Hochwald
Kandidat fürs Gemeindepräsidium: «Politisch verfolgt können nur Christen und Kriminelle sein, sonst eigentlich niemand»

Neo-SVP-Gemeinderat fordert bisherigen Hochwaldner Gemeinderatspräsidenten heraus – seine Ansichten sorgen dabei für Aufsehen.

Tomasz Sikora
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Hochwald: Der Gemeinde im Schwarzbubenland steht ein aussergewöhnlich heisser Polit-Spätsommer bevor.

Hochwald: Der Gemeinde im Schwarzbubenland steht ein aussergewöhnlich heisser Polit-Spätsommer bevor.

BLZ

So etwas gibt's in Hochwald selten: Ende September findet hier eine Kampfwahl ums Gemeindepräsidium statt – die erste seit Jahrzehnten. Der bisherige Amtsinhaber Georg Schwabegger von der SP tritt gegen Sebastian Rastberger von der SVP an, der im Vorfeld als Mitglied der mobilfunkkritischen IG Hobel von sich reden machte.

Die Wahlen Ende September sorgen aber nicht nur wegen ihres hohen Seltenheitswerts für Aufregung: Rastberger, der vor zwei Jahren nach Hochwald zog, erst kürzlich in den Gemeinderat gewählt worden ist und sein Amt im Dezember antritt, fällt mit aussergewöhnlich pointierten Ansichten auf, die er auch auf seiner persönlichen Website zum Besten gibt. Gemeindepräsident Schwabegger bestätigt auf Anfrage der bz, dass er die Inhalte der Seite kennt.

Zwar freue er sich auf die Kampfwahl und gehe davon aus, dass seine Wiederwahl gelingen werde, aber: «Die Ansichten, die Herr Rastberger auf seiner Internetseite verbreitet hat, finde ich sehr speziell. Als ich das zum ersten Mal gesehen habe, war ich wirklich schockiert. Ich glaube, dass es für Hochwald nicht gut wäre, wenn er Gemeindepräsident würde.»

Die bz hat sich die Website genauer angeschaut. Neben ausgesprochen provokativen Aussagen zu den Themen Umwelt, Gesundheit und Bildung lassen insbesondere Rastbergers Aussagen zum Thema Migration aufhorchen. Diese sind seit Donnerstag denn auch plötzlich von der Seite verschwunden.

Nur Christen sollen Flüchtlinge sein können

Die bz konnte unter anderem folgende Passagen zuvor sichern:

«Jährlich werden über 120 Millionen Christen und Nichtgläubige durch den Islam verfolgt und getötet.»
«Jährlich werden rund 80 Millionen Christen und Nichtgläubige durch den Buddhismus getötet.»
«Man sollte ruhig einmal ein islamisches Freitagsgebet in der Moschee anhören, wo alle – auch in der Schweiz – aufgerufen werden, die Nicht-Muslime zu köpfen und zu töten. Dies sorgt für einen Aufschrei. Aber es ist die Wahrheit.»
«Politisch verfolgt können nur Christen und Kriminelle sein, sonst eigentlich niemand.»
«Alle anderen sind für mich keine Flüchtlinge! Dieser Satz ist sehr hart und bewegt (Diese Aussage wird nicht jedermann teilen). Es sind: Wirtschaftsflüchtlinge, Deserteure, politisch motivierte Flüchtlinge, Nichtchristen, Sonstige.»

Erst zu Interview bereit, dann doch nicht

Gerne hätte die bz mit Sebastian Rastberger über die Wahl, seine Ansichten und die Tatsache, dass er die pointiertesten Aussagen auf seiner Website nach unserer Anfrage gelöscht hat, gesprochen. Rastberger willigte erst zu einem Gespräch ein, machte gestern dann aber einen Rückzieher. Seine Begründung:

«Ich bin zurzeit irgendwie nicht für ein persönliches Interview gewillt. Zudem kennen mich die Personen in Hochwald.»

Angesichts der Brisanz von Rastbergers Aussagen hätte die bz auch gerne gewusst, ob diese von der SVP Schwarzbubenland und von der SVP Solothurn geteilt werden. Diese und weitere Fragen blieben allerdings trotz mehrfacher Nachfrage bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

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