Neue Immobilienstrategie
Kanton will zwei Dutzend nicht mehr benötigte Gebäude abstossen

Schon bald kommen recht attraktive Liegenschaften auf den Markt. darunter etwa die ehemaligen Bezirksschreibereien an der Baslerstrasse in Binningen und an der Hauptstrasse in Waldenburg, beides historische, unter Schutz stehende Gebäude.

Andreas Hirsbrunner
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Für diese beiden Bauten im Liestaler Goldbrunnen-Quartier dürfte es etliche Interessenten geben.

Für diese beiden Bauten im Liestaler Goldbrunnen-Quartier dürfte es etliche Interessenten geben.

Juri Junkov/Fotograf

Diese Landratsvorlage kommt unspektakulär daher, umso mehr sie von der Finanzkommission kürzlich einstimmig durchgewinkt wurde: Der Kanton will zwei Dutzend nicht mehr benötigte Gebäude vom Verwaltungs- ins Finanzvermögen verschieben. Was nach einem reinen Verwaltungsakt aussieht, strahlt aber schon bald ins Land aus. Denn wenn Immobilien im Finanzvermögen sind, darf der Regierungsrat darüber verfügen. Das heisst insbesondere, dass er sie verkaufen kann. Und von diesem Verkaufsrecht wolle man – die Zustimmung des Landrats zur Vorlage vorausgesetzt – noch in diesem Jahr Gebrauch machen, bestätigt Roya Blaser, die den Stab Strategie im Hochbauamt leitet.

So kommen schon bald teils recht attraktive Liegenschaften auf den Markt, darunter etwa die ehemaligen Bezirksschreibereien an der Baslerstrasse in Binningen und an der Hauptstrasse in Waldenburg, beides historische, unter Schutz stehende Gebäude. Oder das Ökonomiegebäude an der Rennimattstrasse in Laufen, wo einst die Staatsanwaltschaft wirkte. Fast die Hälfte der Bauten, die der Kanton abstossen will, stehen aber in Liestal. Und hier wiederum stechen die beiden einstigen, etwas mitgenommen wirkenden Personalhäuser im Goldbrunnen neben dem Spitalfriedhof hervor, die der Kanton an Investoren verkaufen will. Sie befinden sich in der Wohnzone und dürften schon bald neuen Wohnbauten weichen.

Liestal erhält neue Perspektiven

Der Liestaler Stadtpräsident Lukas Ott ist hocherfreut über die neue kantonale Stossrichtung: «Dass der Kanton nicht mehr benötigte Gebäude veräussert, ist für uns von hochrangiger strategischer Bedeutung und ermöglicht jetzt beim Spitalfriedhof eine neue Entwicklung.» Aber das ist erst der Anfang. So weist Ott darauf hin, dass Kanton und Stadt eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen haben, die nun «die strategischen Absichten» abgleiche. Ott: «Der Kanton ist bereit, sich am neuen Bahnhof zu konzentrieren. Jetzt müssen die Räder ineinandergreifen.»

Damit spielt er vor allem auf die künftige Entwicklung im Kreuzboden an, wo der Kanton, aber auch die Gebäudeversicherung grössere Bauten respektive Landstücke besitzen. Eine noch dieses Jahr startende Testplanung soll die Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen.

Roya Blaser bestätigt denn auch, dass der Kanton in den nächsten Jahren sowohl in Liestal wie auch in andern Orten weitere Immobilien abstossen will. Doch was Liestal betrifft, muss der Landrat zuerst der Einmietung von 540 kantonalen Arbeitsplätzen ins neue Verwaltungsgebäude der SBB am Bahnhof zustimmen. Grundlage für den Kanton ist dessen neue Immobilienstrategie. Blaser sagt dazu: «Das kantonale Portfolio enthält zahlreiche Kleinststandorte und teils unwirtschaftliche Bauten. Wir wollen das bereinigen und haben alle Gebäude in die vier Kategorien Erhalten, Überprüfen, Investieren oder Abstossen eingeteilt.»

Letztere sind jene, die jetzt oder in den nächsten Jahren ins Finanzvermögen umgewidmet und danach verkauft oder allenfalls vermietet werden sollen. Das hat auch positive finanzielle Konsequenzen für den Kanton. Die gut zwei Dutzend Gebäude, die in der aktuellen Landratsvorlage aufgeführt sind, figurieren in der Kantonsbuchhaltung noch mit einem Wert von 8,5 Millionen Franken. Der Verkaufswert dürfte jedoch gemäss Bericht der Finanzkommission zwischen 22 und 33 Millionen Franken höher liegen, was allen voran Finanzdirektor Anton Lauber so etwas wie zweimal Weihnachten beschert.