Porträt
Johannes Sutter, Vize-Präsident der Baselbieter SVP: Der einflussreiche Rebell vom Berg

Der Arboldswiler Präsident und SVP-Stratege Johannes Sutter fährt einen eigenständigen Kurs. Selbst von der SP gibts Lob.

Andreas Hirsbrunner
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Der Laden-Neubau (hinten) ist eines von Johannes Sutters Meisterstücken.

Der Laden-Neubau (hinten) ist eines von Johannes Sutters Meisterstücken.

Roland Schmid

Das macht dem 47-jährigen Arboldswiler nicht so schnell einer nach: Johannes Sutter ist vierfacher Vater und erfolgreicher Unternehmer. Seit sechs Jahren präsidiert er den Gemeinderat und wurde soeben mit einem Glanzresultat – 111 von 117 gültigen Stimmen – wiedergewählt. Der Jurist ist auch Vizepräsident der Baselbieter SVP, führt als Delegierter des Stiftungsrates die Wasserfallenbahn und präsidiert die von den Kantonen Baselland, Solothurn und Aargau getragene NSNW AG, die für den Unterhalt der Nationalstrassen in der Nordwestschweiz zuständig ist.

In der Öffentlichkeit wird Sutter aber in erster Linie als kritische Stimme mit rebellischen Untertönen gegen grössere Zusammenarbeits- und Fusionsprojekte wahrgenommen. So hat er das Gemeinderegionen-Gesetz aus der Küche von Finanzdirektor Anton Lauber an vorderster Front mitversenkt. Dem angedachten Kahlschlag unter den örtlichen Feuerwehren hin zu drei teilprofessionalisierten Stützpunktfeuerwehren sagt er ein Scheitern voraus, weil solche Projekte nicht «im Befehlston von oben herab» durchgesetzt werden könnten. Und der vertieften Zusammenarbeit von elf Gemeinden im Verein Region Liestal Frenkentäler Plus kann er nicht viel Positives abgewinnen. Ein Mittun brächte Arboldswil keine Vorteile, sodass es etwas besser oder rationeller bewältigen könnte, so Sutters Überzeugung.

Daraus nun zu schliessen, dass Sutter gegen jede überkommunale Zusammenarbeit ist, wäre aber falsch. Die gemeinsame Schule mit dem Nachbardorf Titterten bezeichnet er als «super lässig», die Zusammenarbeit von 18 Gemeinden inklusive Arboldswil in der Zivilschutzorganisation Argus als «zweckmässig und top organisiert». Wichtig sei, so betont er, dass sich die Gemeinden in Teilbereichen aus eigenem Antrieb zusammentäten und dabei ihre Souveränität behielten. Mit einem Dorf könnten sich die Leute identifizieren, mit einer Region nicht.

Er sorgt mit seiner Art für ein gutes Dorfklima

Wie regiert es sich denn als einsamer Wolf inmitten von zusammenarbeitswilligen Gemeinden? Hundeliebhaber Sutter – in seinem Haushalt leben vier Hunde – winkt ab: «Ich fühle mich überhaupt nicht als einsamer Wolf, sondern habe ein gutes Einvernehmen mit den Behörden der umliegenden Orte. Und ich fühle mich von der Bevölkerung getragen.»

Die Grundstimmung im Dorf sei sehr gut. Das sei auch die Voraussetzung, dass Ämter problemlos besetzt werden könnten. Und nicht Gemeindefusionen, wie deren Befürwortenden immer wieder argumentierten. Er ergänzt: «Wenn wir nicht am selben Strick zögen hier, hätten wir nie einen neuen Laden samt Café bauen können.» Sutter ist sichtbar stolz auf das für eine 500-Seelen-Gemeinde wie Arboldswil alles andere als selbstverständliche Projekt, das im Dezember seine Türen öffnen wird.

Das gute Klima hat auch mit Sutters Stil zu tun: Er ist ein engagierter, geerdeter Präsident, der die Gemeinde in der Regel moderat und mit Humor führt. Auf einem kurzen Spaziergang durchs Dorf grüssen ihn denn auch alle vom Kind bis zur Greisin freundlich. Nur ein giftiger Auftritt ist dokumentiert: Bei seinem Eintritt in die kommunale Politik vor acht Jahren – Sutter ergriff mit Erfolg das Referendum gegen eine Verwaltungszusammenlegung mit Titterten – fuhr er dem damaligen Gemeinderat unter Rolf Neukom auf einem Podium grenzwertig an den Karren. Neukom zog die Samthandschuhe später ebenfalls aus und liess vom Kanton abklären, ob Sutter wegen seiner unternehmerischen Stellung überhaupt Gemeinderat werden dürfe.

