Sparpaket
Kanton kürzt Budget für Unterhalt der Baselbieter Wanderwege

Der Verein Wanderwege beider Basel kümmert sich um die Wanderwege. Den dafür vorgesehenen Unterhaltsbeitrag für Wegweiser wird nun aber vom Kanton um 80 Prozent gekürzt. Sehr zum Leidwesen des Vereins.

Michael Nittnaus
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Beim 75-Jahr-Jubiläum der Schweizer Wanderwege 2009 war Werner Madörin noch zum Feiern zumute. Jetzt sitzt der Frust tief. BZ-Archiv/niz

Beim 75-Jahr-Jubiläum der Schweizer Wanderwege 2009 war Werner Madörin noch zum Feiern zumute. Jetzt sitzt der Frust tief. BZ-Archiv/niz

Auf über 1100 Kilometern schlängeln sich Wanderwege durchs Baselbiet. Um sich zu orientieren, hilft ein dichtes Netz an Wegweisern. Für deren Unterhalt ist der Verein Wanderwege beider Basel zuständig, so will es eine Leistungsvereinbarung mit dem Kanton.

Bisher stellte Baselland dem Verein für seine Arbeit jährlich 85000 Franken zur Verfügung, ehe das Parlament Ende März dieses Jahres den Beitrag auf 115000 Franken erhöhte. Der Grund: Mit dem Mehrbetrag sollte über die nächsten 16 Jahre die Signalisation komplett überarbeitet und das Wandernetz ins Geo-Informationssystem (GIS) übertragen werden.

Verein droht mit Kündigung

Geht es nach der Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD), fällt ab nächstem Jahr ein Grossteil dieses Geldes der Sparschere zum Opfer. Das Entlastungspaket sieht eine Reduktion auf nur noch 25000 Franken vor – minus 80 Prozent. «Damit können wir den Unterhalt der Wegweiser nicht mehr gewährleisten, geschweige denn das Netz überarbeiten», sagt Vereinspräsident Werner Madörin gegenüber der bz und zeigt damit die Konsequenzen des Entscheids auf. Denn immer wieder würden Wegweiser verschandelt, verbogen oder überklebt.

15 Bezirksleiter laufen die Wege regelmässig ab – für einen Stundenlohn von 15 Franken. «Sie machen das mit viel Herzblut halb ehrenamtlich in ihrer Freizeit, und das ist nun der Dank», enerviert sich Madörin. Für ihn ist klar: «Wird die Kürzung an der Budgetdebatte im Dezember vom Parlament bestätigt, künden wir die Leistungsvereinbarung mit dem Kanton auf.»

Vereinbarung gilt weiterhin

In einem Schreiben an den Regierungsrat wehrt sich Madörin gegen den «Kahlschlag». Doch dieser winkt ab: «Die 25000 Franken genügen, um den Unterhalt der Wegweiser zu garantieren und die hohe Qualität des Wanderwegnetzes im Kanton zu halten», sagt BUD-Chefin Sabine Pegoraro zur bz. Lediglich der Ausbau und die Überarbeitung des Netzes sowie die Einspeisung ins GIS würden sistiert. Die Vereinbarung mit dem Verein gelte weiterhin. «Ist die Zusammenarbeit nicht mehr möglich, was ich bedauern würde, müssten wir eben eine andere Lösung finden», fügt Pegoraro an.

Kanton fürchtet Bundesbern nicht

«Günstiger als wir kann man diese Arbeit nicht erledigen», kontert Madörin. Schon die bisher 85000 Franken jährlich stellten mit einem Kilometerpreis von 75 Franken für den Verein das absolute Minimum dar. Im Schreiben betont Madörin, dass der Dachverband Schweizer Wanderwege als minimalen Richtwert 105 Franken pro Kilometer vorgibt. Baselland gehöre diesbezüglich zu den knausrigsten Kantonen überhaupt. Und noch ein Argument ist für Madörin entscheidend: Der Bund verpflichtet die Kantone zum Unterhalt der Wanderwege. «Vielleicht kommt plötzlich Druck aus Bern», hofft er.

«Mit den 25000 Franken erfüllen wir noch immer die Bundespflicht», ist sich dagegen Kantonsplaner Martin Kolb sicher. Anders wäre der Sachverhalt bloss, wenn man den Unterhaltsbeitrag komplett streichen würde. «Wir hoffen, dass bei Herrn Madörin wieder Vernunft einkehrt. Er ist nun mal ein feuriger Verfechter des Wanderns», versucht Kolb die Wogen zu glätten. Madörin erwidert trocken: «Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.»