Arlesheim
Kanton gibt Arlesheimer Domplatz noch nicht frei

Im Schatten des Domes lebt es sich angenehm. Der Arlesheimer Domplatz zählt zu den schönsten Plätzen im Kanton. Die Verwaltung des Kanton Basellands hat sich dort eingerichtet und will vorerst bleiben. Doch er prüft Alternativen.

Michael Nittnaus
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Die prächtigen Herrenhäuser am Domplatz in Arlesheim sind teilweise von Verwaltungsstellen wie der Bezirksschreiberei belegt. Das wird sich so schnell nicht ändern.Juri Junkov

Die prächtigen Herrenhäuser am Domplatz in Arlesheim sind teilweise von Verwaltungsstellen wie der Bezirksschreiberei belegt. Das wird sich so schnell nicht ändern.Juri Junkov

Die aus dem 17. Jahrhundert stammenden Domherrenhäuser gehören zu den Baselbieter Kulturdenkmälern von nationaler Bedeutung. Doch in den attraktiven Liegenschaften gibt es weder Luxuswohnungen noch Cafeterias. Stattdessen hat der Kanton Baselland als Besitzer darin seit Urzeiten Verwaltungsstellen eingerichtet: so etwa Bezirksgericht, Bezirksschreiberei, Staatsanwaltschaft, Polizei und Bezirksgefängnis.

«Das ist doch Verschwendung. An so einer Lage braucht es Wohnungen oder kleine Geschäfte. Das würde den Domplatz beleben», sagt Balz Stückelberger. Der Arlesheimer FDP-Landrat verfolgt dieses Ziel schon länger. Ein entsprechendes Postulat hat er Anfang Februar eingereicht. Doch mit den Abstimmungen vom 17.Juni steigen seine Chancen auf Verwirklichung. Dann nämlich, wenn das Stimmvolk Ja sagt zur Zentralisierung der Bezirksgerichte und dem Projekt «Focus», also dem Verzicht auf die staatlich geführten Amtsnotariate und die Reorganisation der Bezirksschreibereien.

Auslegeordnung im Sommer

Arlesheim würde zur kantonsweit einzigen Anlaufstelle für zivilrechtliche Dienstleistungen des Zivilstands-, Grundbuch-, Erbschafts- oder Handelsregisteramts, aber auch des Bürgerrechtswesens. Weil zudem bereits feststeht, dass Staatsanwaltschaft, Polizei und Gefängnis nach Muttenz umziehen, muss die räumliche Situation grundsätzlich überdacht werden. «Wir sind dabei, eine Auslegeordnung und Lösungsszenarien zu erstellen, doch sind diese frühestens Juli oder August abgeschlossen», sagt der stellvertretende Leiter des Hochbauamts, Daniel Longerich. Immerhin: Nächste Woche treffen sich Vertreter von Sicherheits- und Bau- und Umweltschutzdirektion, um die Situation zu besprechen.

Fest steht: Zumindest als Übergangslösung werden die alten und neuen Ämter am Domplatz bleiben, wie der Leiter Zivilrecht der Baselbieter Sicherheitsdirektion, Andreas Rebsamen, der bz bestätigt. Der Domplatz 9-13 sei betriebstauglich und brauche kaum Renovationen: «Wir planen bloss eine Pinselrenovation. Dies auch, um uns alle Optionen für die Zukunft offenzuhalten.» Rebsamen spricht dabei explizit Stückelbergers Vorstoss an. «Solange der Verbleib nur provisorisch ist, bin ich mit dieser Massnahme einverstanden», erwidert Stückelberger.

«Hundewiese» keine Option

Stückelberger und die Arlesheimer FDP sind überzeugt, dass der Kanton sogar sparen könnte, würde er die Domherrenhäuser verkaufen und einen Neubau in direkter Nähe der Verkehrsdrehscheibe Dornach/Arlesheim umsetzen. So schwebt den Liberalen ein Landabtausch mit der Gemeinde vor – etwa mit der «Hundewiese» an der Birseckstrasse. So wären die Verwaltungsstellen verkehrstechnisch besser erreichbar.

«Ich habe durchaus Verständnis für diese Ideen, halte sie aber nicht für ausgereift», reagiert Rebsamen zurückhaltend. Nicht nur sei schon der Domplatz gut erreichbar, auch würden mit dem Betreibungs- und Konkursamt, der Staatsanwaltschaft sowie dem Notariat die publikumsintensivsten Stellen aus Arlesheim wegziehen. «Ich rechne insgesamt mit weniger Verkehrsbelastung als bisher. Auch wird nicht mehr Personal gebraucht.» Die «Hundewiese» hält Rebsamen zudem für zu klein für 90 Arbeitsplätze – ausser man wolle einen Turm bauen. «Das ist nur eine von vielen Möglichkeiten in der Nähe des Bahnhofes», sagt Stückelberger.

Doch Rebsamen betont: «Bei der Diskussion um einen Neubau muss man im Hinblick auf das Entlastungspaket auch Wünschbares von Machbarem trennen.» Er ist skeptisch, ob der Verkauf der Liegenschaften am Domplatz tatsächlich so viel Geld abwirft. Stückelberger schätzt allein den Landwert auf 7,5 Millionen Franken. Überhaupt glaubt Rebsamen, der selbst seit 21 Jahren in Arlesheim wohnt, nicht, dass Wohnungen direkt neben dem Dom anzustreben seien: «Mit privaten Besitzern gäbe es sicher mehr Ärger, weil auf dem Domplatz ständig Hochzeiten, Beerdigungen, Fahnenfeiern und vieles mehr stattfinden. Ich sage: Gott sei Dank ist die Verwaltung dort.»