Kirschbäume
Karge Zeiten trotz üppiger Blust

Nach den Frostnächten der vergangenen Woche ist mit massiven Ertragsausfällen in der Steinobsternte zu rechnen. Auch die Weinernte ist gefährdet.

Yannette Meshesha
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Schön, aber fatal: Der verfrühte Blühbeginn von Kirsch- und anderen Obstbäumen wurde in den heftigen Frostnächten zum Verhängnis.

Schön, aber fatal: Der verfrühte Blühbeginn von Kirsch- und anderen Obstbäumen wurde in den heftigen Frostnächten zum Verhängnis.

Nicole Nars Zimmer

Heftige Frostnächte haben den Obstbäumen der Region Basel arg zu schaffen gemacht. «Bei einigen Baselbieter Betrieben mit Steinobst sieht es nach einem massiven Ertragsausfall aus», kommentiert Franco Weibel, Leiter des Ressorts Spezialkulturen im Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain. Für genaue Schätzungen des Schadens durch die Branchenorganisationen sei es aber noch zu früh.

Auch die Weinernte ist gefährdet

Nicht nur die Kirschbäume leiden unter der Kälte. Auch für Weinbauern hatten die Frostnächte verheerende Folgen. «Bei uns sind sämtliche Triebe erfroren. Wir hoffen jetzt, dass möglichst viele Nebenknospen austreiben», hält Thomas Löliger, Weinbauer auf dem Rebberg im Steinbruch Arlesheim, fest. Nicht alle Stöcke bilden Nebenknospen aus, aber Löliger hofft, dass nachwachsende Nebentriebe den Schaden teilweise auffangen können. «Es wird erst in einigen Wochen absehbar, wie gross der Ernteausfall sein wird.»

Der Spätfrost sei dieses Jahr besonders heftig ausgefallen. Löliger sagt: «Andere Winzer haben versucht, ihre Reben mit Abdeckungen und Frostkerzen zu schützen, aber nicht einmal das hat viel gebracht.» In anderen Jahren habe man teilweise Trauben von anderen Weinbergen zukaufen können, um den Ertrag aufzustocken. «Aber dieses Jahr sind die Schäden in der ganzen Schweiz gross, sodass wohl kaum jemand Trauben übrig haben wird.»

Kälteanfällige Kirschbäume

Kirschbäume gehören zum typischen Landschaftsbild im Baselbiet. Wie Beat Ernst, Projektleiter von regionatur.ch erklärt, ist der Kirschenanbau in der Region eine Modeerscheinung aus dem 19. Jahrhundert. «Aufgrund ihrer Kälteanfälligkeit hat man Kirschbäume an oberen Hängen und auf erhöhten, sonnigen Plateaux gepflanzt.»

Ernst bleibt vorerst optimistisch und sagt: «Der Frost bedeutet zwar einen Ertragsausfall, wird aber dem Kirschenanbau der Region nicht den Todesstoss versetzen.» Andere Faktoren wie der Preiszerfall auf dem Markt seien da ausschlaggebender. «Besonders der Anbau von Hochstammkirschen ist unrentabel, obwohl er für den Lebensraum von Vögeln und Insekten wichtig ist.» Hochstammobst sei schwieriger zu schützen als Niederstammkulturen, die man besser abdecken und wärmen könne.

Ertragssicherheit gefährdet

Dieses Jahr konnten im Kanton Baselland aber Schutzmassnahmen nur wenig gegen die heftigen Frostnächte ausrichten. Die rekordmässig hohen Märztemperaturen haben dazu geführt, dass die Obstbäume und Rebstöcke früher austrieben und die empfindlichen Blüten und Jungtriebe dem Frosteinbruch im schlimmst möglichen Mass ausgesetzt waren.

«Mit solchen Folgen des Klimawandels und invasiven Schädlingen wie der Kirschessigfliege haben wir heute eine wesentlich geringere Ertragssicherheit als noch bis zu den 80er-Jahren.» Weibel vom Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain hält fest: «Die Herausforderungen, um den Kirschenanbau künftig kostendeckend oder gar gewinnbringend zu betreiben, sind enorm.»

Auch der Wechsel der Kirschsorte könne da nur wenig bewirken. Weibel erklärt: «Es gibt unter den Dutzenden der gängigen neuen und alten Kirschsorten nur relativ geringe Unterschiede gegenüber Frost, Krankheiten und Schädlingen.» Die sicherste Massnahme gegen Frostschäden seien fest installierte Beregnungsanlagen. Das Wasser bilde dabei eine schützende und energieabgebende Eisschicht um die Pflanzenorgane.

Diese Massnahme sei aber sehr kostenintensiv. «Auch die benötigten Wassermengen sind enorm und stehen wohl bei den meisten Baselbieter Wasserversorgern kaum zur Verfügung», sagt Spezialist Weibel. «Falls die Wetterextreme weiter zunehmen, werden Obstbauern wohl noch mehr Geld und Arbeit in die Ertragssicherheit ihrer Bäume investieren müssen.»

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