Verkehr
Kanton prüft Sicherheit im Eggfluetunnel

Nach der Frontalkollision mit Todesopfer will man beim Tiefbauamt und der Polizei über die Bücher gehen.

Dimitri Hofer
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Der Eggfluetunnel ist einer von nur zwei Tunneln mit Gegenverkehr im Baselbiet.

Der Eggfluetunnel ist einer von nur zwei Tunneln mit Gegenverkehr im Baselbiet.

Juri Junkov

Der tödliche Unfall im Eggfluetunnel heizt die Diskussionen um die Tunnelsicherheit an. Am Donnerstag kam im Tunnel bei Grellingen ein 59-jähriger Autofahrer ums Leben. Er war mit seinem Wagen auf die Gegenfahrbahn geraten und dort mit einem entgegenkommenden Lastwagen frontal zusammengestossen.

Dem getöteten Automobilisten wurde zum Verhängnis, dass im Eggfluetunnel Gegenverkehr herrscht. Eine solche Tunnelführung ist im Baselbiet nur noch beim Sissacher Chienbergtunnel der Fall. Massgebend dafür ist, wie viele Fahrzeuge im Durchschnitt täglich einen Tunnel passieren.

Als Obergrenze für Tunnel mit Gegenverkehr gelten momentan 20 000 Fahrzeuge. Beim Eggfluetunnel sind es durchschnittlich rund 17 000 Fahrzeuge – etwa gleich viele wie beim ebenfalls zweispurig mit Gegenverkehr geführten Gotthardtunnel. Durch den Chienbergtunnel verkehren pro Tag rund 15 000 Fahrzeuge.

Jetzt muss man sich an Staus gewöhnen

Heute beginnt die Sanierung des Schänzli-Tunnels. Bereits heute Abend ab 20 Uhr wird die Autobahn H 18 ab Muttenz Süd bis Verzweigung Hagnau total gesperrt.

Wie bei allen Sperrungen wird eine Umleitung signalisiert sein. Ebenfalls ab heute Nacht wird die Einfahrt Muttenz Nord wechselseitig instandgesetzt, weshalb die Fahrbahnen verengt sind.

An solche Einschränkungen – und an die dadurch verursachten Staus – werden sich die Autofahrer der Region gewöhnen müssen. Denn die Sanierung des Autobahnknotens zwischen H 18 und A 2 soll insgesamt sieben Jahre dauern.

Mit Störungen muss man aber «nur» in den kommenden rund dreieinhalb Jahren rechnen, verspricht das Bundesamt für Strassen (Astra), das die Sanierung durchführt. (mec)

Eggfluetunnel sei nicht zu schmal

Die tödliche Frontalkollision von vergangener Woche war nicht die erste im 2790 Meter langen Eggfluetunnel. Im Dezember 2011 starb ein älterer Mann, als er mit seinem Personenwagen in ein Auto auf der anderen Spur krachte.

«Wenn derart verheerende Unfälle passieren, müssen wir uns fragen, ob wir alles richtiggemacht haben», erklärt der Baselbieter Kantonsingenieur Drangu Sehu. «Sie lassen auch uns nicht kalt. Jeder solche Fall ist einer zu viel.» Gerade frontale Kollisionen seien gefährlich, da es häufiger zu Todesopfern komme als bei Auffahrunfällen.

Bei den periodisch stattfindenden Treffen zwischen dem Tiefbauamt und der Polizei wird der Unfall ein Thema sein. «Wir werden uns Gedanken dazu machen, ob und wie man die Sicherheit im Eggfluetunnel verbessern kann», sagt Sehu.

Auch die wiederkehrende Diskussion über beschlagene Scheiben soll zur Sprache kommen. «Die Problematik ist uns bekannt. Wir nehmen sie auf», so der Kantonsingenieur. Grundsätzlich könne er aber keine baulichen Mängel am Bauwerk feststellen. Es sei nicht so, dass der 1999 eröffnete Tunnel zu schmal gebaut wurde.

Über eine physische Abtrennung der beiden Fahrspuren verfügt der Eggfluetunnel nicht. «Möglicherweise erhöhen sogenannte Leitschienen, bei denen es sich um Plastik-Trennelemente handelt, die Sicherheit im Tunnel», mutmasst Drangu Sehu. Solche sind derzeit auf der Bruderholzstrasse zwischen Münchenstein und Bottmingen im Einsatz.

Leitschienen behindern, im Unterschied zu einer Stahlschutzwand, Einsatzkräfte nicht. «Im Ereignisfall kann sich eine Mittel-Abschrankung negativ auf den Einsatz von Rettungskräften sowie einer allfällig notwendigen Räumung des Tunnels auswirken», schreibt die Baselbieter Polizei auf Anfrage. Der Eggfluetunnel sei, wie auch der Chienbergtunnel am Rand und in der Mitte mit Rüttelmarkierungen ausgestattet.

Geht 2020 an Bund über

Eine grundlegende Neubeurteilung des Eggfluetunnels ist im Jahr 2020 zu erwarten. Dann wird aus der H18, auf welcher der Tunnel liegt, eine Nationalstrasse und gelangt in den Zuständigkeitsbereich des Bundes.

«Derzeit sind wir daran, erste Treffen mit den beteiligten Kantonen zu organisieren», sagt Thomas Rohrbach, Mediensprecher beim Bundesamt für Strassen (Astra). Eine Sanierung des Tunnels, der bei der Übergabe mehr als 20 Jahre auf dem Buckel haben wird, sei durchaus denkbar.

Den Eggfluetunnel, den er selber schon mehrfach befahren habe, erachte er nicht als gefährlich. «Es ist aber so, dass viele Fahrer in Tunnels ein Unbehagen spüren. Das ist der Verkehrssicherheit nicht gerade zuträglich», erklärt Rohrbach.

Autolenkern, die durch einen Tunnel fahren, rät er: «Konzentriert sein, den Sicherheitsabstand einhalten und die Signalisation beachten.» Bezogen auf einen Kilometer Strecke sei die Zahl von Unfällen in Tunnels sogar geringer als auf offener Strasse. In der Schweiz handle es sich bei den meisten Tunneln, im Gegensatz zum Baselbiet, um Gegenverkehrstunnel.

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