Füllinsdorf
Kantonsarchäologie lüftet Geheimnis um Entdecker von 300 Münzen

Ein Hobbyarchäologe spürte im Füllinsdörfer Wald 300 Münzen auf, die um 80 vor Christus dort abgelegt wurden. Im März 2012 machte die Archäologie Baselland den Fund publik, schwieg aber über den Entdecker. Jetzt hat sie ihr Geheimnis gelüftet.

Michael Nittnaus
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Archäologen untersuchen die Fundstelle im Füllinsdörfer Wald.

Archäologen untersuchen die Fundstelle im Füllinsdörfer Wald.

Wenn es piepst, pocht sein Herz schneller. Praktisch jedes Wochenende ist der Grellinger Wolfgang Niederberger im Baselbiet unterwegs, den Metalldetektor im Anschlag. Zusammen mit seinem Freund Jean-Luc Doppler sucht er Zeichen längst vergangener Zeiten – und das seit 25 Jahren. «Der Moment des Findens ist unbeschreiblich, dieses Kribbeln ist heute noch so stark wie zu Beginn», sagt Niederberger.

Der Fundort war ein Kultort

Sie waren es, die im Füllinsdörfer Wald, am Hang des Hügels Büechlihau, einen alten Keltenschatz aufspürten. Exakt 300 Münzen lagen verteilt unter der Erde. Sie sollen um 80 vor Christus dort abgelegt worden sein.

Damit hatten Niederberger und Doppler nichts weniger als den grössten Schatz an keltischen Edelmetallmünzen der Schweiz entdeckt. Im März 2012 machte ihn die Archäologie Baselland publik – ohne jedoch die Finder und den genauen Fundort zu nennen. Dies aus Angst vor Raubgrabungen, die «archäologisches Kulturerbe unwiederbringlich zerstören».

Seit gestern muss Niederberger nicht mehr schweigen. Die Kantonsarchäologie nutzte die Präsentation ihres Jahresberichtes 2012, um das Geheimnis zu lüften. Mittlerweile ist die Fundstätte systematisch abgesucht und die wissenschaftliche Auswertung angelaufen.

«Wir gehen davon aus, dass es sich bei der Stelle um einen Kultort, wohl einen heiligen Hain handelt», sagt Andreas Fischer. Der stellvertretende Kantonsarchäologe macht dies unter anderem daran fest, dass am selben Ort noch viele weitere Funde gemacht wurden, auch aus römischer Zeit, ohne dass feste bauliche Strukturen nachweisbar wären.

Auch dass am Fusse just dieses Hügels – einige Jahrzehnte nachdem der Schatz abgelegt worden war – die römische Koloniestadt Augusta Raurica entstand, zerstörte den Kultort nicht. Bis in die Spätantike sei die Bedeutung aufgrund der Funde belegt.

Kein Wunder, ist der Keltenschatz das Highlight im Jahresbericht. Niederberger, der sich lieber als Hobbyarchäologe denn als Schatzsucher bezeichnet, hatte diese Bedeutung lange nicht realisiert. Schliesslich habe er auch nicht alle 300 Münzen aufs Mal gefunden. Ganz im Gegenteil: «Zwischen der ersten und der letzten Münze lagen 10 bis 15 Jahre.» Erst Ende 2011 meldeten er und Doppler den Fund der Kantonsarchäologie – und wurden so von illegalen Sondengängern zu ehrenamtlichen Spähern.

Weitere Funde in der Schublade

«Jetzt finde ich es spannender, viele Puzzleteile zu einem Ganzen zusammenzusetzen, anstatt die Funde für mich zu behalten. Auch alle anderen Sondengänger sollten mit dem Kanton zusammenarbeiten», verbindet Niederberger seinen persönlichen Wandel mit einem Aufruf.

Und der 58-Jährige hat schon das nächste Ass im Ärmel: «Ich habe noch weitere interessante Funde in meiner Schublade, auf die sich die Öffentlichkeit freuen kann.» Mehr wolle er aber nicht verraten, bloss die Kantonsarchäologie sei bereits eingeweiht. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Just gestern hat sich Niederberger einen stärkeren Metalldetektoren bestellt.

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