Bevölkerung akzeptiert heikle Doppelrolle

Womit wir bei Sutters beruflicher Karriere sind. Nach seinem Rechtsstudium in St. Gallen wäre der Arboldswiler am liebsten in der Ostschweiz geblieben. Er arbeitete beim Rechtsdienst des Baudepartements des Kantons Appenzell Ausserrhoden, wo er auch das neue Baugesetz mitverfasste. Die Appenzeller seien sehr liebenswerte, wenn auch manchmal etwas raue Menschen, erzählt Sutter und verweist auf eine Szene, als aus einem Stall plötzlich Schüsse ertönten, während eine Kantonsdelegation einen Augenschein nehmen wollte. Sie seien darauf eilends abgezogen, so Sutter.

Der väterliche Ruf machte dem Ostschweizer «Idyll» ein Ende. Hans Sutter, einst ebenfalls langjähriger Arboldswiler Gemeindepräsident, begann im Alter von 60 Jahren, die Nachfolgeregelung im familieneigenen Unternehmen zu sondieren. Der Junior zeigte Interesse und übernahm 2006 die operative Leitung des Ingenieur- und Planungsbüros Sutter mit Haupt-sitz im heimischen Arboldswil
mit damals 35 Mitarbeitenden. Mittlerweile hat Johannes Sutter den Personalbestand verdoppelt; seine wichtigsten Kunden sind die Kantone Baselland, Solothurn und Aargau sowie Gemeinden aus diesen Kantonen, darunter auch Arboldswil.

Das Büro Sutter erledigt für diese Gemeinde diverse Daueraufträge bei der Vermessung, der Führung des Leitungskatasters oder der Prüfung von Baugesuchen. Dazu kommen Einzelaufträge. Deshalb schaltete Neukom den Kanton ein – und dieser gab grünes Licht für Sutters lokale Politkarriere, sofern er die gesetzlich geregelte Ausstandspflicht einhalte. Sutter sagt, er befolge diese minutiös und trete jährlich ein halbes Dutzend mal in den Ausstand. Beschwerden hat es bis anhin keine gegeben. Sutters jeweils gute Wahlresultate zeigen auch, dass die Arboldswiler seine Doppelrolle akzeptieren und ihm vertrauen.

Einen besonderen Bonus hat sich der Gemeindepräsident mit seinen während des Lockdown in hoher Kadenz erschienenen «Extrablättern zum Coronavirus» erarbeitet. Hier gab es dorfbezogene Informationen und Tipps rund um Corona und Sutter rückte die verschiedensten Akteure, vom Schulleiter bis zum Dorfladenboten, in den Fokus. Das und auch die «Fresspäckli» samt Desinfektionsmittel des Gemeinderats kamen an die Seniorinnen und Senioren sehr gut an, wie offene Briefe zeigen. Selbst Neukom lobt seinen Nachfolger: «Sutter und der Gemeinderat haben während des Lockdown einen Superjob gemacht.»

Bei der SVP ist er auch der Konfliktmanager

Hier hakt mit SP-Präsident Adil Koller auch ein politischer Gegner ein. Wie Sutter die vielen Bundesinformationen differenziert für die Arboldswiler Einwohnenden heruntergebrochen habe, sei vorbildlich gewesen. Koller, der Sutter vor allem von gemeinsamen Fernsehdebatten kennt, lobt ihn generell als einen differenziert denkenden Bürgerlichen, der auch nach Gemeinsamkeiten suche. Koller: «Ich mag ihn persönlich sehr gut. Er zeigt auch Wertschätzung für den politischen Gegner.»

Was Sutter indirekt bestätigt, indem er den Bundesrat und allen voran Alain Berset für die Bewältigung der Coronakrise lobt. Hier sei seine Partei mit der Forderung nach schnellen Lockerungen des Lockdown in seinen Augen falsch gelegen. Wieso ist Sutter als Unternehmer eigentlich nicht wie sein Vater bei der FDP gelandet? «Ausschlaggebend war bei meinem Parteibeitritt vor 16 Jahren, dass die SVP klar gegen einen EU- Beitritt war, während die FDP lavierte.»

Bei der Baselbieter SVP spielt Sutter mittlerweile eine prägende Rolle. Kantonalpräsident Dominik Straumann schildert seinen Vize als einen Herzblutunternehmer, der anpacken wolle. Er sei der geborene Exekutivpolitiker, im Landrat würde er ihn weniger sehen. Innerhalb der SVP erweise sich Johannes Sutter als vorausschauender, strategisch stark mitdenkender Kollege, der für die Partei wegen seiner überlegten, vermittelnden Art auch bei Konflikten wichtig sei.

Und zu Sutters Rolle in Arboldswil meint Straumann «mit dem Blick eines Aussenstehenden»: «Das kommt mir vor wie ein gallisches Dorf. Er macht einen guten Job dort.»