Weihnachtsbaumwerfen
Je dürrer, desto weiter fliegt der Baum – doch ganz so einfach ist es nicht

Die Fachsimpelei über Weiten, Wurftechnik und Mogeleien hören sich nicht anders an, als wenn die besten Leichtathleten der Welt ihre Champions suchen: Auf Kraft, Technik und die Baumqualität kommt es an.

Tobias Gfeller
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Als Erstes warfen die Kleinen, hier die 9-jährige Hannah. Kenneth Nars

Als Erstes warfen die Kleinen, hier die 9-jährige Hannah. Kenneth Nars

Kenneth Nars

«Liegt der Wind gerade gut, kann ich werfen?», fragt eine Frau, als sie sich mit ihrem Baum zur am Boden liegenden Bauabschrankung begibt, die als Abwurfgrenze dient. Und der Wind spielte gestern Abend auf dem Schulhausplatz in Rodersdorf tatsächlich eine Rolle beim dritten Weihnachtsbaumwerfen.

Wer den perfekten Rückenwind erwischte, dem war eine grosse Weite fast sicher. Der Hauch von Leichtathletik war also nicht von der Hand zu weisen. Auch gegenseitige Vorwürfe, es mit den Regeln nicht ganz ernst zu nehmen, tönten doch ganz nach Spitzensport. «Dem musst du noch achtzig Zentimeter abziehen. An diesem Baum ist ja nichts mehr dran», hiess es da schon mal von den Zuschauern.

Auf die Baumsorte kommt es an

Trotz aller Sticheleien stand der Spass wiederum im Vordergrund. «Wir wollen den Menschen etwas bieten und so die Geselligkeit im Dorf fördern», sagt Organisator Roland Matthes vom Feuerwehrverein Rodersdorf, der sich aus ehemaligen Feuerwehrleuten zusammensetzt und das Weihnachtsbaum Weitwerfen 2013 ins Leben gerufen hat. Zwei Würfe hatte jeder zur Verfügung. Ganz ohne Ehrgeiz ging es natürlich nicht.

Da wurde zwischendurch auch mal an der Wurftechnik gefeilt. «Zuerst versuchte ich es aus der Drehung, dann stossen von unten», beschreibt Adrian Dobler gestikulierend seine beiden Versuche. Hansruedi Stehli, Chefmesser der Weiten, widerspricht aber den gängigen Vorurteilen, dass es auf die Technik ankommt. «Die ist nicht so wichtig», stellt er klar. Es gäbe sogar solche, die zuhause üben und dann beim Wettkampf nicht viel zustande bringen. «Viel wichtiger ist der Zustand und die Sorte des Baumes.»

Nordmanntannen seien oftmals schwerer und dicker, Rottannen liessen sich hingegen leichter weit werfen. «Man sollte deswegen die Bäume nicht nur in Grössen, sondern auch in Sorten unterteilen», meint Stehli scherzhaft. Es blieb aber auch gestern bei der Einteilung nach Grösse bis und über 1.20 Meter. Dass man Weihnachtsbaum Weitwerfen doch trainieren kann und sich eine Portion Routine positiv auf das Resultat niederschlägt, bewies Organisator Roland Matthes gleich selbst. Mit 7.90 Meter erzielte er bei den grossen Bäumen die Bestweite des Abends. Gentlemanlike nahm er sich aber gleich selber aus der Wertung. «Ich bin der Organisator, ich will nicht gewinnen.» Auch wusste er wohl, dass an seinem Baum nicht mehr viel dran war. Ob er diesen aus dem letzten Jahr dabei habe, wollten deshalb viele wissen.

Matthes warf den Baum mit dem unteren, dickeren Teil des Stamms voran. «So zeigen die Äste gegen hinten. Damit reduziert sich der Luftwiderstand», beschreibt er fachmännisch seine Wurftechnik. Bei den kleinen Bäumen schaffte Dominig Siegrist mit 8,60 Metern die beste Weite.

Zu Hause fleissig geübt

Auch zahlreiche Kinder nahmen die Chance war, mal einen Tannenbaum durch die Gegend zu werfen. «Ich hatte den von meiner Omi aus dem Garten dabei», erzählt die sechsjährige Noëmie stolz. Am Spitz und unten am Stamm habe sie den kleinen Baum gehalten. «Und dann kräftig gestossen.» Dass der Baum beinahe so gross wie sie selber war, beeindruckte die Rodersdorferin keineswegs. «Zu Hause habe ich geübt und mich hier vor dem richtigen Wurf eingeworfen und mit anderen Kindern darüber diskutiert, wie man am besten werfen sollte.»

Die Weiten der Kinder wurden nicht gemessen. Sie alle erhielten aber eine Urkunde zur Erinnerung.