Hochzeiten
«Ja, ich will» – aber nicht in der Kirche

In Baselland und Basel-Stadt wird immer häufiger unter freiem Himmel geheiratet. Die Kirchen wollen diesem Trend jedoch nicht tatenlos zusehen.

Andrea Mašek
Merken
Drucken
Teilen

Keystone

Der 10. 10. 2010 fällt auf einen Sonntag. Dieses Schnapsdatum fällt damit zum Heiraten aus, die Standesämter der Region bleiben geschlossen. Aber immerhin winkt noch Mittwoch, der 20. 10. 2010. Wie schon am 9. 9. 2009 werden die Standesämter dann voll sein. Mit 5121 geschlossenen Ehen ging der September deshalb als Spitzenreiter unter den Hochzeitsmonaten im letzten Jahr hervor. 41 918 Paare haben 2009 in der Schweiz geheiratet, 400 mehr also im Vorjahr. Von einem zunehmenden Trend kann aber nicht gesprochen werden. Seit rund einem Jahrzehnt liegt die Zahl der Eheschliessungen bei rund 40 000.

Ähnlich ist die Lage in den beiden Basler Kantonen: Im Baselbiet liegt der Durchschnitt bei 1320 Eheschliessungen pro Jahr. Aber auch hier war 2009 mit 1422 Trauungen ein Spitzenjahr - seit 1999 wurden nicht mehr so viele Ehen geschlossen. In Basel-Stadt trauten sich 899 Paare, sechs weniger als 2008. Der Durchschnitt im Stadtkanton liegt bei 850.

«In einem dem Anlass würdigen Raum»

Das sind die Zahlen für die zivilen Trauungen. Das Gesetz verlangt, dass diese in einem geschlossenen und dem Anlass würdigen Raum stattfinden. In der Regel wird deshalb auf dem Zivilstandsamt geheiratet. Basel-Stadt hat ein wahres Bijou an der Rittergasse. Wieso sollte da noch anderswo geheiratet werden, fragt Vorsteher Alexander Egli. In Riehen und Bettingen stehen Trauzimmer zur Verfügung. Ab und zu kämen Anfragen, ob Ziviltrauungen im Freien oder auf einer Fähre möglich seien, so Egli. Dies sei jedoch «leider» nicht möglich.

Im Baselbiet stehen den Brautleuten auch Schlösser wie Wildenstein, Ebenrain, Binningen oder Bottmingen offen. Dies kommt jenen Paaren entgegen, die aus der Ziviltrauung das eigentliche Hochzeitsfest machen. Sie, wie immer mehr andere auch, lassen sich nicht mehr kirchlich trauen.

Die Landeskirchen der beiden Kantone bestätigen die Abnahme der kirchlichen Trauungen. Dies sei die Folge der zunehmenden Kirchenaustritte, wie Xaver Pfister von der römisch-katholischen Kirche Basel-Stadt und Paul Dalcher von der refomierten Kirche Baselland sagen. Dalcher merkt zudem an, dass Geschiedene eher selten nochmals kirchlich heiraten. Er vermutet, «ältere» Paare hätten nicht mehr den Wunsch, in Weiss anzutreten. Diesem Trend wird allerdings nicht tatenlos zugeschaut. Werbung für kirchliche Trauungen machen die Kirchen laut Pfister seit drei Jahren an der Hochzeitsmesse MariNatal, mit einer ökumenischen Broschüre und via Internet.

Zeremonien unter freiem Himmel

«Ja, ich will» wollen dennoch die meisten Paare vor Familie und Freunden sagen. Die Baselbieter Hochzeitsplanerinnen Anne Tschopp und Esther Waibel von wedding-design.ch notieren, dass immer mehr junge Paare Zeremonien unter freiem Himmel wünschen und dafür freiberufliche Theologen engagieren. Das Trauversprechen sei da fester Bestandteil. Martin Wiedmer aus Birsfelden stellt eine stetig steigende Nachfrage fest. Er bietet Trauungen nach Mass an. Dennoch liefen die Feiern ähnlich ab: Begrüssung, Ansprache zum Thema und der Trauakt als Höhepunkt. Für die Zeremonie würden meistens Restaurants, schöne Häuser oder die freie Natur gewählt. «Kürzlich kam sogar ein Paar, das wollte in einer Ruine heiraten», erzählt Wiedmer.

Rosmarie Brunner hat Paare in Schlossparks, Restaurants, Kirchgemeindehäusern und Kirchen getraut. Die freie Theologin aus Basel wird, seit sie sich selbstständig gemacht hat, ebenfalls vermehrt für Hochzeiten angefragt. Auch bei ihr sind die Zeremonien auf die Brautleute abgestimmt. Gebete seien bei den Paaren nicht immer erwünscht, «aber den Segen möchten alle». Sie wollten mehr als nur das Jawort, das sei der tiefere Grund für die Feiern.