Öffentliche Schlachtung
Kanton soll einschreiten: Tierschutz will Sissacher Metzgete verbieten

Dürfen zwei Schweine öffentlich geschlachtet werden, oder sollte man dies weder Tieren noch den Menschen zumuten? Diese Debatte läuft zurzeit in Sissach heiss.

Michael Nittnaus
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Am 28. Oktober kann man der Schlachtung von Schweinen zusehen – nicht beim Schlachter wie hier in Hemmiken, sondern im Sissacher Zentrum.

Am 28. Oktober kann man der Schlachtung von Schweinen zusehen – nicht beim Schlachter wie hier in Hemmiken, sondern im Sissacher Zentrum.

Martin Töngi

Den Sissacher Metzgermeister Rolf Häring lässt nicht kalt, was für ein Bild in den letzten Tagen in der Öffentlichkeit entstanden ist: «Vielleicht hätte ich das Ganze nicht ‹öffentliches Schlachten› nennen sollen», sagt er zur bz.

Am 28. Oktober plant er, mitten im Dorfzentrum Sissachs zwei Schweine zu schlachten. «Damit soll die Hausmetzgete, wie sie früher Tradition war, wieder in Erinnerung gerufen werden», wirbt Häring auf einem Flyer. Von 8 Uhr morgens bis 14 Uhr nachmittags werden die Schweine von Fachleuten geschlachtet, zerteilt, ausgebeint und verwurstet. Das stundenlange Prozedere wird dabei laufend erklärt. Ab 16 Uhr folgt dann auf Anmeldung ein grosses Wurstmahl.

Ein Leserbrief des ehemaligen Pfarrers von Rothenfluh, Lukas Baumann, in der «Volksstimme» trat jedoch eine Welle der Empörung los. Der als «Chüngelipfarrer» bekannt gewordene Baumann bezeichnete den Anlass als «entwürdigende Veranstaltung», als grausame Belustigung der Bevölkerung. Der Schweizer Tierschutz (STS) zog in der «Basler Zeitung» nach und sprach von einem Gag und einer Show-Metzgete, die nichts mit der Realität des Schlachtens zu tun habe.

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So sieht die Metzgete in Hemmiken aus

Willi Weitnauer und Metzger Hans-Ruedi Schaub fixieren das Schwein im Schlachtlokal.
26 Bilder
Die Sau ist getötet und wird ausgeblutet…
…und wird in die Wanne gelegt.
Ein Blick an die «Werkzeugwand» des Metzgers.
Das Schwein liegt im Brühbad…
…und wird mit einer Kette gewendet.
Nun wird es an einer Vorrichtung aufgezogen.
Von der Sau zum Rollschinkli: Metzgete in Hemmiken
…und die Körperoberfläche wird glatt rasiert.
Nun kann das Ausbeinen beginnen.
Hans-Ruedi Schaub macht sich an die Arbeit.
Das Tier wird ausgeweidet.
Die Innereien werden später zum Wursten verwendet.
Der Rumpf wird in zwei Stücke zersägt.
Von diesen Einzelteilen wird das Schlachtgewicht der Sau ermittelt.
Bald wird der Schweinskopf im Chessi gekocht.
Der Metzger bearbeitet die Innereien.
Hier ist er an einem Rippenstück beschäftigt…
…und macht sich daran, die Knochen zu entfernen.
So entsteht ein Rollschinkli.
Fleischteile werden im Chessi gekocht.
Knochen für eine gute Suppe und Reste für Wurstfüllungen.
Willi Weitnauer füttert den Fleischwolf.
Auch ausgekochte Fleischteile kommen in die Wurstfüllungen.
Hier entstehen Bratwürste.
Metzger Hans-Ruedi Schaub blickt aus seinem Schlachtlokal auf die vollbrachte Arbeit.

Willi Weitnauer und Metzger Hans-Ruedi Schaub fixieren das Schwein im Schlachtlokal.

Martin Töngi

Hauptkritik betrifft Tötungsakt

Wie die bz weiss, ging der STS aber noch einen Schritt weiter: Am Dienstag schickte Geschäftsführer Hansuli Huber der Baselbieter Regierungspräsidentin Sabine Pegoraro einen Brief. Im Schreiben, das der bz vorliegt, bittet er Pegoraro, «das Gespräch mit den Organisatoren zu führen mit dem Ziel, auf das öffentliche Töten im Sissacher Ortszentrum zu verzichten». Ein solcher Vorgang polarisiere die Menschen und auch die Möglichkeit einer Fehlbetäubung der Schweine müsse ins Auge gefasst werden. Hubers Fazit: «Alles Dinge, die dem Ansehen von Sissach nicht förderlich wären.»

Metzger Häring beschäftigt diese Kritik sehr: «Es ist schade, dass der Schweizer Tierschutz direkt zur Regierungspräsidentin gegangen ist, denn mit mir hat er nicht geredet.» Lediglich die Sektion beider Basel habe sich am Montag bei ihm gemeldet, um mehr über die Sissacher Metzgete zu erfahren. Vorwürfe oder Änderungswünsche seien dabei aber keine geäussert worden. «Ich muss genauer wissen, was der Tierschutz von mir will. Gerne höre ich mir die Argumente an», sagt Häring.

Nur kontrollierter Einlass

Etwas hält er aber in aller Deutlichkeit fest: «Wir machen keine Show.» Weder würden die beiden Schweine vorab durchs Dorf getrieben, noch zelebriere man das Töten der Tiere mitten auf dem Sissacher Strichcode vor den Augen ahnungsloser Kinder. Stattdessen liege das Schaffner-Areal an der Hauptstrasse 43 zwar zentral, doch sei es umzäunt und das Geschehen nicht direkt einsehbar.

Vor dem schmalen Eingang würden «Türsteher» postiert, die erklären, was einen drinnen erwartet. Kinder dürften nur in Begleitung Erwachsener aufs Gelände. Maximal 40 Personen hätten Platz. Die beiden Schweine würden den Tierschutzbestimmungen entsprechend von einem Bauer direkt angeliefert. Auch Hygiene und Lebensmittelsicherheit würden beachtet.

«Am Wurstmahl wird nicht das frisch geschlachtete Fleisch serviert», so Häring. Dieses sei bereits im Vorfeld an eine Privatperson verkauft worden. «Über ein Dreivierteljahr lang haben wir alles vom Kantonstierarzt prüfen und bewilligen lassen», sagt der Metzger. Den Anlass abzublasen, ist für ihn keine Option.

Das wird auch Regierungspräsidentin Pegoraro nicht fordern. Wie ihr Sprecher Dieter Leutwyler ausrichtet, sei die wichtigste Bedingung für den Kanton, dass die Sissacher nicht unbedarft an die Schlachtung heranlaufen können. Das scheint Häring zu erfüllen. Zudem sei ein Amtstierarzt vor Ort. Ob weitere Anpassungen nötig seien, kläre man zurzeit noch ab, sagt Leutwyler.