Strafanzeige
Kassierin plündert Vereinskasse - Um die 50'000 Franken fehlen

Beim Baselbieter Heimatschutz reibt man sich die Augen: Die Kassierin, die 25 Jahre im Vorstand sass und als Vertrauensperson galt, hat offenbar die Vereinskasse geplündert. Es fehlen um die 50000 Franken.

Andreas Hirsbrunner
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Im Fokus steht die jahrelange Kassierin des Vereins (Symbolbild).

Im Fokus steht die jahrelange Kassierin des Vereins (Symbolbild).

Keystone

Seinen Start als Präsident des Baselbieter Heimatschutzes hat sich Ruedi Riesen definitiv anders vorgestellt. Als der Liestaler alt Stadtrat im November 2013 das Amt übernahm, wollte er den vormals eher im Stillen arbeitenden Verein raus an die Öffentlichkeit bringen und rund um Baufragen zu einer deutlich hörbaren Stimme machen. Das Vereinsvermögen von 60'000 Franken bildete dabei das Rückgrat, das auch die eine oder andere Aktion zulassen sollte, die etwas mehr als ein Trinkgeld kostet. Wobei die Betonung heute auf «sollte» liegt, ist doch von diesem vermeintlichen Vermögen nur noch ein Bruchteil vorhanden.

Wohin das Geld geflossen ist, klärt derzeit die Staatsanwaltschaft im Rahmen eines Verfahrens wegen Veruntreuung ab. Dies auf eine Strafanzeige des Heimatschutz-Vorstands im letzten Dezember hin. Im Fokus steht dabei die jahrelange Kassierin des Vereins, die derzeit – wie auch die beiden Revisoren – suspendiert ist, wobei wie immer die Unschuldsvermutung gilt, solange die Frau nicht verurteilt ist. Hellhörig sind Riesen und der ebenfalls neue Geschäftsführer des Heimatschutzes, Markus Vogt, erstmals im Januar 2014 geworden. Damals stellten sie fest, dass das vermeintliche Bank-Konto des Vereins in der Tat ein Privatkonto der Kassierin mit dem Zusatz «Heimatschutz Baselland» war, über das die Kassierin das alleinige Verfügungsrecht besass.

Riesen und Vogt eröffneten sofort ein neues Bankkonto und verlangten die Originalbelege vom Privatkonto. Als diese nicht kamen, wurden sie hellhörig. Aber da war es schon längst zu spät: Vom Vereinsvermögen liessen sich nur noch 10'000 Franken sicherstellen. Riesen sagt: «Die Kassierin hat über Jahrzehnte das Vertrauen des Vorstands genossen. Das ist ein tragischer Fall und beschäftigt mich sehr.»

Vertrauensselige Revisoren

Der neue Präsident wollte aber nicht sofort mit einer Anzeige dreinfahren, sondern der Kassierin eine Chance geben. Sie habe immer wieder gesagt, das Geld sei vorhanden, doch gebracht habe sie es nie. Schliesslich zog der Vorstand im Dezember die Reissleine. Markus Jermann, Riesens Vorgänger als Präsident, sagt: «Niemals wäre jemandem von uns in den Sinn gekommen, der Frau zu misstrauen. Sie war als Lehrerin eine Vertrauensperson und 25 Jahre lang im Vorstand.» Enttäuschend sei, dass die Rechnungsrevisoren nichts gemerkt hätten; von Seiten des Vereins habe man sich stets auf deren Berichte gestützt. Aber sie seien jeweils auch erst im letzten Moment vor der Generalversammlung von der Kassierin zur Revision eingeladen worden, dabei hätten die Bankbelege gefehlt. 2013 hätten die Revisoren dann zum ersten Mal die Nachlieferung dieser Belege verlangt.

Der ganze Fall hat nun diverse Auswirkungen für den Baselbieter Heimatschutz: Fürs Nötigste hat er einen Vorschuss vom Schweizer Dachverband erhalten, kleinere Aufwendungen wie Apéros und dergleichen finanzieren die Vorstandsmitglieder aus dem eigenen Sack. Die Kasse wird derzeit von Geschäftsführer Markus Vogt geführt und die letzte Rechnung, die die Generalversammlung nicht genehmigen konnte, wird von einem Treuhandbüro professionell revidiert.

Etwas ändere aber nicht, versichert Riesen: «Der teilerneuerte Vorstand lässt sich seinen Schwung nicht nehmen und wir gehen mit Optimismus ans Werk.» Dazu gehören in diesem Jahr vier öffentlichen Veranstaltungen, so etwa eine Führung durchs Boom-Areal auf dem Dreispitz am 17. Juni und die Auszeichnung guter Bauten am 23. Oktober.

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