Zwingen
Jetzt müssen Richter über das EBL-Wasserkraftwerk entscheiden

Obwohl die Baselbieter Regierung das umstrittene neue Birs-Kraftwerk Grossmatt der Elektra Baselland in Zwingen abgesegnet hat, kann das Unternehmen immer noch nicht bauen. Fischer und die Naturschutzverbände haben Beschwerden eingereicht.

Michael Nittnaus
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Unterhalb der neuen Birsbrücke in Zwingen, gleich neben der Baselstrasse, wäre der Standort des Wasserkraftwerkes Grossmatt.

Unterhalb der neuen Birsbrücke in Zwingen, gleich neben der Baselstrasse, wäre der Standort des Wasserkraftwerkes Grossmatt.

Kenneth Nars

Der Frust sitzt tief bei Urs Steiner: «Wären wir ein KMU, hätten wir das Projekt schon lange aufgeben müssen», sagt der CEO der Elektra Baselland (EBL) zur bz. Bereits eine sechsstellige Summe habe das Unternehmen aufwenden müssen, ohne dass auch nur ein Stein des geplanten Birs-Kleinwasserkraftwerkes Grossmatt in Zwingen gesetzt worden sei. Einen Grossteil der Ausgaben haben die zahlreichen Verzögerungen verursacht. Bereits sieben Jahre befindet sich das Fünf-Millionen-Projekt in der Warteschlaufe. Immer wieder hagelte es Einsprachen. An vorderster Front kämpfen die Fischer und die Naturschutzverbände.

Gang vors Bundesgericht möglich

Jetzt ist klar: Die Sache wird vor Gericht entschieden. Zwar wiesen die Baselbieter Regierung und das Bauinspektorat im Februar die Einsprachen ab und erteilten die nötige Konzession sowie die Baubewilligung. Da hatte Steiner noch gehofft, dass es nun vorwärtsgeht. Doch die Fischerei-Pachtvereinigung des Bezirks Laufen (Fipal), der WWF Schweiz, der WWF der Region Basel sowie Urs Campana, der Präsident des Baselbieter Fischereiverbandes (KFVBL), als Privatperson, haben zwei Beschwerden eingereicht. Eine beim Verwaltungsgericht gegen die Konzession und eine bei der Baurekurskommission gegen die Baubewilligung.

Das bedeutet nichts anderes, als dass an einen Baubeginn unterhalb der neuen Zwingner Birsbrücke weiter nicht zu denken ist. Die EBL hat nun bis Mitte Mai, spätestens aber bis Mitte Juni Zeit, zur Beschwerde vor dem Kantonsgericht Stellung zu nehmen. «Wir hoffen, dass das Gericht bis Ende Jahr entschieden hat», sagt Walter Ineichen, der als Leiter Produktion der EBL das Projekt begleitet. Er weiss aber auch: «Müssen wir bis vors Bundesgericht, dauert es sofort ein Jahr länger.» Dieses Szenario ist nicht unrealistisch. «Wer A sagt, muss auch B sagen», hält nämlich Fipal-Präsident Christian Trutmann fest. Dies sei man allen schuldig, die die Fischer beim Kampf gegen das Kraftwerk unterstützen würden.

Kraftwerk wäre Hürde für Fische

Und das sind nicht wenige. Erst am Dienstag organisierte Zwingen einen Informationsabend für die Bevölkerung, an dem Fachleute der EBL das Projekt vorstellten. Laut Gemeindepräsident Benno Jermann sind rund 50 Interessierte gekommen. Er wagt aber keine Schätzung, wie die Sympathien verteilt waren. «Die Gemeinde selbst steht hinter dem neuen Kraftwerk.» Steiner möchte derweil rund zwei Drittel auf seiner Seite gewusst haben. Dem widerspricht Campana vom KFVBL: «Kein einziger Zuhörer sprach sich während der öffentlichen Diskussion für das Projekt aus.»

Die Fischer geben denn auch weiter Vollgas: 9600 Haushalte im ganzen Laufental haben einen Flyer erhalten, in dem zur Unterstützung aufgerufen wird – auch finanziell. «Wir bekommen immer wieder Spenden und auch sonst viel Zuspruch aus der Bevölkerung», sagt Campana. Das Geld benötigen die Verbände nicht zuletzt, um ihre Anwaltskosten zu decken, wie Trutmann zugibt.

Klar ist: Inhaltlich werden sich die Parteien nie finden. Während Ineichen damit wirbt, dass das Grossmatt mit einer Ziel-Leistung von 1,9 Millionen Kilowattstunden im Jahr die Hälfte aller Zwingner Haushalte mit Strom versorgen könne, hält Trutmann dies für viel zu optimistisch. Und: «Da der grüne Strom teurer ist, werden ihn letztlich praktisch keine Zwingner kaufen.»

Wunder Punkt im Laufental

Im Zentrum der Kritik steht für die Fischer und die Naturschutzverbände freilich der ökologische Aspekt: Schliesslich wurde erst 2012 das alte Wehr an gleicher Stelle zurückgebaut und die Birs renaturiert. Dadurch haben fünf gefährdete Fischarten einen Lebensraum gefunden. Diesen würde der Neubau durch zusätzliche Schwellen wieder verschlechtern. Auch vor einer gesteigerten Hochwassergefahr warnt Trutmann – und weiss genau, dass er damit bei der Laufentaler Bevölkerung einen wunden Punkt trifft.

Steiner gibt sich bei all dem Widerstand leicht desillusioniert: «Wir haben alles gemacht, was wir konnten, haben alle Auflagen erfüllt. Aber es ist schon bedenklich, wenn wir regional investieren wollen und dafür am Ende an die zehn Jahre brauchen. International realisieren wir solche Projekte in deren zwei.»

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