bz-Umfrage
Jeder dritte Baselbieter findet die Zürcher unsympathisch

Baselbieter lieben Berner und können Zürcher nicht leiden: Die bz-Umfrage bestätigt, was viele schon immer wussten. Erstaunlich aber: Baselstädter kommen in der Umfrage gut weg.

Michael Nittnaus
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«Nachdem ich von Zürich nach Basel gekommen war, lief ich eine Zeit lang jedem in die Hacken», erzählt Walter Leimgruber. Für den Präsidenten der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde war dies ein Schlüsselerlebnis. Er stammt aus dem Fricktal, wohnt in Zürich und arbeitet in Basel. Wenig später stiess Leimgruber tatsächlich auf eine Studie, die seine Alltagserfahrung bestätigte: Zürcher laufen deutlich schneller als Basler – und diese wiederum schneller als Berner. Als Volkskundler führt er das unterschiedliche Schritttempo auf die gesellschaftlichen Besonderheiten jeder Region zurück. «Die Laufgeschwindigkeit aber als Begründung dafür zu nehmen, warum Baselbieter Berner sympathischer finden als Zürcher, vereinfacht das Ganze doch etwas stark», sagt Leimgruber.

Weshalb also sind die Sympathien bei der bz-Umfrage so klar verteilt? Rund jeder dritte Baselbieter findet die Bewohner des Kantons Zürich besonders unsympathisch und fast ebenso viele finden die Berner besonders sympathisch. Alle anderen Kantone fallen weit ab

Zürcher sind Konkurrenten

«Im Fall von Zürich ist es ein Minderwertigkeitskomplex. Solche Schelten sind unsere Bewältigungsstrategie, um das übermächtige Gegenüber in den Griff zu bekommen», sagt Markus Ramseier. Der Schnitzelbänggler aus Pratteln ist dabei hin- und hergerissen: «Ich bemühe mich darum, gegenüber jedem aufgeschlossen zu sein, doch als Bänggler bin ich natürlich über solche Feindbilder froh.» Und er fügt an: «Es ist fast traurig, wie einfach man mit Zürcher Bängg zu Lachern kommt.»

Exklusiv-Umfrage: So tickt Baselland

Wie leben die Menschen im Baselbiet? Fühlen sie sich wohl in ihrem Wohnkanton? Was gefällt ihnen? Was macht ihnen Sorgen? Die repräsentative Umfrage der bz liefert die Antworten. Das Markt- und Meinungsforschungsunternehmen Demoscope hat zwischen dem 18. April und dem 3. Mai 2011 256 Baselbieter befragt. Entstanden ist ein Abbild der aktuellen Befindlichkeit der Bevölkerung. In einer sechsteiligen Serie werden die Ergebnisse täglich vom 11. bis 16. Juli in der bz präsentiert. Die Befragung erfolgte in Zusammenarbeit mit Raiffeisen. (bz)

Für Leimgruber scheint derweil klar, dass die Baselbieter bei ihrem Votum vor allem die Stadt Zürich im Kopf hatten und nicht den ganzen Kanton: «Baselbieter wie auch Basler fürchten sich vor den Stadtzürchern, da sie wirtschaftliche Konkurrenten sind. Damit sind sie – im Gegensatz zur Polithauptstadt Bern – eine Bedrohung für die eigene Existenz.» Für dieses Argument spricht auch, dass mit 40 Prozent mehr Männer als Frauen (29%) gegen Zürich stimmten. «Männer grenzen sich eher ab, verteidigen wie Platzhirsche ihr Territorium», sagt Leimgruber.

Dieses Gehabe sei bei jungen Männern besonders ausgeprägt. Von den 15- bis 34-Jährigen gaben denn auch ganze 54 Prozent Zürich an, nur 17 Prozent sind es bei den über 55-Jährigen. «Auch ich spüre bereits eine gewisse Altersmilde», merkt der 55-jährige Ramseier an. So lässt sich auch erklären, dass ganze 38 Prozent der Älteren gar keinen Kanton unsympathisch finden, während dies nur auf 7 Prozent der Jungen zutrifft (Total 25%).

Berner erinnern an uralte Wurzeln

Während der Zürcher also schnellen Schrittes durchs Leben hetzt, nimmts der Berner gemächlicher. «Der Berner ist nett, lieb und wirkt gemütlich. Und der Kanton ist eine Schweiz im Kleinen, bietet für jeden etwas», erklärt Leimgruber und sieht darin mehr als ein Klischee: «Eigentlich wollen wir alle Berner sein.» Für Ramseier, der sich auch intensiv mit Dialekten beschäftigt, spielt auch der Klangreichtum der Berner Mundart eine Rolle: «Die Klangfülle hat etwas Beruhigendes. Sie erinnert uns an uralte Wurzeln.» In ihrer Langsamkeit seien Berner nicht bedrohlich. «Das kann aber kippen, falls YB Meister wird», scherzt der Bänggler, schiebt jedoch gleich nach: «Zum Glück kann man das mit fast hundertprozentiger Sicherheit ausschliessen.» Ihm persönlich gingen die Berner mit ihrem «bewahrenden Konservativismus» übrigens «extrem auf den Wecker».

Baselstädter beliebter als gedacht

Sowohl Ramseier wie auch Leimgruber erstaunt bei der Umfrage, dass die Baselbieter ihre städtischen Nachbarn am zweit-sympathischsten finden (11%). «Die beiden Basel haben nicht nur eine konfliktreiche Geschichte, sondern streiten sich auch aktuell politisch an mehreren Fronten», sagt Leimgruber. Und Ramseier setzt gar «ein grosses Fragezeichen» hinter das Resultat, wenn er sagt: «Ich habe hier schon so viele Aversionen gegen die Stadt erlebt – vor allem im Oberbaselbiet.» Er selbst versuche mit seinen Bängg etwas für die «Völkerverständigung» zu tun – er habe denn auch als einziger Baselbieter Bangg die Erlaubnis vom Comité, seine Verse nicht auf «Baaseldytsch z brinzle».

Eines lehrt uns Leimgrubers Alltagserfahrung doch: Sind «fremdi Fötzel» nur lange genug in unserer Region, passen sie sich garantiert an – wenn auch nur beim Laufschritt.

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