Ausstellung
James Bond spioniert in Binningen

Das Ortsmuseum Binningen würdigt das Werk des Erfinders Walter Zapp. Seine Spionagekamera kam in zahlreichen Filmen vor.

DIMITRI HOFER
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George Lazenby machte die Minox berühmt. ZVG

George Lazenby machte die Minox berühmt. ZVG

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«Im Geheimdienst Ihrer Majestät» hielt James Bond-Darsteller George Lazenby sie zwar falsch herum. Der Auftritt im Agentenfilm aus dem Jahr 1969 verhalf ihr dennoch zu grosser Popularität. Die Kleinstbildkamera Minox wurde zum Synonym für die während des Kalten Krieges ausgeprägte Spionage. Und tatsächlich nutzten viele echte Schnüffler das Gadget, um die Gegenseite unbemerkt auszuspionieren.

Erfinder der Kamera mit Weltruhm ist der Deutsch-Balte Walter Zapp, der die letzten Jahre des Lebens bei seinem Sohn in Binningen verbrachte. Das dortige Ortsmuseum widmet seine aktuelle Sonderausstellung dem 2003 verstorbenen Konstrukteur. «Für die Vernissage heute Abend haben sich der Botschafter von Slowenien und der Ehrenkonsul von Estland angekündigt», freut sich Bruno Gehrig, Präsident des Vereins Ortsmuseum Binningen. Die hochkarätigen Gäste würden verdeutlichen, welch grosses Ansehen Zapp genossen habe.

Eine Million Mal produziert

Der 1905 in Riga geborene Walter Zapp absolvierte in der estnischen Hauptstadt Tallinn eine Lehre bei einem Kunstfotografen. Im Fotostudio machten die grossen Holzkameras dem schmächtigen Lehrling zu schaffen. Als er seine Stelle verlor, begann er mit der Entwicklung einer ultrakleinen Kamera. In Riga fand er eine Fabrik, die 17'000 Exemplare der Minox produzierte. Im Zweiten Weltkrieg musste er aus seiner Heimat fliehen. In Deutschland versuchte er nach dem Krieg vergeblich, die Kamera bei Optikunternehmen unterzubringen.

Mit einem Geschäftspartner liess er die Minox in einer neugegründeten Fabrik herstellen. Aufgrund fehlenden Geschäftssinns verlor er jedoch nach einiger Zeit das Patent.

Von den Erträgen der eine Million Mal produzierten Kamera erhielt Walter Zapp nichts. Dasselbe gilt für die Einnahmen aus 40 Filmen, in denen die Minox auftauchte. Neben dem Bond-Klassiker unter anderem in der Kriegssatire «Mash» und den Abenteuern von «The Pink Panther».

Nachdem er die Firma verlassen hatte, siedelte der Erfinder mit der Familie auf die Insel Reichenau und danach ins Appenzellerland über. Dort liess er sich Gerätschaften wie ein Lupenfernglas und eine Taschenlupe patentieren. «Die Schweiz war für meinen Vater, der zwei Weltkriege miterleben musste, das Traumland», erklärt Sohn Lotar Zapp, der dem Ortsmuseum einen Grossteil der Objekte zur Verfügung stellte.

Zu sehen gibt es neben viel anderem eine Bürste und eine Zigarrenkiste, in denen die Minox versteckt wurde. «Wir zeigen aber auch Firmenlogos, welche Walter Zapp entworfen hat», sagt Vereinspräsident Bruno Gehrig. Insgesamt sind rund 30 Ausführungen der Mini-Kamera ausgestellt – darunter auch mehrere neue. Das letzte Modell des Fotoapparats wurde 2012 im deutschen Wetzlar hergestellt.

Vernissage am Freitag von 18 bis 21 Uhr. Anschliessend kann die Sonderausstellung jeweils am ersten Sonntag des Monats von 14 bis 17 Uhr besucht werden.

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