Hölstein
Neuer Hochwasserschutz musste bereits vor der Einweihung den Härtetest bestehen

Bei der Holdenweid in Hölstein ist der Bach ausgedolt worden, was den Hochwasserschutz im dortigen Gebiet verbessert. Im Waldenburgertal sind noch weitere Projekte geplant.

Tomasz Sikora
Merken
Drucken
Teilen
Hochwasser haben im Juni im Waldenburgertal grosse Schäden verursacht (im Bild die Baustelle der Waldenburgerbahn und die Frenke in Hölstein). Mehrere Schutzprojekte sollen nun Abhilfe schaffen.

Hochwasser haben im Juni im Waldenburgertal grosse Schäden verursacht (im Bild die Baustelle der Waldenburgerbahn und die Frenke in Hölstein). Mehrere Schutzprojekte sollen nun Abhilfe schaffen.

Nicole Nars-Zimmer

Eigentlich würde man in einer Senke wie der Holdenweid in Hölstein heute keine Gebäude mehr hinstellen. Zu gross ist die Hochwassergefahr in einer derart exponierten Lage. Als vor wenigen Wochen das Oberbaselbiet in den Wassermassen der Extremniederschläge zu ertrinken drohte, war einmal mehr auch die Holdenweid betroffen. «Es war das mittlerweile dritte Hochwasser, das wir erlebt haben», sagt Cornelia Huber. Sie hat das Gebäude 2014 mit der Stiftung Holdenweid übernommen.

Neben traditioneller Hotellerie und Gastronomie betreibt die Stiftung Holdenweid hier Seminarräume, Konzertsäle und Werkstätten für Künstler. Huber betont, dass nach dem Unwetter kaum noch ein Stein im Bach dem anderen gleiche: «Das Hochwasser war wahnsinnig eindrücklich. Es war so stark, dass es eine ganz neue Schwemmlandschaft hinterlassen hat.» Dass nicht nur exponierte Lagen in Hölstein betroffen waren, bestätigt Christine Bürgin, die bei der Gemeinde fürs Bauwesen zuständig ist: «Hölstein und primär die Baustelle der Waldenburgerbahn waren massiv vom Unwetter betroffen.»

Mit Hochwassern hat das Gebäude seit seinem Bestehen zu kämpfen. Zunächst war es zwischen 1954 und 1984 eine Psychiatrie, anschliessend in den 1990er-Jahren ein Durchgangslager für Flüchtlinge aus den Balkankriegen und zuletzt diente es der Baselbieter Polizei-Spezialeinheit Barrakuda als temporäres Übungsgelände. Bis Huber und die Stiftung Holdenweid mit dem Vorschlag auftraten, hier ein Impulszentrum zu eröffnen.

Ein 300-Jahr-Hochwasser

Angesichts der jüngsten Überschwemmungen wurde der neue Hochwasserschutz in der Holdenweid gestern im Rahmen eines Eröffnungsanlasses etwas verspätet der Öffentlichkeit präsentiert. Der neue Schutzkanal musste seine Wirksamkeit bereits vorgängig unter Beweis stellen. Die Massnahmen haben hier im Juni grössere Schäden verhindert.

Erstellen liess den Kanal das Impulszentrum in einem Gemeinschaftsprojekt mit der Basellandschaftlichen Gebäudeversicherung, dem Kanton Baselland, Pro Natura Baselland und Immobilien Basel-Stadt, der Eigentümerin der Holdenweid. Es soll den wiederkehrenden Hochwassern endlich ein Ende bereiten. Rund 100'000 Franken kostete die erste Tranche des Projektes, an der sich alle Institutionen finanziell beteiligt haben.

Noch unvollständiger Schutz

Inhaber und Projektleiter Werner Götz betont: «Beim Hochwasser im oberen Baselbiet vor wenigen Wochen hat es sich um ein 300-Jahr-Hochwasser gehandelt.» Nicht ohne Stolz sagt er deshalb: Das ausgedolte Gewässer wurde durch die enormen Niederschläge eindrücklich getestet und es habe sich gezeigt, dass es sich grösstenteils bewährt. Stiftungspräsidentin Cornelia Huber ist mit dem Projekt ebenfalls zufrieden: «Wir sind sehr dankbar für den neuen Hochwasserschutz. Er ist wirklich fantastisch, ohne ihn wären die Schäden sehr viel höher gewesen.»

Bis die zweite Tranche des Projektes realisiert werden kann und der Hochwasserschutz vollendet ist, dürfte es noch einige Jahre dauern. Den Verantwortlichen dürfte es allerdings nicht schnell genug gehen – für die nächsten Tage sind erneut kräftige Niederschläge angekündigt.