Unsauber
Kanton Baselland spart die Putzfrauen weg: Wer reinigt ab Sommer Liestals Sekschulhäuser?

Die Stadt Liestal entlässt auf Ende Juli neun Putzfrauen, die bisher kantonale Schulhäuser gereinigt haben. Dies, weil der Kanton diese Dienstleistung nicht mehr aufgrund der bisherigen Leistungsvereinbarung entschädigen will.

Andreas Hirsbrunner
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Entlassene Putzfrauen im Burgschulhaus Liestal

Entlassene Putzfrauen im Burgschulhaus Liestal

Kenneth Nars

Der 10. Januar war kein Glückstag für die neun Putzfrauen, die die beiden Liestaler Sekundarschulhäuser Burg und Frenke seit Jahr und Tag reinigen. Sie wurden an diesem Tag von der Stadt Liestal als Arbeitgeberin sowie vom Kanton informiert, dass sie auf Ende Juli ihre Stelle verlieren; sieben vollständig, zwei können mit einem Kleinstpensum in Stadt-Diensten weiter arbeiten. Unter dem Strich werden die jetzigen 285 auf 24 Stellenprozente abgebaut; der Abwart kann zum Kanton wechseln.

Dass die Stadt diese Putzfrauen entlässt, ist für Stadtverwalter Benedikt Minzer unvermeidlich, weil der Kanton die Spielregeln zulasten der Gemeinden ändere. Die bisherigen galten seit dem Jahr 2011. Damals übernahm der Kanton die Sek-Schulhäuser von den Gemeinden, Abwarte und Putzpersonal blieben aber in deren Diensten, weil sie der Kanton nicht wollte. Ihre Leistungen kaufte er fortan aufgrund eines Vertrags mit den Gemeinden ein.

Kein Sommerputz mehr

Und jetzt also der Bruch. Minzer erzählt: «Der Kanton kam auf uns zu, um die Reinigung unter dem Sparfokus neu zu regeln. Hätten wir die Schulhäuser in Zukunft gleich sauber halten wollen wie bis jetzt, hätten wir drauflegen oder das Putzpersonal schlechter entschädigen müssen als das übrige der Stadt.»

Beides habe man nicht gewollt, weil es sich um Schulhäuser und eine Aufgabe des Kantons handeln würde. «Deshalb hat die Stadt die Leistungsvereinbarung mit dem Kanton gekündigt und dem betroffenen Personal die Kündigung für den Sommer in Aussicht gestellt.» Man werde die teils langjährigen Mitarbeiterinnen bei der Stellensuche unterstützen und sie, falls es bei der Stadt eine Vakanz gebe, sofort übernehmen, versichert Minzer.

Daraus ist zu schliessen, dass der Kanton das Putzpersonal nicht übernimmt. Wie er aber seine Sek-Schulhäuser ab August reinigen lässt, ist völlig offen. Genauso, ob nebst Liestal noch andere Gemeinden die Leistungsvereinbarungen gekündigt haben. Dazu schweigt sich die federführende Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) aus mit Verweis auf die von der Grünen Florence Brenzikofer eingereichten Fragen im Landrat.

Dies, obwohl sich ihre Fragen von jenen der bz unterscheiden. Brenzikofer hat zusammen mit Anita Biedert (SVP) und Jürg Wiedemann (Grüne-Unabhängige) auch ein dringliches Postulat eingereicht, dass die Regierung das Reinigungspersonal übernehmen soll, bis das laufende Putz-Pilotprojekt abgeschlossen und evaluiert sei. Dieses ist soeben in den Gebäuden der BUD und der Bildungsdirektion sowie im Gymnasium Liestal gestartet. Es soll laut BUD drei Monate laufen und danach ausgewertet werden.

Keine Freude an dieser Entwicklung hat Lukas Jauslin, Co-Schulleiter im Sek-Schulhaus Burg in Liestal: «Das Reinigungspersonal gehört zum Team. Reinigen ist Vertrauenssache, weil viele Sachen in den Zimmern liegen.» Auch erhalte er vom Personal immer wieder aufschlussreiche Hinweise auf besondere Vorkommnisse, so etwa, wenn auf den Toiletten geraucht werde. Bis jetzt sei das Schulhaus auch stets sauber gewesen. Jauslin bemängelt, dass er nicht vom Kanton, sondern vom Hauswart über die Änderungen informiert worden sei.

Gemäss dessen Angaben sollen die Schulzimmer nicht mehr regelmässig, sondern nur noch auf Sicht gereinigt werden. Das heisst, die Putzequipe entscheidet bei jedem Raum ad hoc, ob zu putzen ist oder nicht. Ebenso fällt die bisherige jährliche Grundreinigung des ganzen Schulhauses in den Sommerferien weg und das Putzpersonal wird nur noch für 40 Wochen pro Jahr angestellt. Jauslin ergänzt: «Schräg finde ich auch, dass jetzt bei den am schlechtesten Bezahlten gespart werden soll.»