Eptingen
«Kaltblütiger Mord» oder «bedauerlicher Zufall»?

Marie-Therese Riedel aus Eptingen ist empört: Am vergangenen Donnerstag wurde sie Zeugin eines nach ihrer Aussage «kaltblütigen Mordes an einem Rehkitz».

Sanna You
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Reh am Waldrand: Die Jagd ist eröffnet. (Archivbil; Foto: Walter Schwager)

Reh am Waldrand: Die Jagd ist eröffnet. (Archivbil; Foto: Walter Schwager)

Laut Marie-Therese Riedel hat ein Jäger ein Rehkitz erschossen – trotz ihrer Proteste. «Das kann ich mir nicht vorstellen, dass so etwas passiert ist», wehrt sich Daniel Zopfi von der Kantonalen Jagdverwaltung Baselland. Denn momentan sei es gesetzlich nicht erlaubt Rehkitze zu schiessen – nur Rehböcke. Der Eptinger Jagdaufseher Beat Buser kann den Vorfall auch entschärfen: «Ich kenne den Jäger, dem das angelastet wird. Aber das war kein Rehkitz sondern ein abgemagerter, älterer Rehbock.» Was war geschehen?

Marie-Therese Riedel machte sich vergangenen Donnerstag wie jeden Morgen mit ihrem Auto auf den Weg zum Erholungsgebiet Laufmatt, um ihren Hund spazieren zu führen. Unweit von sich erblickte sie eine Rehfamilie und war entzückt. «Die habe ich schon seit drei Tagen beobachtet», erzählt Riedel. Deshalb sei sie umso erfreuter gewesen, als die Rehe so nah bei ihr stehen blieben. Dabei handelte es sich um die Mutter mit ihren zwei Kitzen.

Der Jäger liess sich nicht von seinem Tun abbringen

Marie-Theres Riedel fuhr langsam weiter zum Parkplatz, um ihr Auto abzustellen. «Da ist mir ein Jäger aufgefallen, der schon auf die Rehe gelauert hat», sagt sie weiter und kommt in Stocken. Sie habe absichtlich mit dem Jäger angefangen, laut zu diskutieren, um die Rehe wegzuscheuchen. «Ich sagte ihm mehrmals, dass es nicht sein Ernst sein kann, diese Tiere abzuknallen.» Aber genau das hatte der Jäger vor und liess sich auch nicht von Marie-Therese Riedel davon abbringen.

Nach einer kurzen Diskussion stieg sie aus ihrem Auto aus, um ihren Spaziergang in Angriff zu nehmen. «Ich war keine 30 Meter weit gekommen, als der Jäger das kleine Böckchen einfach abschoss», fügt sie aufgebracht an. Nicht weniger schlimm war, dass er das tote Reh über die Wiese schleifte und in seinen Kofferraum warf. Das habe sie so aus der Fassung gebracht, dass sie grosse Mühe gehabt habe, nach dem Spaziergang arbeiten zu gehen.

Jagdaufseher äussert Bedauern

Der Jagdaufseher Beat Buser bedauert diesen Vorfall: «Das geht natürlich gar nicht, dass der Rehbock vor den Augen der Spaziergängerin abgeschossen wurde.» Das wäre selbstverständlich, dass die Jäger normalerweise Rücksicht nehmen auf Passanten.

Riedel ist auch nicht grundsätzlich gegen das Jagen, sie wünschte sich einfach eine längere Schonzeit der Rehe. «Kaum ist der harte Winter vorbei, dürfen die Jäger auf Rehjagd.» Buser sieht das alles nicht so dramatisch. Eptingen hätte vom Kanton aus letztes Jahr rund 50 Rehe abschiessen sollen, schliesslich waren es aber nur 16. «Dieses Jahr haben wir sogar erst zwei erlegt, im Gegensatz zu den acht Rehen, die von einem Fahrzeug getötet worden sind.»

Laut Daniel Zopfi komme es sehr selten vor, dass sich jemand über die Jagd beschwere – im Allgemeinen sei sie akzeptiert. Aber auch er spricht von einem «bedauerlichen Zufall».

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