Vordere Frenke
Kanton baut die Baselbieter Abwasserlandschaft um

Spültaste drücken, ein kurzes Rauschen und dann: Aus den Augen, aus dem Sinn. Einzig auf der jährlichen Wasserrechnung sorgen die Abwassergebühren für ein kurzes Stirnrunzeln. Beim Amt für Umwelt hingegen sorgt das Abwasser für dauernde Sorgenfalten.

Daniel Haller
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Die Bubendörfer ARA Frenke 3 wird durch eine grössere und effizientere ersetzt.

Die Bubendörfer ARA Frenke 3 wird durch eine grössere und effizientere ersetzt.

Nicole Nars-Zimmer

Zwar hat man im Baselbiet mittlerweile flächendeckend Abwasserreinigungsanlangen (ARA) installiert. Doch sind die Baselbieter Gewässer und damit die Abwasser-Verdünnung zu klein. Deshalb entspricht die Wasserqualität in den Bächen nicht den Vorschriften.

Aus diesem Grund hat der Kanton bereits die ARA Birs 1 in Reinach aufgehoben und mit Birs 2 zur ARA Birs in Birsfelden zusammengelegt. Zudem wird dort das Wasser direkt in den Rhein geleitet, der als grosser Vorfluter für die Verdünnung sorgt. Das Gleiche erfolgt mit der ARA Frenke 1 in Reigoldswil: Deren Wasser wird in der ARA Frenke 3 in Bubendorf gereinigt. Die Qualität der Hinteren Frenke ist seither besser geworden.

Projekt für die Vordere Frenke

Nun ist die Vordere Frenke an der Reihe: Die ARA Frenke 2 in Niederdorf wird geschlossen und künftig wird das Wasser ebenfalls in Bubendorf gereinigt. Dort ist Frenke 3 jedoch zu klein, weshalb die heutige ARA durch eine neue, grössere ersetzt wird.

Ausser der schlechten Verdünnung sprechen nach Auskunft von Gerhard Koch, Leiter Technik im Amt für Industrielle Betriebe, weitere Gründe für diesen Schritt: Beide ARAs haben sind nach vierzig Jahren Betrieb sanierungsbedürftig. Die Wasserqualität entspricht schon heute nicht den Vorschriften. Zusätzlich erlässt der Bund demnächst eine verschärfte Verordnung. Diese fordert, dass eine zusätzliche Klärstufe dem Wasser auch Mikro-Verunreinigungen entzieht. Dies sind Stoffe in kleinsten Mengen beispielsweise aus Medikamenten oder Kosmetika. Es geht um 30 000 Chemikalien in Produkten des täglichen Verbrauchs. «Diese Stoffe reagieren in der Natur, was durchschnittlich zu sieben verschiedenen weiteren Stoffen führt», erklärt Koch.

Zusätzliche Reinigungsstufe

Die Mikro-Verunreinigungen beeinträchtigen nicht nur die Wasser-lebewesen - unter anderem wird die Verweiblichung männlicher Fische diskutiert -, sondern bedrohen auch das Trinkwasser: Die Pumpwerke Oberfeld und Holdenweid (Hölstein), Schneckenmatt und Unterbergen (Bubendorf) und Gitterli (Liestal) enthalten einen erheblichen Anteil an versickertem Wasser aus der Frenke.

«Aufgrund des geringen Verdünnungsverhältnisses des gereinigten Abwassers mit Bachwasser weisen diese Fassungen einen erhöhten Anteil an Stoffen aus dem Abwasser auf», schreibt die Regierung in der entsprechenden Vorlage an den Landrat. Ein Aktivkohlefilter soll deshalb in der künftigen ARA Frenke - als erste im Baselbiet - diese Stoffe weitgehend entfernen. Die Investition für die Entfernung der problematischen Spurenstoffe werde 196 Franken pro Einwohner betragen, rechnet die Regierung vor.

Umgestaltung des Bachbetts

Das ganze Projekt ist auf 52 Millionen Franken veranschlagt. Davon entfallen 29,3 Millionen auf die neue ARA Frenke und 6,7 Millionen auf die zusätzliche Klärstufe zur Entfernung der Mikroverunreinigungen. Für 10,6 Millionen muss das Kanalisationsnetz so ausgebaut werden, dass das Abwasser aus dem ganzen Tal bis nach Bubendorf fliesst. Darin sind auch Mischwasserbecken enthalten, die bei Regen das Wasser zurückhalten, damit die Brühe aus der Kanalisation nicht via Überlauf ungeklärt in die Frenke gelangt.

Im Gesamtprojekt ist auch eine teilweise Umgestaltung des Bachbetts enthalten: Da dieses ab Niederdorf künftig weniger Wasser führen wird, muss das Gerinne umgebaut und der Bach stärker beschattet werden. Die Finanzierung erfolgt nicht über das aus den Steuern gespiesene Kantons-Budget, sondern über die Abwasserrechnung, die über Gebühren finanziert wird.