das Baselbiet vorwärts zubringen. «Selbstverständlich sage ich dies, wenn man mich fragt.»

Rebers Schweigen macht den SP-Strategen einen Strich durch die Rechnung. Die Zurückhaltung der Grünen im ersten Wahlgang sei sogar abgesprochen gewesen, sagt SP-Chef Martin Rüegg. «Wir wollten, dass unser Kandidat nicht als zu links erscheint. Das ist ähnlich wie bei der SVP, die sogar auf ihr Sünneli-Logo verzichtet hat.» Doch jetzt gehe es um die Wurst: «Da sollte Reber seine Herkunft nicht verleugnen.»