Jugendkulturfestival Basel
Nur einer statt zwei Open-Air-Konzertabende: Festivalmacher sind frustriert

Die beiden Konzertabende unter freiem Himmel hätten das Highlight des diesjährigen Jugendkulturfestivals werden sollen. Doch der kantonale Lärmschutz bewilligt eine der beiden geplanten Freiluftbühnen nicht.

Tobias Gfeller
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Das Jugendkulturfestival Basel darf auf dem Klybeckareal kein Konzertabend durchführen.

Das Jugendkulturfestival Basel darf auf dem Klybeckareal kein Konzertabend durchführen.

Bild: Gaspard Weissheimer

Simon Handschin ist enttäuscht und frustriert. In gut einer Woche beginnt das Jugendkulturfestival Basel (JKF), das in normalen Zeiten alle zwei Jahre rund 50'000 Besucherinnen und Besucher in die Stadt lockt. Dass der Grossanlass, der 1997 erstmals durchgeführt worden ist, dieses Jahr überhaupt stattfinden wird, ist alles andere als selbstverständlich. «Wir haben innerhalb kürzester Zeit ein Programm auf die Beine gestellt, als wir realisierten, dass es gemäss bundesrätlichen und kantonalen Vorgaben möglich sein würde», erklärt der Präsident des Vereins Neues JKF.

Doch die Vorfreude beim Vorstand und bei der Geschäftsleitung ist getrübt: Der Kanton – genauer gesagt die Abteilung Lärmschutz des Amts für Umwelt und Energie (AUE) – verwehrt den JKF-Machern die Bewilligung für die Freiluftbühne auf dem Klybeckareal neben dem Club Humbug. Auch die Freiluftbühne im Christoph Merian-Park wurde lediglich mit Einschränkungen bewilligt.

Plötzliche Kehrtwende bei Bewilligung

In normalen Zeiten findet ein Grossteil des Festivals draussen statt. Das AUE erlaubte die Benutzung von Lautsprechern im Christoph Merian-Park zuerst nur am Samstag. Am Montag, 23. August, folgte eine Wende, die selbst den erfahrenen Kulturveranstalter Simon Handschin irritiert zurücklässt.

Das AUE legte mit einer Bewilligung für die Beschallung mit Lautsprechern im Christoph Merian-Park am Freitagabend nach. Für Unklarheit sorgt trotzdem, dass auf der Bewilligung gemäss Handschin einmal 21 Uhr und einmal 22 Uhr als Konzertende steht.

«Wäre zu einem früheren Zeitpunkt kommuniziert worden, dass dies eine reelle Option darstellt, hätte man programmatisch darauf reagieren können.»

So kurzfristig vor dem Festival sei nicht klar, ob sich für diesen Zeitraum noch Interpretinnen und Interpreten finden lassen.

Konzertabende aus Rücksicht auf Anwohnende verkürzt

Das JKF 2021 findet grösstenteils in Indoor-Veranstaltungsorten wie dem Theater Basel, der Offenen Kirche Elisabethen, dem Sommercasino, der Padelhalle oder dem Club Humbug statt. Highlights – vor allem bezüglich Musik – hätten eben die zwei Konzertabende im Christoph Merian-Park und draussen auf dem Klybeckareal werden sollen, die aus Rücksichtnahme auf die Anwohnerschaft bereits im Bewilligungsgesuch verkürzt wurden.

Trotz Kompromissbereitschaft stiessen die JKF-Macher beim AUE auf wenig Verständnis und wurden gemäss Wahrnehmung des Vereinspräsidenten abgewiesen. Gerade im Hinblick auf die Coronapandemie sei es doch wichtig, dass die Behörden den Veranstaltern verstärkt entgegenkommen und weniger auf stur schalten; gerade die Jugend habe zu Gunsten der vulnerableren Bevölkerung auf vieles verzichten müssen.

Präsident hätte mehr Spielraum erwartet

Mit den meisten kantonalen Stellen habe man keine Probleme, betont Handschin, doch mit dem AUE würden Verhandlungen zunehmend schwieriger. Der Alternativvorschlag des AUE für einen Konzertstandort beim Hafen wurde geprüft und für untauglich befunden.

Eine genaue Erklärung, welche gesetzliche Grundlage hinter der Ablehnung steht oder wieso grundsätzlich auf dem Klybeckareal beim «Humbug» eine Freiluftbespielung mit Lautsprechern nicht möglich sein soll, erhielten Simon Handschin und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter nicht. «Die Botschaft an uns war von Beginn weg klar: Probiert es erst gar nicht, es hat keinen Wert und wir werden nichts mit Lautsprechern genehmigen.»

Lärmempfindliche Anwohnerinnen und Anwohner hätten in den vergangenen eineinhalb Jahren sehr ruhige Zeiten erlebt, erinnert Simon Handschin, der gerade auch deshalb mehr Spielraum erwartet hätte.

Zu geringer Abstand zur Anwohnerschaft

Beim AUE scheint man überrascht über die Verärgerung der JKF-Macher. Gemäss Brigitte Meyer, Generalsekretärin des Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt (WSU), zu dem das AUE gehört, hätte der Abstand von der Bühne auf dem Klybeckareal zur nächsten Anwohnerschaft weniger als 20 Meter betragen, weshalb dieser Platz für schallintensive Bespielungen nicht geeignet sei. Meyer gibt die Kritik an die JKF-Verantwortlichen teilweise zurück. Sie seien nicht bereit gewesen, weitere Alternativvorschläge von Seiten AUE für andere Standorte zu prüfen.

Abschliessend schreibt Meyer, dass auf der Website des JKF nur jene Standorte und Spielzeiten aufgelistet seien, die vom AUE bewilligt wurden.

«Jedoch entspricht das vom Veranstalter eingereichte Gesuch nicht den jetzigen Angaben auf der Homepage.»

Diesen Vorwurf kennt Simon Handschin. «Wo kämen wir hin, wenn wir Veranstaltungen publizieren würden, die nicht bewilligt wurden und wohl nicht stattfinden können?» Auf die restlichen Fragen der BZ ging Brigitte Meyer nicht ein.

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