Oberwil
Kein Nachwuchs in Sicht – das beliebte Fraumatt-Schwinget ist am Ende

Nach dem erfolgreichen 10. Fraumatt-Schwinget im August stellte sich das Organisations-Komitee die Frage: Wie weiter? Es kam zu einer ernüchternden Antwort: Gar nicht.

Benjamin Wieland
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Das Fraumatt-Schwinget war erfolgreich – fast ein wenig zu erfolgreich. Denn das OK scheut eine Kommerzialisierung: «Damit ginge die familiäre und festliche Ambiance verloren.» (Foto von 2016)

Das Fraumatt-Schwinget war erfolgreich – fast ein wenig zu erfolgreich. Denn das OK scheut eine Kommerzialisierung: «Damit ginge die familiäre und festliche Ambiance verloren.» (Foto von 2016)

Georges Küng

Dann aufhören, wenn es am schönsten ist: Das schreiben die Verantwortlichen des Fraumatt-Schwingets in Oberwil. Zehnmal fand das familiäre Schwingfest statt – die jüngste Ausgabe stieg im August, wie gewohnt in familiärer Atmosphäre auf dem idyllischen Gelände zwischen Oberwil und Therwil. Die zehnte Ausgabe war nun die letzte.

Der Vorstand des Vereins Fraumatt-Schwinget und das OK begründen ihren Entscheid damit, dass der Anlass zu erfolgreich geworden sein, um ihn in der gewohnt persönlichen Art weiterführen zu können.

«Eigentlich müssten wir einen Schritt nach vorne tun, noch professioneller werden und die Infrastruktur vergrössern, was zur Kommerzialisierung des Anlasses führen würde», heisst es in der Medienmitteilung vom Donnerstag. «Damit ginge die familiäre und festliche Ambiance verloren.»

Zusammen älter geworden

Ein weiteres Problem sei der Nachwuchs. Es werde immer schwieriger, die nötigen freiwilligen Helfer zu rekrutieren. «Im OK sind die meisten seit dem ersten Fraumatt-Schwinget tätig und sind also miteinander auch zehn Jahre älter geworden.» Es gebe genügend Beispiele, die aufzeigten, wie schwierig eine solche notwendige Erneuerung sei.

Alle Fragen hätten der Verein und das OK an der letzten Aufputz-Sitzung besprochen. Danach sei klar gewesen: «Das Fraumatt-Schwinget in Oberwil ist Geschichte.» Es sei allen bewusst, dass der Anlass mittlerweile zu einer liebgewonnenen Tradition zähle. «Dennoch sind wir uns sicher, dass unser Entscheid richtig ist.»

Alle «Bösen» in einem Pool

Die Verantwortlichen dürfen auf das Geleistete stolz sein. An der diesjährigen Ausgabe vom Samstag, 18. August, kamen über 2000 Besucher auf die Fraumatt. Gegen 100 Freiwillige standen im Einsatz. Auch sportlich konnte sich das Fraumatt-Schwinget hervortun. 2016 war Christian Stucki auf dem Sägemehl zu bestaunen. Der spätere Sieger am Unspunnen-Schwinget 2017 gewann die 8. Fraumatt-Ausgabe – der prominente Besuch trug sicherlich viel zur rekordverdächtigen Kulisse von 4000 Zuschauern bei.

Stucki durfte sich nach seinem Sieg in einem riesigen temporären Wasserbecken erfrischen, gemeinsam mit den anderen Athleten. Aufgestellt hatte den Pool Ivano Brunoni. Der Präsident des Trägervereins war es auch, der die «Bösen» 2009 erstmals nach Oberwil holte. Die erste Ausgabe ging auf seine private Initiative zurück, die Sägemehl-Kreise wurden schon damals auf seiner «Hausmatte» gestreut.

Es sind Geschichten wie diese, die dem Fraumatt-Schwinget seinen unverwechselbaren Charakter verliehen.