Daniel Münger
Italienische Lebensfreude - gepaart mit der Schweizer Disziplin

Der Regierungskandidat steht der bz auf dem Sportplatz Gitterli in Liestal hemdsärmelig, unverblümt und offen Red und Antwort.

Leif Simonsen
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Fussballer und Politiker mit Herz: Auf dem Sportplatz Gitterli kickte der heutige Seniorenfussballer Münchensteins schon in der Jugend

Fussballer und Politiker mit Herz: Auf dem Sportplatz Gitterli kickte der heutige Seniorenfussballer Münchensteins schon in der Jugend

Kenneth Nars

Als Daniel Müngers Kommunikationsberater hätte man diese Tage wohl schlaflose Nächte. Hemdsärmelig, unverblümt und offen steht der Regierungskandidat Red und Antwort, als die bz Münger auf dem Sportplatz Gitterli in Liestal zum Interviewtermin trifft. Während vor allem die aktuellen Regierungsmitglieder darauf bedacht scheinen, jedes Wort auf die Goldwaage zu legen, wird beim Sozialdemokraten schnell eines klar: Vor kritischer Medienberichterstattung fürchtet er sich nicht. Münger ist sich Ernsteres gewohnt als einen Wahlkampf. «Vieles habe ich im Verlauf meines Lebens zu relativieren gelernt», sagt der Zentralsekretär der Gewerkschaft Syndicom, der sein Berufsleben als Handwerker begann, in den 80er-Jahren bauleitender Monteur wurde – bevor er sich für einen Rollenwechsel entschied. Seither hat er jenen seine Aufmerksamkeit gewidmet, die von einem Tag auf den anderen auf der Schattenseite des Lebens stehen können. Menschen, die ihren Job verloren haben oder darum bangen müssen. Der Tiefpunkt seiner Karriere als Gewerkschafter war der Suizid eines Schweissers am Tag, nachdem er seinen Job verloren hatte. «Irgendwann musste ich lernen, meine beruflichen Probleme im Büro zu lassen. Ansonsten würde ich nachts kaum ein Auge zudrücken.»

Friaul als zweite Heimat

Münger stammt aus einer Handwerkerdynastie. Ein Grossvater war Heizer, der andere Wächter eines Elektrizitätswerks, sein Vater Elektrotechniker der BBC (heute ABB). Die Mutter stammt aus dem Friaul, zwischen Udine und Venedig, die Ehefrau aus Rom: Und so bezeichnet Daniel Münger Italien als seine zweite Heimat. «In zwei Kulturen zu Hause zu sein, erweitert den Horizont», ist der 53-jährige Münchensteiner überzeugt, der sowohl der Schweizer als auch der italienischen Mentalität einiges abgewinnen kann. «Die Schweizer können von den Italienern lernen, mehr im Moment zu leben. Es geht uns Schweizern sehr gut, aber wir können unseren Wohlstand oft kaum geniessen.» Ein bisschen mehr schweizerische Weitsicht könnte den Italienern aber nicht schaden. «Wir Schweizer überlegen uns immer gut, wie hoch der Return on Investment ist. Das kommt uns in der Politik, die sich ja mit der Zukunft befasst, sehr zugute.» Dass zwischen den Nachbarländern im Verlaufe der Jahre eine Annäherung stattgefunden habe, sei von grossem Vorteil. Der Kaffee sei schliesslich mittlerweile auch nördlich des Gotthards in den meisten Restaurants geniessbar geworden. Für gute Pizzen und Rotwein muss er nicht mehr ins Friaul reisen oder nach Rom. Aber auch zu Hause in Münchenstein geht schliesslich nichts über ein gutes italienisches Essen. Am besten mit seiner Familie und seinen drei Töchtern, die zwischen 20 und 29 sind – sowie den zwei Enkeln.

