Salzknappheit
Kanton muss Winterdienst reduzieren

Salz wird nur noch auf Strassen mit hohem Verkehrsaufkommen gestreut. Das Tiefbauamt fordert die Verkehrsteilnehmer auf, ihre Route den winterlichen Strassenverhältnissen entsprechend zu planen und wenn nötig mehr Reisezeit vorzusehen.

Alessandra Paone
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Sollte der Wetterfrosch recht behalten, kehrt der Winter just an Weihnachten zurück. Und dann könnte es mit dem Auftausalz knapp werden. Die Schweizer Rheinsalinen haben bereits erste Massnahmen getroffen und Anfang Monat eine Kontingentierung eingeführt. Damit sollen übermässige Bezüge und allfällige Abflüsse ins Ausland verhindert werden. Vorausgeschaut hat auch der Kanton Baselland und einen Priorisierungsplan aufgestellt, wie er gestern mitteilte.

«Aufgrund der Kontingentierung der Rheinsalinen sind wir gezwungen, sparsam mit dem Salz umzugehen», sagt Christian Scholer, der beim Baselbieter Tiefbauamt für die Kantonsstrassen verantwortlich ist. Je nach Wetterentwicklung sollen deshalb Strassen mit hohem Verkehrsaufkommen wie etwa die Rheinstrasse in Liestal, die H2 zwischen Sissach und Liestal oder die Querverbindung zwischen dem Birstal und dem Leimental priorisiert werden. Geplant ist ausserdem, auf den Nebenstrassen kein Salz zu streuen und den Winterdienst gegebenenfalls ganz einzustellen.

Das kantonale Tiefbauamt erhält wöchentlich 250 Tonnen Salz für den Winterdienst auf den Kantonsstrassen und den Nationalstrassen. Das sei nicht viel, wenn man bedenke, dass an einem strengen Winterwochenende über 200 Tonnen verbraucht würden, bemerkt Scholer. Für den Salzeinsatz und auch der Umwelt zuliebe gelte deshalb die Regel: «So viel wie nötig und so wenig wie möglich.» Das Tiefbauamt lädt zudem die Verkehrsteilnehmer ein, ihre Route den winterlichen Strassenverhältnissen entsprechend zu planen und wenn nötig mehr Reisezeit vorzusehen.

Keine Salzverschwendung

Von Salzverschwendung in den vergangenen Jahren kann laut Scholer nicht die Rede sein: «Wir handeln jedes Jahr gleich und füllen unsere Silos immer auf den Winter hin auf.» Scholer räumt aber dennoch ein, dass man in puncto Schwarzräumung in der Vergangenheit «vielleicht mehr gemacht» habe. Dies habe aber nichts mit Verschwendung, sondern mit dem Anspruch an Qualität zu tun.

Das sieht Daniel Valsecchi gleich. «Wir sind schon immer sehr sparsam mit unseren Salzressourcen umgegangen», sagt der Prattler Werkmeister. Wie der Kanton hat auch Pratteln einen Priorisierungsplan. Im Moment verfüge Pratteln noch über genügend Salz. Und falls es doch knapp werden sollte, könne die Gemeinde immer noch direkt von den Rheinsalinen Salz beziehen – auch abends, meint Valsecchi. Doch ganz so einfach geht das nicht. Notlieferungen seien nur in wirklichen Notfällen möglich, betont der Direktor der Rheinsalinen, Jürg Liebherr. «Dann machen wir, was wir können. Doch wir können unmöglich bei 3000 Gemeinden eine Ausnahme machen.»

Nachbestellen ist für Max Huber kein Thema. «Das geht ins Portemonnaie», sagt der Sissacher Werkhofleiter. Er hat sein Silo, das für 30 Tonnen Salz und 20 Tonnen Splitt Platz hat, vorsorglich schon im Juni gefüllt. Diese Menge habe auch im letzten Jahr trotz strengen Winters gereicht. Es seien sogar 2,5 Tonnen übrig geblieben, bemerkt Huber stolz. Damit nicht unnötig Salz gestreut wird, hat Huber jedes Winterdienstfahrzeug mit einer Liste versehen. Jeder Mitarbeiter muss genau dokumentieren, wann er wie viel Salz auflädt. «So habe ich die Situation im Griff», so Huber.

Deutlich mehr Autobahnkilometer

Pro Tag werden in den beiden Rheinsalinen Schweizerhalle und Riburg rund 2200 Tonnen Salz gefördert. Davon sind etwa 1200 Tonnen Tausalz. Weil die Werkhöfe aufgrund ihrer letztjährigen Erfahrung ihre Silos und Hallen schon im Sommer gefüllt haben, kamen die Rheinsalinen kaum dazu, ihre eigenen Lager zu füllen. Trotzdem bezweifelt Liebherr, dass die Schweiz einmal ohne Salz dastehen könnte. Dass heute mehr Salz gebraucht wird als früher, macht er von den angestiegenen Autobahnkilometern abhängig.