Obstbau
Kälte bereitet dem Obstbauer Bernhard Straumann schlaflose Nächte

Der Bretzwiler Landwirt Bernhard Straumann ist am Bibbern. Der nächtliche Frost behagt seinen Kirsch- und Zwetschgenbäume gar nicht.

Simon Tschopp
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Die Frostkerzen in der Kirschbaum-Plantage beim Hof Oberfeld in Bretzwil brennen zwar, aber zur falschen Zeit.

Die Frostkerzen in der Kirschbaum-Plantage beim Hof Oberfeld in Bretzwil brennen zwar, aber zur falschen Zeit.

Franz Schweizer

Die momentane Witterung raubt Bernhard Straumann den Schlaf. Der Obstbauer aus Bretzwil klagt: «Das war ein psychisch sehr belastender Frühling. Am Wochenende erreichte uns bereits die dritte Kaltfront. Die vergangenen zwei Nächte habe ich nicht mehr geschlafen.»

Mit der dritten Kaltfront meint er den Schnee vom 4. April, die kalten Nächte Mitte April sowie der Schneefall am vergangenen Samstag und der Frost dieser Nächte. «Noch eine solche Nacht schaffen wir nicht mehr», sagt Straumann ohne Umschweife und meint zähneknirschend: «Wir haben es so langsam gesehen.»

Alles versucht

Dem 41-jährigen Familienvater hilft jetzt nur noch hoffen und beten. Wenn die Temperaturen in der Nacht auf heute nochmals so tief gefallen sind wie in derjenigen zuvor, sind Schäden unvermeidbar. Der Bretzwiler hat alles Erdenkliche unternommen, um seine Obstkulturen zu schützen.

Rund 200 Frostkerzen pro Hektare für die Kirschbäume entzündete er in der Nacht auf Sonntag – zu früh, wie sich herausstellte. «Das war die falsche Nacht», denn auf Montag sei es kälter gewesen. «Es ist immer ein Abwägen.» Ein weiterer Einsatz von Frostkerzen kommt finanziell nicht infrage. Mit ihnen kann die Umgebungstemperatur um etwa zwei Grad angehoben werden. Zwetschgenbäume reagieren weniger heikel auf Kälte.

Bernhard Straumann Obstbauer aus Bretzwil «Das war ein psychisch sehr belastender Frühling. Am Wochenende erreichte uns bereits die dritte Kaltfront.»

Bernhard Straumann Obstbauer aus Bretzwil «Das war ein psychisch sehr belastender Frühling. Am Wochenende erreichte uns bereits die dritte Kaltfront.»

zvg

Bernhard Straumann platzierte auch Strohballen um die Anlagen, um eine künstliche Wolkendecke zu erzeugen und so die Wärmeabstrahlung zu reduzieren. Ein Versuch, der nicht funktioniert habe, wie er resigniert feststellen muss. Ein Plastikdach als Schutz wäre ideal gewesen. Doch die Bauernfamilie traute nicht, weil es der Schneelast vermutlich nicht standgehalten hätte. «Wir probieren alles, weil der Obstbau unser Haupteinkommen sichert.»

Derzeit bibbert Straumann mit seiner Frau genauso wie vor zwei Jahren. Schlüssige Antworten über allfällige Ernteausfälle kann der Obstbauer erst in ein paar Tagen geben. Gestern sahen nur die Kirschen mehrheitlich noch grün aus.

Wie viele seiner Berufskollegen erlebte Straumann in vergangener Zeit ein Wechselbad der Gefühle: 2017 nach den April-Frostnächten ein Totalausfall mit bloss zehn Kilo Kirschen und ein paar Zwetschgen; im Jahr danach mit einem traumhaften Frühling und üppigen Erträgen das pure Gegenteil. Familie Straumann bewirtschaftet den Hof Oberfeld ob Bretzwil. Rund um ihren Betrieb stehen auf dreieinhalb Hektaren 3000 Niederstämmer, je zur Hälfte Kirsch- und Zwetschgenbäume.

Es bleibt wechselhaft

Eisheilige halten sich nicht immer an ihr Datum

Ein paar Schneeflocken im Oberbaselbiet anfangs Mai sei noch keine Überraschung, sagt Gaudenz Flury von SRF Meteo auf Anfrage der bz. Sehr speziell sei allerdings, dass der Schnee für einige Stunden liegen geblieben ist. An der Messstation in Basel/Binningen wurde im Mai noch nie Schnee gemessen, und in Delémont schneite es zu diesem Zeitpunkt zuletzt vor 40 Jahren, am 2. Mai 1979, dies war jedoch das einzige Mal.

Der Frost im Oberbaselbiet (Messstation Rünenberg) sei für diesen Monat auch eher ungewöhnlich. Dass es im Mai etwas kälter werden könne, sei bekannt, die Eisheiligen hielten sich bei weitem nicht immer an dieses Datum, so Meteorologe Flury. Die Eisheiligen sind vom 11. bis 15. Mai. Die kalte Luft dieser Tage hat ihren Ursprung in den Polarregionen und ist via Spitzbergen und Skandinavien direkt nach Mitteleuropa gelangt. In den kommenden Tagen erreicht uns wieder etwas mildere Luft, bevor es dann möglicherweise am nächsten Wochenende nochmals kalt wird. (ook)

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