Keine Scheuklappen

Zwölf Jahre politisierte Münger im Landrat und trat im letzten Jahr zurück. Er verfügt nicht über die Exekutiverfahrung, welche andere Regierungskandidaten wie FDPlerin Monica Gschwind (Hölstein) oder seine Parteigenossin Regula Nebiker (Liestal) mitbringen. An seinen Chancen zweifelt er dennoch nicht. Eine rot-grüne Mehrheit sei nach der vergangenen, «durchzogenen» Legislaturperiode mit der bürgerlichen Mehrheit «absolut denkbar». Die Doppelkandidatur der SP sei nämlich gewiss kein Angriff auf den Grünen-Sitz von Isaac Reber. Und von einer Konkurrenzsituation zwischen ihm selbst und Nebiker will er erst recht nichts wissen: «Wir führen unseren Wahlkampf gemeinsam.» Bei seinen Präferenzen bei der Direktionsverteilung ist er im Gegensatz zu Gschwind und Nebiker zurückhaltender. Während die Mitbewerberinnen sich bereits für die Bildungsdirektion in Stellung bringen, hält sich Münger zurück. «Ich werde als Regierungsrat gewählt und nicht als Vorsteher einer bestimmten Direktion.» Keinen Hehl macht er daraus, dass ihm aufgrund seines beruflichen Rucksacks die Baudirektion und die Volkswirtschaftsdirektion am nächsten sind.

Sollten die vier Bisherigen aber wieder gewählt werden, dürfte sein Weg nicht an der Bildungsdirektion vorbeiführen – denn einen Wechsel strebt nach jetzigem Wissensstand niemand an. Ein heisses Eisen. Denn dass diese unter dem zuletzt umstrittenen Bildungsdirektor Urs Wüthrich zur Baustelle geworden ist, weist Münger nicht von der Hand. «Man darf aber nicht vergessen, dass Wüthrich insbesondere in seinen ersten Jahren als Bildungsdirektor einige Erfolge feiern konnte», sagt er. So könne er sich etwa die bikantonale Trägerschaft der Universität auf die Fahnen schreiben. Nichtsdestotrotz will er das schwierige Verhältnis zwischen Wüthrich und der Lehrerbasis nicht schönreden. «Früher war Urs der einfachen Sprache mächtig – heute macht sich eine gewisse Distanz zur Basis bemerkbar. Dies liegt womöglich daran, dass noch kein Bildungsdirektor bei der Lehrerschaft wirklich beliebt war.»

Trotzdem stellt Münger sich auf den Standpunkt: Sämtliche Kräfte müssen in der Regierung eingebunden werden. Auch wenn er die Legislaturperiode mit bürgerlicher Dominanz als Jahre der Stagnation bezeichnet, glaubt er daran, dass die wichtigsten Kräfte in der Regierung eingebunden werden müssen. Dass er keine Scheuklappen hat, zeigte er in seinen Jahren als Landrat. Als Gewerkschaftsvertreter spannte er wenn nötig mit der in linken Kreisen verteufelten Wirtschaftskammer zusammen – zusammen mit dem heutigen Direktor Christoph Buser reichte er eine Parlamentarische Initiative zur Bekämpfung von Schwarzarbeit ein.

Kein begnadeter Techniker

Dass unterschiedliche Ansichten nicht in Auseinandersetzungen münden müssen, hat der 53-jährige Seniorenfussballer nicht zuletzt in seiner mittlerweile «ewigen Karriere» gelernt. Er selber sieht sich nicht als begnadeten Techniker, sondern eher als Mittelfeldmotor und Herz seiner Mannschaft. Tore überlässt er im Normalfall seinen Mannschaftskollegen. Gelegentlich kann er sich aber auch als Siegtorschütze feiern lassen. Mit schönen Erinnerungen kehrt Münger immer wieder gerne auf den Sportplatz Gitterli zurück, auf dem er schon mindestens 20 Auswärtsspiele absolviert hat. Als 18-Jähriger erzielte er hier das entscheidende Tor zum Juniorentitel, was danach in der Clubbeiz mit dem einen oder anderen Bier begossen wurde. Sein Trainer musste ihn im ersten Alkoholrausch nach Hause fahren.

Sollte Münger am 8. Februar etwas zu begiessen haben, dann wird er wohl lieber einen edlen Tropfen aus dem Keller holen. Und dann dürfte selbst seine Frau, die sonst auf Alkohol verzichtet, einen Schluck italienischen Rotwein auf den grössten bisherigen Karriereschritt ihres Ehemanns nehmen.