Storchenelend
Jungstörche müssen wegen des Dauerregens verhungern

Die Oberwiler haben ihre drei Jungstörche verloren: Am Sonntag lagen sie tot am Fusse des Kirchturms. Vermutlich haben ihnen Regen und Kälte zu sehr zugesetzt und die Eltern konnten wegen des Regens nicht auf Futtersuche gehen.

Boris Burkhardt
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Diese Biel-Benkemer Jungstörche hatten 2011 mehr Glück als ihre Oberwiler Artgenossen: Sie überlebten die Regenperiode.

Diese Biel-Benkemer Jungstörche hatten 2011 mehr Glück als ihre Oberwiler Artgenossen: Sie überlebten die Regenperiode.

zvg/Beat Huggenberger

Im vorigen Jahr konnte sich die Oberwiler Römisch-Katholische Gemeinde erstmals seit langer Zeit wieder über Jungstörche im 30 Jahre alten Nest auf der Kirchturmspitze freuen.

Als Pfarrgemeinderat Hugo Ley vor kurzem wieder über den Feldstecher kleine Storchenküken im Horst beobachten konnte, war die Hoffnung gross auf einen weiteren Storchenjahrgang. Doch die extremen Regenfälle am Wochenende machten die Hoffnung jäh zunichte: Am Sonntag fand Ley zwei der drei Storchenjungen tot am Fusse des Kirchturms liegen; das dritte vermutet er tot auf dem Dach.

Auch der Zolli hat Verluste

«Sie hatten schon Federn und waren so gross wie Hühner», berichtet Ley. Doch ihre Grösse wurde ihnen wohl zum Verhängnis: Die Eltern konnten sie nicht mehr vor Regen und Kälte abschirmen. Vermutlich seien die Eltern bei dem Regen aber gar nicht zur Futtersuche ausgeflogen.

Auch in Biel-Benken geht Beat Huggenberg davon aus, dass die Jungtiere den nasskalten Frühling nicht überlebt haben. Gesehen hat der Experte sie zwar nie. Nach fünf erfolgreichen Jahren ging er aber auch diesen April von Nachwuchs aus. Das Verhalten der Eltern habe zunächst darauf hingedeutet. Doch schon Anfang Mai sei ihm klar gewesen, dass sie bereits tot oder gar nicht erst geschlüpft seien: «Es sah so aus, als ob die Eltern ihre toten Kinder anstupfen würden, um sie zu animieren.»

Von früheren Jahrgängen weiss Huggenberg, der sich in seiner Freizeit intensiv mit den Störchen beschäftigt, dass die Eltern ihre Kinder auch selbst töten, wenn sie erkennen, dass sie aufgrund der Nahrungslage nicht alle durchbringen werden.

Hier ging es den Biel-Benkemer Störchen noch gut.

Hier ging es den Biel-Benkemer Störchen noch gut.

zvg/Beat Huggenberg

Auch Friederike von Howald, Kuratorin des Zolli, vermutet einige verendete Storchenküken in den rund 25 Nestern auf dem Gelände: «Wir haben Verluste.» Aber auch sie hat keinen Einblick in die Nester. Die Feuerwehr besteigt die Horste erst nach und nach, um die Vögel zu beringen: In vielen fänden sich bis zu drei Küken; einige seien aber auch leer. Der Zoo folge jedoch dem Grundsatz in der Schweiz und mische sich nicht mehr aktiv in die Storchenzucht ein: «Wir überlassen das der natürlichen Selektion.» Lediglich der Bodenhorst, in dem momentan drei Junge sitzen, wird mit Zusatzfutter betreut: «Die Mutter kann nicht mehr fliegen und nach Nahrung suchen. Das wäre zu unfair.»

Hoffnung auf zweite Brut

Auf die Feuerwehr in Biel-Benken kann Huggenberg hingegen nicht zählen; sie dürfe aus «versicherungstechnischen Gründen» nicht auf die Kirchturmspitze. Deshalb suchen er und seine «Informelle Interessen-Gemeinschaft Storchenfreunde Biel-Benken» Sponsoren für die 1000 Franken, die eine Teleskopleiter kostet, wie sie bisher zum Beringen der Störche verwendet wurde.

Den Oberwilern wie den Biel-Benkemern bleibt nun noch in der angekündigten Wärme die Hoffnung auf eine zweite Brut. Zumindest in Oberwil seien die Eltern in der Gegend geblieben und hätten auch die Nächte in der Nähe der Kirche verbracht. Und auch Elvis, der Biel-Benkemer Jungstorch mit Sender, sei vor kurzem wieder in seine Heimat zurückgekehrt.

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