Landrat
Kein «Bildersturm» im Baselbieter Landrat

Ein Postulant der GLP hatte sich an den rund 80 Jahre alten Wandbildern im Saal gestört, die den Kanton von heute nicht mehr spiegeln würden. Seinem Antrag, eine Neugestaltung zu prüfen, mochte die Mehrheit aber nicht folgen.

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Übersicht des Landratssaals (Archiv)

Übersicht des Landratssaals (Archiv)

Kenneth Nars

Im Landratssaal im Liestaler Regierungsgebäude schmückt ein Triptychon von Otto Plattner und Emilio Müller von 1932 die Wand hinter Parlamentspräsidium, Schreiber und Regierung. Es zeigt Bauleute, Handwerker und Bauern bei der Arbeit - mit Ochs' und Pflug. Die Zeit für etwas Neues sei gekommen, sagte der GLP-Landrat.

Denn der Kanton habe sich seither enorm entwickelt, lebe von Industrie und Dienstleistungen, und selbst die Landwirtschaft arbeite heute mit modernen Geräten, sagte der Postulant. Im übrigen sei der Landratssaal auch sonst nicht repräsentativ, und es sei «fast ein bisschen wie in einer Brockenstube».

Die Mehrheit sah es anders

Auch wenn Einige im Rat Verständnis für das Anliegen zeigten: Die Mehrheit sah dies anders. Soviel Kunstverständnis könne vorausgesetzt werden, dass man in dem Werk nicht ein Abbild der Realität suche, sondern das, was es aus seiner Zeit heraus darstellt, sagte etwa ein SP-Landrat.

Sonst müsste man im Nachbarkanton Basel-Stadt im Grossratssaal ebenfalls die Wandbilder auswechseln, denn diese zeigten den Beitritt zur Eidgenossenschaft von 1501, erklärte ein SVP-Landrat. Und ein FDP-Landrat fragte sich, was die Wähler wohl denken, wenn der Rat über so etwas diskutiere. Ein anderer sprach von einem «Bildersturm».

Man solle Werke aus früheren Zeiten nicht ausblenden, sagte auch Bildungsdirektor Urs Wüthrich. Immerhin, fügte er in der zuweilen mit Augenzwinkern geführten Debatte hinzu, habe letzten Samstag auch der Botschafter Chinas bei einem Besuch in Liestal das Wandbild «mit grossem Interesse studiert». Der Rat lehnte das Postulat mit 52 zu 27 Stimmen ab.