Forfait
Jürg Wiedemanns Grüne-Unabhängige sind am Ende

Die Grünen-Abspaltung rund um Jürg Wiedemann tritt bei den Landrats-Wahlen nicht an.

Benjamin Wieland
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Der erste und letzte Landrat der Grünen-Unabhängigen: Jürg Wiedemann.

Der erste und letzte Landrat der Grünen-Unabhängigen: Jürg Wiedemann.

Nicole Nars-Zimmer niz

Aus den grossspurigen Ankündigungen wurde nichts. Kurz nachdem im Frühling 2015 die Grünen-Unabhängigen (GU) das Licht der Welt erblickten, kündete ihr geistiger Vater Jürg Wiedemann einen Sturm auf Liestal an. Mit neunzig eigenen Kandidaten werde man antreten bei den Landratswahlen 2019. Bald sind die vier Jahre vorbei, Ende März sind die kantonalen Wahlen. Geblieben sind von den neunzig angekündigten Kandidaturen der Splitterpartei: null.

Dass Wiedemann nicht mehr antritt, ist bekannt. Den 58-Jährigen trifft die Altersguillotine. Nach 16 Jahren im Kantonsparlament scheidet der Birsfelder per Ende der laufenden Legislatur Ende Juni 2019 aus. Offensichtlich findet sich bei der GU niemand mehr, der bereit wäre, sich auf eine Liste zu setzen. Man werde bei den Landratswahlen nicht antreten, schreibt Partei-Sekretärin Saskia Olsson auf Anfrage.

Damit endet wohl die Zeit der frechen Grünen-Abspaltung. Sie hat bald keinen Landrat mehr und auch ansonsten keinerlei Mandats- oder Amtsträger.
Mitglieder wollen weitermachen

Eine andere Vorhersage Jürg Wiedemanns könnte somit wahr werden. 2016 sagte er zur «Schweiz am Sonntag»: «Ich bin der Überzeugung, dass die Partei dereinst wieder mit den Grünen zusammengehen wird.» Davon will er heute aber nichts wissen. «Wir werden die Partei zwar nicht künstlich am Leben erhalten», sagt der Sekundarlehrer zur bz. «Sie existiert aber solange, wie sie Mitglieder hat, die sich engagieren.» Die GU hat laut Wiedemann «rund 80 Mitglieder und Sympathisanten». Die wollten den eingeschlagenen Weg weitergehen, sagt er. «Die Mitglieder suchen vielleicht nicht Mandate, aber sie führen ihre Arbeit fort und schätzen es, als Grüne-Unabhängige politisieren zu können.»

Neben der GU ist Wiedemann auch bei der «Starken Schule Baselland» tonangebend. Das Komitee war es, das zum Bruch zwischen Wiedemann und den Baselbieter Grünen führte. Das Komitee lancierte die Initiative über den Austritt Basellands aus dem Harmos-Konkordat – die Grünen waren dagegen. Später unterstützte die Starke Schule offiziell FDP-Regierungskandidatin Monica Gschwind. Dann geht es schnell: Bei den kantonalen Wahlen im Februar 2015 schafft Gschwind überraschend die Wahl und wird Bildungsdirektorin. Auch Wiedemann wird als Landrat bestätigt. Nur Wochen später kündigt die Starke Schule an, mit einer eigenen Liste «Grüne & Unabhängige» bei den Nationalratswahlen im Herbst anzutreten.

Spätestens damit ist Wiedemann in den Augen vieler Grüner endgültig zum Enfant terrible mutiert. Eine Woche nach der Gründung der GU fliegt er aus der Partei. Grünen-Landrätin Regina Werthmüller wiederum erklärt von selbst ihren Parteiaustritt. Gemeinsam mit Wiedemann wechselt sie zur Fraktion der Grünliberalen.

Werthmüller ist seither parteilos. Als GU-Kandidatin kommt sie aber ebenfalls nicht infrage: Im September kündigte sie an, sich dem neuen Mitte-Bündnis zwischen CVP, GLP und BDP im Oberbaselbiet anzuschliessen.

Drei Jahrzehnte Politik

Für Wiedemann endet im Sommer eine lange politische Karriere. Ab 1989 war er viele Jahre im Vorstand der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) aktiv. 2001 stiess er zu den Grünen, für die er 2003 den Einzug in den Landrat schaffte. Von 2012 bis 2016 sass er im Birsfelder Gemeinderat. «Es war eine lange, intensive Zeit», sagt Wiedemann. Jetzt habe er bald wieder mehr Freizeit. «Ich freue mich total.»

Die GU tritt nicht für den Landrat an – in den Regierungswahlkampf könnte die Partei aber eingreifen. Wiedemann sagt, für ihn sei klar, wen er unterstützten würde: Monica Gschwind.