Kantonsspital Liestal
Kantonsspital macht im Sommer Abteilung wegen Überstunden zu

Die Mitarbeitenden des Kantonsspitals in Liestal haben massiv Überstunden geleistet. Nun reagiert das Spital und schliesst eine Abteilung für fast vier Monate. Von Mitte Juni bis Anfangs Oktober ist das Bettenhaus für Medizin und Geriatrie zu.

Leif Simonsen
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Beine hochlagern können ab Mitte Juni die Mitarbeitenden des Kantonsspitals in Liestals – dank einer Abteilungsschliessung bis Oktober. (Archiv)

Beine hochlagern können ab Mitte Juni die Mitarbeitenden des Kantonsspitals in Liestals – dank einer Abteilungsschliessung bis Oktober. (Archiv)

Juri Junkov

Abteilung 5.1 im Kantonsspital Baselland in Liestal, das Bettenhaus für Medizin und Geriatrie: Die Mitarbeitenden müssen massiv Überstunden leisten. Die Situation hat sich verschärft, seit sich die verselbstständigten Spitäler hüten, zu viel Personal einzustellen. Anfangs Woche eröffnete die Leiterin des Pflegediensts den Mitarbeitenden, wie das Spital das Problem der vielen Überstunden lösen wird: Von Mitte Juni bis Anfangs Oktober wird gleich die ganze Abteilung geschlossen. Die 16 Betten werden in den siebten Stock verlegt und das Pflegepersonal der ganzen Medizinischen Universitätsklinik darf Ferien beziehen: oder eben Überstunden abbauen.

Die Spitalleitung musste sich am Montag vom Personal nach dieser Information einige kritische Anmerkungen anhören. Durch verschiedene Ausfälle habe sich schon länger abgezeichnet, dass die Personaldecke zu dünn sei und die Belastung der Mitarbeitenden zu gross. Die Spitalleitung selber sieht indes keine Probleme. Die vorübergehende Abteilungsschliessung sei eine «Win-win-Situation» für die Arbeitnehmer und den Arbeitgeber, wie Kantonsspital-Sprecher Urs-Peter Modespacher sagt. «Diese Monate sind auch für unsere Mitarbeitenden beliebte Ferienmonate, was die Vereinbarung von privaten Ferien und Planung der Arbeitseinsätze erleichtert.»

Die Sorgen bleiben

Zudem macht sich das Kantonsspital zum ersten Mal die saisonalen Schwankungen im Gesundheitswesen zunutze. «Aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre hat es insbesondere in der medizinischen Klinik in den Sommermonaten weniger stationäre Patienten als im Winterhalbjahr gegeben», führt Modespacher aus. Alleine der Rückgang der Grippefälle führt zu einem merklichen Einbruch bei den Patientenzahlen. Dass aus der temporären Schliessung eine dauerhafte wird, schliesst Modespacher daher aus. «Ab Oktober wird wieder auf Normalbetrieb, auch in der Abteilung 5.1, umgestellt.» Somit nimmt er den Mitarbeitenden die grösste Angst. Nämlich, dass das Spital eine Entlassung auf Raten plant.

Für die Mitarbeitenden sind aber damit nicht alle Probleme vom Tisch. Eine Mitarbeitende, die beim Gespräch am Montag zugegen war, erkannte bei einigen Kollegen Tränen in den Augenwinkeln und «so etwas wie Resignation - auch wenn sie sehen, dass sich die Spitalleitung Mühe gibt, nach passenden Lösungen zu suchen». Deren Sorge ist, dass sie aus dem bestehenden Team ausscheiden und im Oktober nicht in die angestammte Abteilung zurückkehren können. Eine Sorge, die der Verband des Personals öffentlicher Dienste der Region Basel (VPOD) teilt. VPOD-Sekretärin Marianne Meyer glaubt zwar, dass die Vorgehensweise des Kantonsspitals durchaus sinnvoll sein könne. Nur müsse eben garantiert sein, dass die Mitarbeitenden im Herbst wieder in ihr angestammtes Umfeld könnten. Zudem werde der VPOD genau beobachten, ob die Mitarbeitenden ihre Ferien tatsächlich «nach ihren familiären Planungen» beziehen können, wie Meyer sagt. Modespacher verspricht ihr: «Es werden keine Ferien verordnet.»

Möglich ist, dass Liestals Lösung fürs Sommerloch auch an den Standorten Bruderholz und Laufen angewandt wird. Was eine Abteilungsschliessung angeht, «sind Abklärungen im Gange», wie der Kantonsspital-Sprecher sagt.