Harmos
Kanton und Gemeinden müssen Lehrern mehr Sicherheit bieten

Kanton, Gemeinden und Lehrer einigen sich, wie sich Jobwechsel von der Sekundar- zur Primarstufe auswirken und was bei den unvermeidlichen Kündigungen geschieht.

Michael Nittnaus
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Die Umstellung wird nicht spurlos an den Lehrern vorbeigehen. (Bild: Schule in Liestal)

Die Umstellung wird nicht spurlos an den Lehrern vorbeigehen. (Bild: Schule in Liestal)

Nicole Nars-Zimmer

Urs Wüthrich wählt gerne wuchtige Worte. Nicht zum ersten Mal bezeichnet er einen Fortschritt bei der Bildungsharmonisierung als «historisch». Nach dem «historischen Meilenstein» der harmonisierten Stundentafeln beider Basel vom Juni ist es nun das «historische Dokument» einer neuen Vereinbarung.

Wüthrichs Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion arbeitete mit Vertretern der Volksschulen - Schulräte, Schulleitungen, Amtliche Kantonalkonferenz der Lehrer, Personalverbände und Gemeinden - ein Neun-Punkte-Blatt aus. Dieses legt fest, wie mit den personalrechtlichen Konsequenzen von Harmos umzugehen ist.

Kanton zahlt Lohndifferenz

Denn dass die Umstellung vom System mit 5 Primar- und 4 Sekundarschuljahren auf das Modell 6/3 per 2015 nicht spurlos an den Lehrern vorbeigehen wird, ist klar. Auf Sekundarstufe werden nur noch 75 Prozent der Lehrer benötigt.

«Unser Ziel war, den betroffenen Lehrern eine möglichst grosse Arbeitsplatzsicherheit zu geben», sagt denn auch Heidi Mück vom Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD). Und für Christoph Straumann, Präsident des Baselbieter Lehrervereins, war es zentral, «dass feste und faire Regeln gelten».

Diese lauten unter anderem:
• Bis Ende April 2014 müssen jene Lehrer informiert werden, denen gekündigt wird. Sie haben Anspruch auf die Leistungen des Sozialplans für kantonale Verwaltungsangestellte.
• Sekundarlehrer der Fächer Englisch oder Französisch oder mit einem Primarstufendiplom erhalten als neue Primarlehrer denselben Lohn wie zuvor. Der Kanton bezahlt die Differenz als Zulage.
• Bis Mitte 2014 werden auf Sekundarstufe nur noch befristete Anstellungen vorgenommen.
• Einem Lehrer darf erst dann gekündigt werden, wenn er einen ihm angebotenen zumutbaren Alternativjob ablehnt oder es keine andere Stelle gibt. Kanton oder Gemeinde müssen Alternativen abklären.
• Eine paritätische Begleitgruppe sichert die korrekte Umsetzung.

Noch fehlen die Unterschriften

«Letztlich ist die Vereinbarung eine Verpflichtung zum Dialog», betont Wüthrich. Der Regierungsrat bezweifelt zudem, dass es zwischen Primar- und ehemaligen Seklehrern wegen der Lohnzulage zu Spannungen kommt. Dank Frühpensionierungen und befristeter Verträge hofft er, dass gar nicht viele Seklehrer in die Primar wechseln müssen.

Auch Entlassungen soll es möglichst wenige geben. Allerdings steht in der Vereinbarung, dass einige «unvermeidbar» sein werden. «Darüber sind wir natürlich ‹not amused›», sagt Straumann. Die Vereinbarung sei denn auch keineswegs perfekt, aber man habe im Dialog einiges erreicht. Nun wird sie den Beteiligten zur Unterschrift vorgelegt. Sollten sie einige Gemeinden ablehnen, appelliert Mück an den Kanton, Druck auszuüben. Denn fest steht: Nur wenn die Vereinbarung grossmehrheitlich unterstützt wird, kann sie wirklich «historisch» werden.