Kabelnetz
Jetzt will auch Bottmingen sein Kabelnetz öffnen – Monopol der Inter-GGA bröckelt

Von einer Öffnung des Kabelnetzes verspricht sich der Bottminger Gemeinderat bessere Angebote für die Kundschaft. Zuvor müssen jedoch teure Glasfaser-Kabel verlegt werden – der Ausbau dürfte mehrere Millionen Franken kosten.

Benjamin Wieland
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Der Inter-GGA droht ein weiterer Kundenverlust.

Der Inter-GGA droht ein weiterer Kundenverlust.

Kenneth Nars

Da waren es nur noch 13. Per Anfang Jahr warf Reinach die Inter-GGA raus. Seit 2021 darf das Unternehmen seine Dienste nicht mehr im kommunalen Kabelnetz anbieten. Den Schritt hatte Binningen schon 2014 beschlossen. Jetzt könnte die Kabelnetzbetreiberin noch mehr an Boden verlieren.

In ihrem Versorgungsgebiet denken zwei weitere Gemeinden laut darüber nach, ihre Netze für Konkurrenten zu öffnen – zum Nachteil der Inter-GGA als heutige De-facto-Monopolistin, die noch vor einigen Jahren 16 Gemeinden zu ihrem Kundenkreis zählte.

In Therwil beschloss die Gemeindeversammlung Ende 2020, dass die Gemeinde ihr Kabelnetz zwar behält, es aber zu einem Glasfasernetz ausgebaut werden soll. Ziel: Ein «funktionierender Wettbewerb unter den Dienstanbietern» soll «Wahlfreiheit bei den Endkunden» und «attraktive Angebote» garantieren.

Auch Bottmingen liebäugelt mit einer Netzöffnung. Die Gemeinde lädt die Bevölkerung für den 28. Oktober zu einer Dialogveranstaltung ein, die klären soll, wie das Kabelnetz künftig aussehen soll. Das Kabelnetz, schreibt Bottmingens Gemeindepräsidentin Mélanie Krapp in der Einladung, stosse immer mehr an seine technischen Grenzen.

«Um zeitgemäss und attraktiv zu bleiben, sind substanzielle Investitionen notwendig.»

Auch sei der «Wunsch nach freier Wahl der Serviceanbieter gestiegen».

Gemeinden wollten keine Satelliten-Schüsseln

Die kommunalen Kabelnetze sind ein Relikt aus der Zeit des analogen Fernsehens. Ab den 1970er-Jahren liess eine Gemeinde nach der anderen Schächte ausheben und Leitungen verlegen. Das Ziel: Schutz des Ortsbildes. Es sollte verhindert werden, dass sich immer mehr Privatpersonen Parabolantennen, sogenannte Satellitenschüsseln, an die Hausfassaden schrauben. Mit Gross-Gemeinschafts-Antennenanlagen (von daher das Kürzel GGA, das man landauf, landab antrifft) wurden die Fernseh- und Radiosignale zentral eingefangen und dann via Kabelnetz an die einzelnen Haushalte verteilt.

Mittlerweile stehen die Kabelnetze etwas quer in der Kommunikationslandschaft. Neben TV und Radio sind auch Telefonie und Internet hinzugekommen. Die Kupferkabel stossen jedoch an ihre Leistungsgrenzen. Investitionen drängen sich auf. Immer mehr Gemeinden stellen infrage, ob es zur Aufgabe der öffentlichen Hand gehört, diese Infrastruktur zur Verfügung zu stellen – auch vor dem Hintergrund, dass die Swisscom eigene Glasfasernetze baut.

Wer sein Netz behält, muss tief in die Tasche greifen

Reinach hat nach jahrelangen Querelen einen Schlussstrich gezogen. Die Gemeinde kündigte nicht nur den Vertrag mit der Inter-GGA, sondern verkaufte auch das Kabelnetz an deren Konkurrentin, die Impro­ware AG. Das spülte 14,6 Millionen Franken in die Gemeindekassen.

Wie teuer ein Netzausbau werden kann, zeigt das Beispiel Riehen. Zweimal wollte die Gemeinde ihr K-Netz loswerden, zweimal legte das Stimmvolk sein Veto ein. Nun beabsichtigt der Gemeinderat, über vier Millionen Franken in die Infrastruktur zu stecken. Ohne Investitionen, heisst es in der entsprechenden Kreditvorlage, würde das K-Netz weiter an Kundschaft verlieren. Denn die Swisscom habe dank ihres schnellen Glasfasernetzes die Nase vorn.

Kündigung nur alle fünf Jahre erlaubt

Speziell ist die Situation für Bottmingen und Therwil insofern, als dass sie weiterhin Aktionäre der Inter-GGA AG sind. Es handelt sich um ein Gemeinschaftsunternehmen, bei dem nach dem Ausscheiden Reinachs noch sechs Gemeinden dabei sind. Sie sind zur Abnahme der Signale der Inter-GGA respektive ihres Providers, Quickline, verpflichtet.

Das weitere Vorgehen werde nach der Dialogveranstaltung definiert, sagt Mélanie Krapp zur bz. Die Zeit eilt nicht. Bei der Inter-GGA auszusteigen, wie es Reinach vollzogen hat, ist nur alle fünf Jahre möglich. Die nächste Gelegenheit wäre 2025.

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